Diabetischer Fuß: Lokale Sauerstofftherapie bleibt ohne belegten Nutzen
Für viele Diabetes-Patienten ist ein diabetisches Fußulkus (DFU) eine gefürchtete und überaus belastende Komplikation. Auf der Suche nach wirksamen Behandlungsansätzen wird immer wieder die lokal-hyperbare Sauerstofftherapie herangezogen. Doch nun dämpft das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Hoffnungen: Die aktuelle Datenlage reicht nicht aus, um einen klaren Nutzen oder Schaden der Methode wissenschaftlich zu belegen.
Zu wenig aussagekräftige Daten
Wie das in Köln ansässige Institut nach einer umfassenden Auswertung mitteilt, ist die wissenschaftliche Evidenz zur lokal-hyperbaren Sauerstofftherapie bei diabetischen Fußgeschwüren schlichtweg zu dürftig. Das Forscherteam konnte keine belastbaren Anhaltspunkte dafür finden, dass die Behandlung den Betroffenen einen eindeutigen Vorteil gegenüber der herkömmlichen Standardwundversorgung bietet. Gleichermaßen lässt sich aber auch kein potenzieller Schaden der Therapie zweifelsfrei ableiten.
Wie funktioniert die Sauerstofftherapie?
Bei der lokal-hyperbaren Sauerstofftherapie wird die betroffene Wunde am Fuß isoliert und in einer speziellen Kammer oder Hülle reinem Sauerstoff unter erhöhtem Druck ausgesetzt. Die zugrundeliegende Theorie besagt, dass die erhöhte Sauerstoffkonzentration im Gewebe die Wundheilung beschleunigen, Entzündungen hemmen und letztlich schwerwiegende Folgen wie Amputationen verhindern soll. In der Praxis wird das Verfahren oft als ergänzende Maßnahme zur klassischen Wundreinigung und Druckentlastung angeboten.
Warum das IQWiG skeptisch bleibt
Um neue Behandlungsmethoden fundiert bewerten zu können, bedarf es strenger wissenschaftlicher Nachweise. Laut dem IQWiG fehlen jedoch ausreichend große, randomisierte und kontrollierte Studien, die den langfristigen Erfolg der Sauerstofftherapie bei diabetischen Fußulzera zweifelsfrei dokumentieren. Die wenigen vorhandenen Daten weisen methodische Schwächen auf oder sind schlicht nicht aussagekräftig genug, um eine generelle, weitreichende Behandlungsempfehlung auszusprechen.
Was bedeutet das für Pflegekräfte und Patienten?
Für die Pflegepraxis und betroffene Patienten bedeutet diese Bewertung vorerst, dass die etablierte Standardtherapie weiterhin das absolute Maß der Dinge bleibt. Zu den wichtigsten Säulen der Behandlung gehören:
- Eine konsequente Druckentlastung des Fußes, beispielsweise durch spezielles orthopädisches Schuhwerk.
- Die regelmäßige, professionelle Wundreinigung und stetige Wundversorgung durch Fachpersonal.
- Eine optimale und engmaschige Einstellung des Blutzuckerspiegels.
- Die gezielte medizinische Behandlung von begleitenden Infektionen.
Patienten, denen eine lokal-hyperbare Sauerstofftherapie als Zusatzleistung angeboten wird, sollten sich bewusst sein, dass es sich hierbei um ein Verfahren handelt, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich noch nicht abschließend gesichert ist. Es ist ratsam, solche ergänzenden Therapien stets in enger Absprache mit dem behandelnden Diabetologen oder Wundexperten zu prüfen, ohne dabei die bewährten Säulen der klassischen Wundversorgung zu vernachlässigen.
Das IQWiG macht deutlich: Um der Methode künftig einen verlässlichen Platz in der Versorgungslandschaft einzuräumen, sind weitere, qualitativ hochwertige klinische Studien zwingend erforderlich.
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