Schluss mit der Verharmlosung: Mediziner fordern Umdenken bei Post-COVID

Benedikt Hübenthal
Post-COVID-Syndrom: Ärzte warnen vor Verharmlosung | PflegeHelfer24

Das Post-COVID-Syndrom (PCS) ist nach wie vor für unzählige Menschen eine massive Belastung im Alltag. Doch noch immer kämpfen Betroffene nicht nur mit den Symptomen, sondern auch mit Unverständnis. Zwei der größten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland schlagen nun Alarm: Die Verharmlosung der Krankheit muss endlich aufhören.

In einem wegweisenden Positionspapier positionieren sich die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) unmissverständlich gegen die Bagatellisierung des Post-COVID-Syndroms.

Keine Einbildung, sondern eine hochkomplexe Erkrankung

Das Post-COVID-Syndrom lässt sich nicht in eine einfache Schublade stecken. Laut den Experten gibt es keine wissenschaftliche Grundlage dafür, die Beschwerden ausschließlich als psychische oder rein körperliche Erkrankung abzustempeln. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild, das eine differenzierte und multiprofessionelle Betrachtung erfordert.

Wer behauptet, PCS sei nur eine Modediagnose oder gar reine Einbildung, ignoriere die klare empirische Faktenlage. Solche Positionen führen im schlimmsten Fall zu folgenschweren Unter- und Fehlbehandlungen der Patienten.

Der biopsychosoziale Ansatz als Schlüssel zur Heilung

Um die Krankheit in ihrer Gesamtheit zu erfassen, fordern die Mediziner einen sogenannten biopsychosozialen Ansatz. Bei diesem Modell wird davon ausgegangen, dass körperliche, psychische und soziale Faktoren bei der Entstehung und dem Fortbestehen der Erkrankung eng miteinander verwoben sind. Zwar ist PCS keinesfalls mit bekannten psychischen Erkrankungen gleichzusetzen, jedoch können psychische Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Angststörungen den Heilungsverlauf massiv erschweren. Diese müssen daher konsequent mitbehandelt werden.

Klare Forderungen an Politik und Gesundheitssystem

Um die Lebensqualität und Teilhabe der betroffenen Menschen nachhaltig zu verbessern, richten die Fachgesellschaften konkrete Forderungen an die Politik und die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen:

  • Interdisziplinäre Versorgung: Die Trennung von Fachdisziplinen muss überwunden werden. Ärzte, Pflegekräfte, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter müssen eng verzahnt zusammenarbeiten.
  • Aufklärungskampagnen: Die öffentliche Wahrnehmung muss geschärft werden, um das gesellschaftliche Verständnis zu fördern und Betroffene vor Stigmatisierung zu schützen.
  • Forschungsförderung: Es bedarf einer koordinierten und ressortübergreifenden finanziellen Unterstützung der Forschung, damit neue Erkenntnisse schneller in den Praxisalltag und die Pflege integriert werden können.
  • Individuelle Belastungsgrenzen: Therapien müssen strikt an die individuellen Grenzen der Patienten angepasst werden. Sogenanntes Pacing, also das Vermeiden von Überlastung, ist dabei essenziell.

Ein wichtiges Signal für die Pflege

Für Pflegekräfte und Angehörige, die tagtäglich mit PCS-Patienten arbeiten, ist das Positionspapier ein wichtiges Signal. Es unterstreicht, dass die Erschöpfungszustände und kognitiven Einschränkungen der Betroffenen reale, schwerwiegende Symptome sind, die eine behutsame und angepasste Begleitung erfordern. Die klare Ansage der Fachgesellschaften könnte nun den Druck auf die Politik erhöhen, endlich flächendeckende, spezialisierte Versorgungsstrukturen zu schaffen.

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