Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, eine kleine Stolperfalle im Wohnzimmer oder ein Ausrutscher auf nassen Fliesen im Badezimmer – ein Sturz im Alter passiert oft in Sekundenbruchteilen. Die Diagnose im Krankenhaus lautet dann häufig: Oberschenkelhalsbruch (medizinisch: Schenkelhalsfraktur). Für Senioren und ihre Angehörigen ist dies ein massiver Einschnitt, der das bisherige Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellt. Nach der zwingend notwendigen Operation und dem anschließenden Krankenhausaufenthalt stellt sich meist sehr schnell und drängend die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Wie soll der Alltag zu Hause bewältigt werden, wenn die Mobilität plötzlich stark eingeschränkt ist?
In den meisten Fällen ändert sich der Pflegebedarf nach einem solchen Bruch schlagartig. Tätigkeiten, die gestern noch selbstverständlich waren – wie das Treppensteigen, der Gang zur Toilette, das Anziehen oder die Körperpflege – sind plötzlich ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich. Genau in dieser emotional belastenden und stressigen Situation müssen Angehörige schnell handeln, um die bestmögliche Versorgung für ihre Liebsten zu organisieren und finanzielle Unterstützung der Pflegekasse zu sichern.
In diesem umfassenden Ratgeber erklären wir Ihnen detailliert und leicht verständlich, wie Sie nach einem Oberschenkelhalsbruch schnell und zielgerichtet Hilfe für zu Hause beantragen. Wir zeigen Ihnen, wann ein dauerhafter Pflegegrad bewilligt wird, wie Sie einen Eilantrag stellen und welche finanziellen Leistungen Ihnen aktuell zustehen. Zudem geben wir Ihnen wertvolle Tipps zur Wohnraumanpassung – vom Hausnotruf bis zum Treppenlift –, damit die Rückkehr in die eigenen vier Wände sicher und reibungslos gelingt.
Der Oberschenkelhalsbruch ist eine der häufigsten und folgenschwersten Verletzungen bei Menschen über 65 Jahren. Die Knochenstruktur ist im Alter oft durch Osteoporose geschwächt, weshalb selbst ein leichter Sturz ausreicht, um den Oberschenkelknochen nahe dem Hüftgelenk brechen zu lassen. Die medizinische Versorgung erfolgt in der Regel durch eine sofortige Operation, bei der entweder Nägel und Schrauben eingesetzt werden oder ein künstliches Hüftgelenk (Endoprothese) implantiert wird.
Das eigentliche Problem für die Pflegeorganisation beginnt jedoch nach der Operation. Die Liegezeiten in deutschen Krankenhäusern sind kurz. Oft werden Patienten bereits nach ein bis zwei Wochen entlassen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Patient jedoch noch lange nicht wieder fit. Die Wundheilung ist im Gange, das Bein darf oft noch nicht voll belastet werden, und die Angst vor einem erneuten Sturz sitzt tief. Ohne eine lückenlose Anschlussversorgung drohen Komplikationen, Vereinsamung und eine drastische Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
Hier greift das deutsche Sozialsystem, doch die Mühlen der Bürokratie mahlen oft langsam. Wer erst am Tag der Entlassung beginnt, einen Pflegedienst zu suchen oder einen Pflegegrad zu beantragen, verliert wertvolle Zeit. Deshalb lautet die oberste Regel für Angehörige: Werden Sie sofort nach der Diagnose aktiv!
Beratung durch den Sozialdienst im Krankenhaus
Die Entlassung nach Hause gut vorbereiten
Ihre erste und wichtigste Anlaufstelle noch während des Krankenhausaufenthalts ist der Sozialdienst (auch Überleitungsmanagement oder Entlassmanagement genannt) der jeweiligen Klinik. Jedes Krankenhaus in Deutschland ist gesetzlich dazu verpflichtet, ein solches Entlassmanagement anzubieten, um eine nahtlose Versorgung nach dem Klinikaufenthalt sicherzustellen.
Der Sozialdienst übernimmt für Sie entscheidende erste Schritte, die Sie in dieser ohnehin schon belastenden Situation enorm entlasten können:
Initiierung des Eilantrags: Der Sozialdienst kann direkt aus dem Krankenhaus heraus einen beschleunigten Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad bei der Pflegekasse stellen.
Organisation der Anschlussheilbehandlung (AHB): Falls der Patient medizinisch stabil ist, wird eine geriatrische Rehabilitation beantragt, in der die Beweglichkeit durch Physiotherapie wiederhergestellt werden soll.
Vermittlung von Kurzzeitpflegeplätzen: Wenn eine Rückkehr nach Hause noch nicht möglich ist und keine Reha angetreten werden kann, sucht der Sozialdienst nach einem Platz in einer stationären Kurzzeitpflege.
Organisation von Hilfsmitteln: Der Sozialdienst kann erste, dringend benötigte Hilfsmittel wie einen Rollator, einen Toilettenstuhl oder ein Pflegebett für die Zeit nach der Entlassung verordnen lassen.
Unser Experten-Tipp: Gehen Sie proaktiv auf das Pflegepersonal oder die behandelnden Ärzte zu und bitten Sie ausdrücklich um ein Gespräch mit dem Sozialdienst. Warten Sie nicht darauf, dass man auf Sie zukommt. Je früher der Sozialdienst involviert ist, desto reibungsloser funktioniert der Übergang vom Krankenhaus in die weitere Versorgung.
Unter normalen Umständen hat die Pflegekasse nach Eingang eines Antrags auf Pflegeleistungen bis zu 25 Arbeitstage Zeit, um über den Pflegegrad zu entscheiden. Nach einem Oberschenkelhalsbruch und einer anstehenden Krankenhausentlassung ist diese Frist jedoch viel zu lang. Für diese kritischen Situationen hat der Gesetzgeber im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) verkürzte Begutachtungsfristen verankert.
Ein sogenannter Eilantrag zwingt den Medizinischen Dienst (MD) – ehemals MDK – oder bei privat Versicherten die Einrichtung Medicproof, die Begutachtung deutlich schneller durchzuführen.
Die Pflegekasse muss die Begutachtung innerhalb von einer Woche (7 Tage) durchführen lassen, wenn:
sich der Antragsteller im Krankenhaus oder in einer stationären Rehabilitationseinrichtung befindet und
die Sicherstellung der ambulanten Pflege nach der Entlassung noch nicht geklärt ist oder
Angehörige bei ihrem Arbeitgeber eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung (Pflegezeit) anmelden müssen, um die Pflege zu organisieren.
Befindet sich die pflegebedürftige Person bereits wieder zu Hause, aber es droht eine akute Unterversorgung, weil Pflegepersonen ausfallen oder der Zustand sich drastisch verschlechtert hat, muss die Begutachtung innerhalb von zwei Wochen erfolgen.
Wird der Eilantrag bewilligt, erfolgt die Begutachtung oft noch direkt am Krankenbett oder in der Reha-Klinik. Dies hat den Vorteil, dass der tatsächliche, akute Hilfebedarf für den Gutachter sofort ersichtlich ist. Beachten Sie jedoch, dass eine solche Einstufung oft zunächst befristet erfolgt, da man davon ausgeht, dass sich der Zustand nach der Heilung des Bruchs wieder verbessern könnte.
Selbst wenn die Operation optimal verlaufen ist, können die meisten Senioren nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht sofort wieder in ihre eigene Wohnung zurückkehren – besonders dann nicht, wenn sie alleine leben oder die Wohnung nicht barrierefrei ist (z. B. durch Treppen). In dieser Phase dienen die Kurzzeitpflege und die Übergangspflege als rettende Brücke.
Die Kurzzeitpflege ist eine vollstationäre Pflege auf Zeit. Der Patient zieht für einige Wochen in ein Pflegeheim, wo er rund um die Uhr versorgt wird. Dies gibt den Angehörigen die dringend benötigte Zeit, um die Wohnung zu Hause pflegegerecht umzubauen (z. B. einen Treppenlift zu installieren oder das Badezimmer anzupassen) und einen ambulanten Pflegedienst zu organisieren.
Die Pflegekasse übernimmt die pflegebedingten Kosten der Kurzzeitpflege für bis zu acht Wochen im Jahr. Aktuell steht hierfür ein Budget von 1.774 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung. Dieses Budget kann durch nicht genutzte Mittel aus der Verhinderungspflege auf bis zu 3.386 Euro aufgestockt werden. Wichtig zu wissen: Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung (die sogenannten Hotelkosten) sowie die Investitionskosten der Einrichtung müssen vom Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Hierfür kann jedoch der Entlastungsbetrag in Höhe von 131 Euro monatlich genutzt werden.
Hinweis zur Gesetzesänderung: Durch das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) wurden die Budgets für Kurzzeit- und Verhinderungspflege ab dem 1. Juli 2025 in einem Gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 Euro zusammengefasst. Dieses Gesamtbudget können Sie nun völlig flexibel für die Kurzzeit- oder Verhinderungspflege einsetzen, ohne komplizierte Umrechnungen vornehmen zu müssen.
Was passiert, wenn der Krankenhausaufenthalt beendet ist, aber auf die Schnelle absolut kein Platz in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung gefunden wird? Dieser Fall tritt aufgrund des Pflegekräftemangels in Deutschland leider häufig auf.
Für diese Notsituation gibt es die Übergangspflege im Krankenhaus. Wenn die häusliche Krankenpflege, eine Reha oder die Kurzzeitpflege nicht erbracht werden können, hat der Patient das Recht, für bis zu zehn Tage im Krankenhaus zu verbleiben. Das Krankenhaus übernimmt in dieser Zeit die pflegerische Versorgung, die Unterkunft und die Verpflegung. Finanziert wird dies nicht von der Pflegekasse, sondern von der gesetzlichen Krankenkasse.
Der Begutachtungstermin für den Pflegegrad
Eingeschränkte Mobilität im häuslichen Alltag
Ein häufiges Missverständnis bei Angehörigen ist die Annahme, dass eine schwere Verletzung wie ein Oberschenkelhalsbruch automatisch zu einem dauerhaften Pflegegrad führt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die deutsche Pflegeversicherung unterscheidet streng zwischen einer vorübergehenden Krankheit und einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit.
Die wichtigste gesetzliche Voraussetzung für die Bewilligung eines Pflegegrades ist die voraussichtliche Dauer der Hilfebedürftigkeit. Gemäß § 14 SGB XI gilt eine Person nur dann als pflegebedürftig, wenn die gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen bleiben.
Wenn die Ärzte davon ausgehen, dass der Patient nach dem Oberschenkelhalsbruch durch eine erfolgreiche Operation und anschließende Physiotherapie innerhalb von drei bis vier Monaten wieder vollständig genesen wird und seinen Alltag eigenständig meistern kann, wird die Pflegekasse keinen dauerhaften Pflegegrad bewilligen. In solchen Fällen greifen die Leistungen der Krankenkasse (SGB V), wie zum Beispiel die häusliche Krankenpflege oder eine Haushaltshilfe auf Zeit.
Ist jedoch absehbar, dass aufgrund des hohen Alters, bestehender Vorerkrankungen (wie Demenz, Herzinsuffizienz oder Parkinson) oder eines komplizierten Heilungsverlaufs dauerhafte Einschränkungen in der Mobilität und Selbstversorgung zurückbleiben, stehen die Chancen auf einen dauerhaften Pflegegrad sehr gut.
Um den Pflegegrad zu ermitteln, nutzt der Gutachter des Medizinischen Dienstes das sogenannte Neue Begutachtungsassessment (NBA). Dabei wird nicht mehr gemessen, wie viele Minuten Pflege eine Person pro Tag benötigt, sondern wie stark ihre Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Der Gutachter bewertet den Patienten in sechs verschiedenen Lebensbereichen (Modulen). Nach einem Oberschenkelhalsbruch sind besonders die folgenden Module relevant:
Mobilität (Gewichtung 10 %): Dies ist der Bereich, der nach einem Hüftbruch am stärksten betroffen ist. Kann die Person noch selbstständig im Bett aufsitzen? Kann sie sich innerhalb der Wohnung bewegen? Ist das Treppensteigen noch möglich? Jeder Verlust an Selbstständigkeit bringt hier wichtige Punkte für den Pflegegrad.
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Gewichtung 7,5 %): Ein Krankenhausaufenthalt und die Narkose lösen bei älteren Menschen oft ein sogenanntes postoperatives Delir (Verwirrtheitszustand) aus. Auch eine beginnende Demenz kann sich durch den Schock des Sturzes verschlechtern. Der Gutachter prüft, ob die Person sich örtlich und zeitlich orientieren kann und Risiken erkennt.
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Gewichtung 7,5 %): Stürze hinterlassen oft traumatische Ängste (Post-Fall-Syndrom). Wenn der Patient aus Angst vor einem erneuten Sturz nachts unruhig ist, sich weigert aufzustehen oder depressiv wird, fließt dies in die Bewertung ein.
Selbstversorgung (Gewichtung 40 %): Dies ist das wichtigste Modul. Kann sich der Patient mit dem gebrochenen oder operierten Bein noch selbst waschen, duschen und anziehen? Ist der Toilettengang eigenständig möglich? Kann die Nahrung selbstständig zerkleinert und aufgenommen werden? Hier führt ein Oberschenkelhalsbruch fast immer zu massiven Einschränkungen.
Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen (Gewichtung 20 %): Nach der Operation müssen oft Schmerzmittel eingenommen, Thrombosespritzen gesetzt und Wunden versorgt werden. Zudem ist regelmäßige Physiotherapie nötig. Wenn der Patient diese Aufgaben nicht selbst organisieren und durchführen kann, gibt es hierfür Punkte.
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (Gewichtung 15 %): Kann die Person ihren Tagesablauf noch selbst strukturieren? Ist es ihr möglich, das Haus zu verlassen, um soziale Kontakte zu pflegen, oder ist sie nun an die Wohnung gebunden?
Die Punkte aus all diesen Modulen werden gewichtet und zusammengezählt. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob und welcher Pflegegrad (von 1 bis 5) vergeben wird.
Wurde ein Pflegegrad bewilligt, öffnet dies die Tür zu weitreichenden finanziellen Unterstützungsleistungen durch die Pflegekasse. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach der Schwere der Pflegebedürftigkeit. Dank der regelmäßigen Anpassungen (zuletzt durch das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz) stehen Pflegebedürftigen aktuell (Stand 2025/2026) folgende Beträge zur Verfügung:
Wenn Sie sich entscheiden, die Pflege Ihres Angehörigen nach dem Oberschenkelhalsbruch selbst zu übernehmen (gegebenenfalls unterstützt durch Freunde oder Nachbarn), zahlt die Pflegekasse ein monatliches Pflegegeld. Dieses Geld wird direkt auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen und kann frei verwendet werden – in der Regel wird es als finanzielle Anerkennung an die pflegenden Angehörigen weitergegeben.
Pflegegrad 1: kein Pflegegeld
Pflegegrad 2:347 Euro monatlich
Pflegegrad 3:599 Euro monatlich
Pflegegrad 4:800 Euro monatlich
Pflegegrad 5:990 Euro monatlich
Häufig ist die Pflege nach einem Bruch für Angehörige allein körperlich zu schwer (z. B. beim Heben und Lagern). In diesem Fall kann ein professioneller ambulanter Pflegedienst beauftragt werden. Die Pflegekasse rechnet die Kosten für diese Grundpflege direkt mit dem Pflegedienst ab. Dies nennt man Pflegesachleistungen.
Pflegegrad 1: keine Pflegesachleistungen
Pflegegrad 2: bis zu 796 Euro monatlich
Pflegegrad 3: bis zu 1.497 Euro monatlich
Pflegegrad 4: bis zu 1.859 Euro monatlich
Pflegegrad 5: bis zu 2.299 Euro monatlich
Tipp: Kombinationsleistungen nutzen! Wenn der Pflegedienst das Budget der Pflegesachleistungen nicht vollständig ausschöpft, erhalten Sie den restlichen prozentualen Anteil als anteiliges Pflegegeld ausgezahlt. Dies ist die sogenannte Kombinationsleistung und bietet maximale Flexibilität im Pflegealltag.
Unabhängig davon, ob Sie Pflegegeld oder Sachleistungen beziehen, stehen jedem Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 weitere wichtige Budgets zu:
Entlastungsbetrag:131 Euro monatlich. Dieses Geld ist zweckgebunden und kann für anerkannte Alltagsbegleiter, Haushaltshilfen (z. B. zum Putzen oder Einkaufen) oder zur Deckung der Eigenanteile bei der Kurzzeitpflege genutzt werden. Es wird nicht bar ausgezahlt, sondern gegen Vorlage von Rechnungen erstattet.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch:42 Euro monatlich. Hierüber können Sie sich kostenlose Pflegehilfsmittelboxen mit Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhen, Bettschutzeinlagen und Masken direkt nach Hause liefern lassen.
Gemeinsamer Jahresbetrag (Verhinderungspflege & Kurzzeitpflege):3.539 Euro pro Jahr. Wenn die pflegenden Angehörigen Urlaub brauchen, selbst krank werden oder einfach eine Auszeit benötigen, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für eine Ersatzpflegekraft oder einen temporären Heimaufenthalt.
Sicher und bequem die Treppe überwinden
Ein barrierefreies Badezimmer verhindert weitere Stürze
Der wohl wichtigste Aspekt nach einem Oberschenkelhalsbruch ist die Vermeidung eines erneuten Sturzes. Die alte Wohnung, die jahrzehntelang problemlos bewohnt wurde, entpuppt sich plötzlich als gefährlicher Hindernisparcours. Türschwellen, rutschige Teppiche, Treppen und eine tiefe Badewanne werden zu unüberwindbaren Barrieren.
Glücklicherweise unterstützt die Pflegekasse sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit einem Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme (ab Pflegegrad 1). Leben mehrere Pflegebedürftige zusammen (z. B. ein Ehepaar), kann der Zuschuss auf bis zu 16.000 Euro steigen. Als Spezialist für Seniorenpflege und Hilfsmittel empfehlen wir von PflegeHelfer24 dringend die folgenden Anpassungen:
Die größte Angst nach einem Oberschenkelhalsbruch ist es, erneut zu stürzen und hilflos am Boden zu liegen, ohne das Telefon erreichen zu können. Ein Hausnotruf ist hier die effektivste Lösung. Er besteht aus einer Basisstation und einem kleinen Sender, der als Armband oder Halskette getragen wird. Bei einem Sturz genügt ein Knopfdruck, und sofort wird eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale aufgebaut.
Die Pflegekasse übernimmt bei anerkanntem Pflegegrad die monatlichen Kosten für das Basis-Hausnotrufsystem (in der Regel als monatliche Pauschale direkt mit dem Anbieter abgerechnet), sodass für Sie oftmals keine oder nur sehr geringe Zuzahlungen für Zusatzleistungen entstehen. Ein Hausnotruf sollte das allererste Hilfsmittel sein, das Sie nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus installieren.
Wenn sich das Schlafzimmer oder das Badezimmer in der ersten Etage befindet, ist das Treppensteigen nach einer Hüft-OP nicht nur schmerzhaft, sondern extrem gefährlich. Ein Treppenlift ermöglicht es dem Senioren, sicher und bequem im Sitzen die Etagen zu wechseln. Die Kosten für einen Treppenlift können hoch sein, aber genau hier greift der Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.000 Euro. Wir beraten Sie gerne zu den verschiedenen Modellen, egal ob für gerade oder kurvige Treppen, und unterstützen Sie bei der Beantragung des Zuschusses.
Das Badezimmer ist der Unfallort Nummer eins für Senioren. Der Einstieg in eine hohe Badewanne ist mit einem operierten Oberschenkelhals praktisch unmöglich. Als schnelle und kostengünstige Lösung bietet sich ein Badewannenlift an, der den Patienten schonend ins Wasser absenkt und wieder anhebt. Ein Badewannenlift ist ein anerkanntes Hilfsmittel und wird bei ärztlicher Verordnung oft vollständig von der Krankenkasse (ohne Belastung des 4.000-Euro-Budgets) bezahlt.
Noch sicherer ist ein kompletter barrierefreier Badumbau. Dabei wird die alte Badewanne entfernt und durch eine bodengleiche, begehbare Dusche mit rutschfesten Fliesen und Haltegriffen ersetzt. Auch hierfür können Sie die 4.000 Euro der Pflegekasse als Zuschuss nutzen. Wir von PflegeHelfer24 koordinieren auf Wunsch den gesamten Umbau für Sie – schnell, sauber und aus einer Hand.
Wenn die Gehfähigkeit auch nach der Reha stark eingeschränkt bleibt und längere Strecken nicht mehr mit dem Rollator bewältigt werden können, droht die soziale Isolation. Ein Elektrorollstuhl für den Innen- und Außenbereich oder ein Elektromobil für Einkaufsfahrten geben ein großes Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit zurück. Auch diese Hilfsmittel können bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit verordnet und bezuschusst werden.
Die Entscheidung, wie die Pflege zu Hause organisiert wird, hängt vom Gesundheitszustand des Senioren, der beruflichen Situation der Angehörigen und den finanziellen Möglichkeiten ab. Sie haben grundsätzlich drei Modelle zur Auswahl:
Ein professioneller Pflegedienst kommt ein- bis mehrmals täglich ins Haus. Er übernimmt die Grundpflege (Waschen, Anziehen), die medizinische Behandlungspflege (Medikamentengabe, Verbandswechsel, Thrombosespritzen) und hilft bei der Mobilisierung. Dies ist ideal, wenn Angehörige berufstätig sind, aber dennoch in der Nähe wohnen, um abends oder am Wochenende unterstützen zu können. Finanziert wird dies über die Pflegesachleistungen.
Oftmals ist die medizinische Pflege gar nicht das Hauptproblem, sondern die Bewältigung des Haushalts. Einkaufen, Putzen, Kochen oder die Begleitung zu Arztterminen fallen schwer. Hier können professionelle Alltagshilfen eingesetzt werden. Diese Leistungen lassen sich hervorragend über den monatlichen Entlastungsbetrag (131 Euro) oder das Budget der Verhinderungspflege finanzieren.
Wenn der Pflegebedarf nach dem Oberschenkelhalsbruch so hoch ist, dass eine ständige Präsenz im Haus erforderlich ist (z. B. weil der Patient nachts Hilfe beim Toilettengang benötigt oder eine Weglauftendenz bei Demenz besteht), ist die 24-Stunden-Pflege oft die beste Alternative zum Pflegeheim. Dabei zieht eine Betreuungskraft (häufig aus dem osteuropäischen Ausland) mit in den Haushalt ein. Sie übernimmt die Grundpflege, den Haushalt und die soziale Betreuung. Die Finanzierung erfolgt meist aus einer Mischung von Pflegegeld, Verhinderungspflege-Budget und einem privaten Eigenanteil. Wir von PflegeHelfer24 beraten Sie ausführlich zu den legalen und sicheren Vermittlungswegen dieser Betreuungsform.
Damit Sie im Dschungel der Bürokratie nicht den Überblick verlieren, haben wir den Prozess der Pflegegrad-Beantragung nach einem Oberschenkelhalsbruch in fünf klare Schritte unterteilt:
Schritt 1: Den Sozialdienst kontaktieren. Sprechen Sie noch in der Klinik mit dem Sozialdienst. Dieser soll einen Eilantrag bei der Pflegekasse stellen und die Überleitung in die Kurzzeitpflege oder nach Hause organisieren.
Schritt 2: Antrag formal stellen. Falls der Sozialdienst nicht aktiv wurde, rufen Sie umgehend bei der Pflegekasse (ist an die Krankenkasse angegliedert) an und stellen Sie den Antrag formlos telefonisch. Das Datum des Anrufs gilt als Antragsdatum – ab diesem Tag werden Leistungen rückwirkend gezahlt. Das zugesandte Formular füllen Sie dann in Ruhe aus.
Schritt 3: Vorbereitung auf den MD-Gutachter. Führen Sie für ein bis zwei Wochen ein Pflegetagebuch. Notieren Sie minutiös, bei welchen Tätigkeiten Hilfe benötigt wird (Waschen, Anziehen, Toilettengang, Aufstehen). Legen Sie alle ärztlichen Befunde, den Entlassungsbericht des Krankenhauses und eine Liste der aktuellen Medikamente bereit.
Schritt 4: Der Begutachtungstermin. Der Gutachter kündigt sich an. Wichtig: Lassen Sie den Pflegebedürftigen bei diesem Termin niemals allein! Ein Angehöriger oder eine Vertrauensperson sollte zwingend anwesend sein. Ältere Menschen neigen oft dazu, ihre Fähigkeiten vor Fremden besser darzustellen, als sie im Alltag tatsächlich sind (Fassadenverhalten). Korrigieren Sie beschönigende Aussagen höflich, aber bestimmt. Zeigen Sie dem Gutachter die realen Schwierigkeiten, z. B. wie mühsam das Aufstehen aus dem Sessel ist.
Schritt 5: Den Bescheid prüfen. Nach wenigen Tagen oder Wochen erhalten Sie den Bescheid der Pflegekasse sowie das Gutachten. Prüfen Sie das Gutachten genau: Wurden alle Einschränkungen korrekt erfasst?
Trotz bester Vorbereitung kommt es immer wieder vor, dass der Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig eingestuft wird. Ein typischer Fehler im Begutachtungsverfahren nach einem Oberschenkelhalsbruch ist, dass der Gutachter die Einschränkungen als "nur vorübergehend" (unter sechs Monate) einstuft, obwohl aufgrund von Vorerkrankungen klar ist, dass die Mobilität nicht vollständig zurückkehren wird.
Ein weiterer Fehler von Seiten der Angehörigen ist es, die Wohnung vor dem MDK-Besuch aufzuräumen und alle Hilfsmittel (wie Rollator oder Toilettensitzerhöhung) zu verstecken, weil man sich dafür schämt. Das Gegenteil ist richtig: Der Gutachter muss sehen, welche Hilfsmittel im Einsatz sind, um den Hilfebedarf realistisch einschätzen zu können.
Wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, haben Sie genau einen Monat Zeit, um schriftlich Widerspruch bei der Pflegekasse einzulegen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
Senden Sie zunächst einen formlosen Widerspruch zur Fristwahrung ("Hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum] ein. Die ausführliche Begründung reiche ich nach.").
Fordern Sie das vollständige MD-Gutachten an, falls es nicht beilag.
Analysieren Sie das Gutachten Punkt für Punkt. Wo wurden Punkte vergeben, wo nicht? Entspricht dies der Realität?
Schreiben Sie eine detaillierte Begründung, warum die Punktevergabe in bestimmten Modulen (z. B. Mobilität oder Selbstversorgung) fehlerhaft ist. Nutzen Sie Ihr Pflegetagebuch als Beweis.
Lassen Sie sich im Zweifelsfall von unabhängigen Pflegeberatern oder Sozialverbänden bei der Begründung helfen.
Nach Eingang der Begründung wird die Pflegekasse den Fall erneut prüfen, oft in Form eines Zweitgutachtens durch einen anderen MD-Mitarbeiter. In sehr vielen Fällen führt ein gut begründeter Widerspruch zu einer Höherstufung.
Ein Oberschenkelhalsbruch ist ein drastisches Ereignis, das schnelles und organisiertes Handeln erfordert. Mit der richtigen Herangehensweise können Sie jedoch sicherstellen, dass Ihr Angehöriger optimal versorgt wird und Sie die finanzielle Belastung durch die Unterstützung der Pflegekasse minimieren.
Ihre Notfall-Checkliste:
Krankenhausphase: Sofort den Sozialdienst kontaktieren. Eilantrag auf Pflegegrad stellen lassen. Reha oder Kurzzeitpflege organisieren.
Wohnung anpassen:Hausnotruf sofort beantragen. Prüfung, ob ein Treppenlift oder ein Badewannenlift benötigt wird. Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (4.000 Euro) bei der Pflegekasse beantragen.
Pflege organisieren: Entscheidung treffen zwischen Pflegedienst, 24-Stunden-Pflege oder Pflege durch Angehörige. Entlastungsbetrag (131 Euro) für Haushaltshilfen einplanen.
Begutachtung vorbereiten: Pflegetagebuch führen, Arztbriefe sammeln, beim MD-Termin unbedingt anwesend sein und nichts beschönigen.
Bescheid prüfen: Bei einer Ablehnung oder zu niedrigen Einstufung fristgerecht innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
Wir wissen, dass diese Zeit extrem fordernd ist. Sie müssen diesen Weg jedoch nicht alleine gehen. Nutzen Sie die gesetzlich verankerte Pflegeberatung und lassen Sie sich bei der Organisation von Hilfsmitteln wie Hausnotruf, Treppenlift oder Badumbau von Experten unterstützen. Eine gut geplante und sichere häusliche Umgebung ist der wichtigste Schritt, damit Ihr Angehöriger nach einem Oberschenkelhalsbruch wieder Vertrauen in den eigenen Körper fassen und in Würde zu Hause leben kann.
Hier finden Sie schnelle Antworten auf die drängendsten Fragen rund um Pflegegrad, Anträge und finanzielle Hilfen.