Die Diagnose Thrombose löst bei vielen Menschen, insbesondere bei Senioren und deren Angehörigen, große Sorge aus. Ein Blutgerinnsel, das sich in einem Blutgefäß bildet und dieses teilweise oder vollständig verschließt, kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Gerade im fortgeschrittenen Alter, wenn die Mobilität abnimmt, chronische Erkrankungen zunehmen oder eine Pflegebedürftigkeit eintritt, steigt das Risiko für diese potenziell lebensbedrohliche Gefäßerkrankung drastisch an. Für pflegende Angehörige und Senioren ist es daher von essenzieller Bedeutung, die Warnsignale frühzeitig zu erkennen, die Ursachen zu verstehen und vor allem zu wissen, wie man einer Thrombose im Alltag wirksam vorbeugen kann.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über das Thema Thrombose wissen müssen. Wir beleuchten die medizinischen Hintergründe, erklären die typischen Symptome und zeigen Ihnen praxisnahe Wege auf, wie Sie durch gezielte Bewegung, die richtige Pflege und den Einsatz moderner Hilfsmittel das Risiko minimieren können. Zudem informieren wir Sie darüber, welche finanziellen Unterstützungen Ihnen durch die Pflegekasse zustehen und wie Sie den Pflegealltag sicher und barrierefrei gestalten können.
Das menschliche Herz-Kreislauf-System ist ein faszinierendes und komplexes Netzwerk aus Blutgefäßen, das unseren gesamten Körper mit Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Das Blut muss stets flüssig bleiben, um ungehindert durch die Adern fließen zu können. Gleichzeitig verfügt der Körper über ein lebensrettendes Gerinnungssystem: Wenn wir uns verletzen, verklumpt das Blut an der Wunde, um den Blutverlust zu stoppen. Bei einer Thrombose gerät dieses feine Gleichgewicht jedoch aus den Fugen.
Eine Thrombose entsteht, wenn das Blut innerhalb eines intakten Blutgefäßes gerinnt und einen festen Pfropf bildet. Dieser Blutpfropf wird in der medizinischen Fachsprache als Thrombus bezeichnet. Der Thrombus verengt das Gefäß oder verschließt es komplett, wodurch der normale Blutfluss blockiert wird. Das Gewebe, das hinter diesem Verschluss liegt, wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt oder das Blut staut sich vor der Blockade. Ohne rasche medizinische Behandlung kann dies zu schweren Gewebeschäden oder lebensgefährlichen Komplikationen führen.
In der Medizin wird grundsätzlich zwischen zwei Hauptarten der Thrombose unterschieden, abhängig davon, in welcher Art von Blutgefäß sich das Gerinnsel bildet. Beide Formen haben unterschiedliche Ursachen und führen zu völlig verschiedenen Krankheitsbildern.
Die arterielle Thrombose: Arterien sind die Blutgefäße, die das sauerstoffreiche Blut vom Herzen weg in den Körper transportieren. Bildet sich hier ein Blutgerinnsel, wird die Sauerstoffversorgung der dahinterliegenden Organe sofort unterbrochen. Dies ist ein absoluter medizinischer Notfall. Eine arterielle Thrombose in den Herzkranzgefäßen führt zu einem Herzinfarkt. Tritt sie in den hirnversorgenden Arterien auf, kommt es zu einem Schlaganfall. Eine arterielle Thrombose im Bein führt zur sogenannten Schaufensterkrankheit (pAVK) oder im schlimmsten Fall zum akuten Beininfarkt.
Die venöse Thrombose: Venen sind die Blutgefäße, die das sauerstoffarme Blut aus dem Körper zurück zum Herzen transportieren. Da der Blutdruck in den Venen deutlich niedriger ist als in den Arterien und das Blut oft gegen die Schwerkraft (z. B. aus den Beinen) nach oben gepumpt werden muss, ist der Blutfluss hier langsamer. Dies macht die Venen besonders anfällig für Blutgerinnsel. Wenn im allgemeinen Sprachgebrauch von einer "Thrombose" gesprochen wird, ist meist die Tiefe Venenthrombose (TVT) in den Beinen oder im Becken gemeint.
Die Entstehung einer Thrombose ist selten auf nur eine einzige Ursache zurückzuführen. Bereits im 19. Jahrhundert beschrieb der deutsche Arzt Rudolf Virchow drei wesentliche Faktoren, die die Bildung eines Blutgerinnsels begünstigen. Diese Faktoren sind in der Medizin bis heute als die Virchow-Trias bekannt:
Verlangsamter Blutfluss (Hämodynamische Veränderungen): Wenn das Blut zu langsam fließt, können sich die festen Bestandteile des Blutes (die Blutplättchen) leichter aneinanderheften. Ein verlangsamter Blutfluss entsteht typischerweise durch mangelnde Bewegung, langes Sitzen, Bettlägerigkeit oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), bei der das Herz nicht mehr kräftig genug pumpt.
Schäden an der inneren Gefäßwand (Endothelschäden): Die Innenwände gesunder Blutgefäße sind spiegelglatt. Durch Verletzungen, Operationen, Entzündungen, aber auch durch altersbedingte Verkalkungen (Arteriosklerose) oder jahrelangen Bluthochdruck können diese Wände rau und rissig werden. An diesen rauen Stellen lagern sich Blutplättchen an und setzen den Gerinnungsprozess in Gang.
Veränderte Blutzusammensetzung (Hyperkoagulabilität): Wenn das Blut "dicker" wird oder eine erhöhte Gerinnungsneigung aufweist, steigt das Thromboserisiko. Dies kann genetisch bedingt sein, aber auch durch Flüssigkeitsmangel (Dehydration), bestimmte Medikamente, Krebserkrankungen oder schwere Infektionen ausgelöst werden.
Das Risiko, an einer Thrombose zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter signifikant an. Bei Senioren ab 65 Jahren und insbesondere bei pflegebedürftigen Menschen kommen oft mehrere Risikofaktoren zusammen, die sich gegenseitig verstärken. Es ist wichtig, diese Risiken zu kennen, um gezielt gegensteuern zu können.
Die wichtigsten Risikofaktoren im Alter:
Immobilität und Bettlägerigkeit: Die Wadenmuskulatur wirkt normalerweise wie eine Pumpe (Muskelvenenpumpe), die das Blut bei jeder Bewegung gegen die Schwerkraft zum Herzen drückt. Fehlt diese Bewegung durch Bettlägerigkeit, Rollstuhlnutzung oder eine Schonhaltung nach Stürzen, staut sich das Blut in den Beinen.
Operationen und Verletzungen: Orthopädische Eingriffe, die bei Senioren häufig vorkommen (wie der Einsatz eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks), bergen ein extrem hohes Thromboserisiko. Zum einen wird bei der OP Gewebe verletzt, zum anderen folgt meist eine Phase der eingeschränkten Mobilität.
Flüssigkeitsmangel (Exsikkose): Im Alter lässt das natürliche Durstgefühl stark nach. Viele Senioren trinken zu wenig, oft auch aus Angst vor nächtlichen Toilettengängen oder bei bestehender Inkontinenz. Die Folge: Das Blut dickt ein, fließt langsamer und gerinnt schneller.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Vorerkrankungen wie Krampfadern (Varikosis), Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) oder eine Herzschwäche verändern den Blutfluss und erhöhen das Risiko für Gerinnsel erheblich.
Krebserkrankungen: Bösartige Tumore und deren Behandlung (Chemotherapie) verändern die Zusammensetzung des Blutes und erhöhen die Gerinnungsneigung des Körpers drastisch.
Übergewicht (Adipositas): Ein hohes Körpergewicht übt zusätzlichen Druck auf die Venen im Becken- und Beinbereich aus, was den Blutrückfluss erschwert.
Eingeschränkte Mobilität erhöht das Thromboserisiko.
Eine Tiefe Venenthrombose ist tückisch, da sie sich nicht immer durch eindeutige oder extrem starke Schmerzen bemerkbar macht. Bei Senioren werden die Symptome zudem oft mit allgemeinen Altersbeschwerden, Gelenkschmerzen oder einem harmlosen Muskelkater verwechselt. Eine rasche Erkennung ist jedoch entscheidend, um lebensgefährliche Komplikationen zu vermeiden.
Achten Sie bei sich oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen auf folgende klassische Warnsignale, die meist nur an einem Bein (selten an beiden gleichzeitig) auftreten:
Schwellung (Ödem): Das betroffene Bein, der Knöchel oder der Fuß schwillt plötzlich an. Die Haut wirkt prall und gespannt.
Schmerzen: Es treten ziehende, krampfartige Schmerzen auf, die oft an einen starken Muskelkater erinnern. Der Schmerz verstärkt sich typischerweise beim Auftreten, beim Beugen des Fußes oder bei Druck auf die Wade. Beim Hochlegen des Beines lässt der Schmerz oft leicht nach.
Wärmegefühl: Das betroffene Bein fühlt sich im direkten Vergleich zum gesunden Bein deutlich wärmer an.
Hautveränderungen: Die Haut über der Thrombose kann sich rötlich oder bläulich (zyanotisch) verfärben. Oft glänzt die Haut und die oberflächlichen Venen treten deutlich sichtbar hervor (sogenannte Warnvenen).
Schweregefühl: Ein diffuses, unangenehmes Spannungs- und Schweregefühl im betroffenen Bein.
WICHTIG: Nicht jede Thrombose zeigt all diese Symptome. Manchmal ist nur eine leichte Schwellung erkennbar. Bei bettlägerigen Patienten oder Menschen mit Demenz, die Schmerzen nicht mehr klar kommunizieren können, ist die tägliche optische Kontrolle der Beine durch pflegende Angehörige oder Pflegekräfte unerlässlich.
Die größte Gefahr einer unbehandelten tiefen Venenthrombose ist die Lungenembolie. Sie entsteht, wenn sich der Blutpfropf (oder ein Teil davon) von der Venenwand löst. Der Thrombus wird dann mit dem Blutstrom durch den Körper geschwemmt, wandert durch die rechte Herzhälfte und gelangt in die Lungenarterien. Dort verzweigen sich die Blutgefäße und werden immer enger. Der Pfropf bleibt stecken und blockiert die Blutzufuhr zur Lunge.
Eine Lungenembolie ist ein akuter, lebensbedrohlicher Notfall. Das Herz muss plötzlich gegen einen enormen Widerstand anpumpen, was zu einem akuten Herzversagen führen kann. Gleichzeitig kann das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff angereichert werden.
Symptome einer Lungenembolie:
Plötzliche, unerklärliche Atemnot (Dyspnoe)
Stechende Schmerzen im Brustkorb, die sich beim tiefen Einatmen oder Husten verschlimmern
Blutiger Auswurf beim Husten
Herzrasen (Tachykardie) und spürbares Herzstolpern
Schwindelgefühl, plötzliche Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
Kaltschweißigkeit und blasse, bläuliche Lippen
Unerklärliche Unruhe und extreme Angstgefühle
Wenn Sie bei einem Angehörigen oder bei sich selbst den Verdacht auf eine Thrombose oder gar eine Lungenembolie haben, ist schnelles und richtiges Handeln gefragt. Falsche Maßnahmen können dazu führen, dass sich das Gerinnsel löst.
Bei Verdacht auf Lungenembolie (Atemnot, Brustschmerz): Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter der europaweiten Notrufnummer 112! Äußern Sie klar den Verdacht: "Ich vermute eine Lungenembolie bei meinem Angehörigen." Beruhigen Sie den Patienten, lagern Sie ihn mit erhöhtem Oberkörper (das erleichtert die Atmung) und lassen Sie ihn nicht mehr aufstehen.
Bei Verdacht auf eine Beinvenenthrombose: Auch hier handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder, bei starken Schmerzen, direkt den Notruf (112).
Absolute Bettruhe: Der Patient darf ab sofort nicht mehr gehen oder stehen. Jede Muskelanspannung in den Beinen könnte den Thrombus lösen.
Keine Massagen: Massieren oder reiben Sie das betroffene Bein unter keinen Umständen! Dies ist ein häufiger und gefährlicher Fehler, der eine Lungenembolie auslösen kann.
Bein ruhigstellen: Lagern Sie das betroffene Bein flach und bequem. Legen Sie es nicht extrem hoch, wenn dies Schmerzen verursacht, und kühlen Sie es nicht eigenmächtig ohne ärztliche Anweisung.
Bei Verdacht sofort den Notruf wählen.
Im Krankenhaus oder in der fachärztlichen Praxis (Phlebologie/Angiologie) stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, um eine Thrombose schnell und sicher zu diagnostizieren.
Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, Vorerkrankungen und aktuelle Risikofaktoren (z. B. eine kürzliche Operation). Bei der Untersuchung der Beine achtet er auf Schwellungen, Temperaturunterschiede und prüft bestimmte Schmerzpunkte (z. B. den Meyer-Druckpunkt an der Wade).
D-Dimer-Bluttest: Wenn sich ein Blutgerinnsel bildet, versucht der Körper sofort, dieses wieder aufzulösen. Dabei entstehen Abbauprodukte, die sogenannten D-Dimere. Ein negativer D-Dimer-Test schließt eine Thrombose mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Ist der Wert jedoch erhöht, ist dies ein Warnsignal, das weitere Untersuchungen erfordert (ein erhöhter Wert kann im Alter aber auch andere Ursachen haben, z. B. Entzündungen).
Farbkodierte Duplex-Sonografie (Ultraschall): Dies ist der Goldstandard bei der Thrombosediagnostik. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und strahlungsfrei. Der Arzt kann mit dem Ultraschallkopf den Blutfluss in den Venen sichtbar machen, das Gefäß auf Komprimierbarkeit prüfen und das Gerinnsel direkt auf dem Monitor erkennen.
Computertomografie (CT-Angiografie): Bei Verdacht auf eine Lungenembolie wird in der Regel ein CT des Brustkorbs mit Kontrastmittel durchgeführt, um die blockierten Gefäße in der Lunge exakt darzustellen.
Wurde eine Thrombose diagnostiziert, muss die Behandlung unverzüglich beginnen. Das primäre Ziel ist es, ein weiteres Wachstum des Gerinnsels zu stoppen, eine Lungenembolie zu verhindern und langfristige Folgeschäden an den Venenklappen (das sogenannte postthrombotische Syndrom) zu vermeiden.
1. Medikamentöse Therapie (Antikoagulation): Die Basistherapie besteht in der Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten, umgangssprachlich als Blutverdünner bezeichnet. Diese lösen das Gerinnsel nicht direkt auf, sondern verhindern, dass es weiter wächst. Den Abbau des Thrombus übernimmt der Körper im Laufe von Wochen oder Monaten selbst. In der Akutphase wird oft Heparin gespritzt. Für die Langzeittherapie kommen heute meist moderne Tabletten zum Einsatz, die sogenannten DOAKs (Direkte Orale Antikoagulanzien, z.B. Apixaban oder Rivaroxaban). Sie sind für Senioren oft leichter zu handhaben, da sie keine ständigen Blutkontrollen erfordern. In einigen Fällen wird auch noch der bekannte Wirkstoff Marcumar (Phenprocoumon) verschrieben, der jedoch regelmäßige INR-Wert-Kontrollen beim Hausarzt erfordert.
2. Kompressionstherapie: Sobald die akute Gefahr einer Embolie gebannt ist, wird das betroffene Bein komprimiert. Dies geschieht zunächst durch spezielle Kompressionsverbände, später durch maßgefertigte medizinische Kompressionsstrümpfe. Der Druck von außen verengt den Durchmesser der Venen, wodurch das Blut schneller fließt und die Venenklappen wieder besser schließen. Kompressionsstrümpfe müssen nach einer Thrombose oft über Monate oder sogar Jahre hinweg konsequent getragen werden.
3. Operative Verfahren (Thrombektomie) oder Thrombolyse: Nur in sehr schweren Fällen, wenn eine massive Beckenvenenthrombose vorliegt oder bei einer akuten, schweren Lungenembolie, wird versucht, das Gerinnsel mit starken Medikamenten aktiv aufzulösen (Lyse-Therapie) oder es operativ bzw. per Katheter aus dem Blutgefäß zu entfernen. Diese Eingriffe bergen jedoch, gerade bei älteren Menschen, ein hohes Blutungsrisiko.
Der beste Schutz vor einer Thrombose ist die Prävention (Prophylaxe). Gerade Senioren, die noch relativ mobil sind, können durch einfache Anpassungen im Alltag ihr Risiko drastisch senken.
Ausreichend trinken: Flüssigkeitsmangel ist ein Hauptrisikofaktor im Alter. Senioren sollten täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter trinken, sofern der Arzt wegen Herz- oder Nierenerkrankungen keine Einschränkungen vorgegeben hat. Wasser, ungesüßte Kräutertees oder Saftschorlen sind ideal. Tipp für Angehörige: Stellen Sie Getränke immer in Sicht- und Reichweite auf und nutzen Sie farbige Gläser, die von Senioren besser wahrgenommen werden.
Bewegung ist die beste Medizin: Jeder Schritt zählt. Tägliche Spaziergänge, leichte Gartenarbeit oder Senioren-Gymnastik halten die Wadenmuskelpumpe aktiv. Langes Sitzen oder Stehen sollte vermieden werden. Wenn langes Sitzen (z. B. auf Reisen) unvermeidbar ist, sollten die Füße regelmäßig gekreist und die Zehen auf- und abgewippt werden.
Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung hilft, Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen. Zudem unterstützt eine ballaststoffreiche Kost die Verdauung. (Starkes Pressen beim Stuhlgang durch Verstopfung erhöht den Druck im Bauchraum und behindert den Blutrückfluss aus den Beinen).
Beine hochlegen: Gönnen Sie den Beinen regelmäßig eine Pause. Das Hochlegen der Beine (etwa auf Herzhöhe) erleichtert den venösen Rückfluss enorm.
Für detaillierte, medizinisch geprüfte Informationen zu Präventionsmaßnahmen bietet das offizielle Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums verlässliche Auskünfte unter gesund.bund.de.
Bewegung ist die beste Thrombose-Vorsorge.
Ist ein Angehöriger pflegebedürftig, in seiner Mobilität stark eingeschränkt oder gar bettlägerig, liegt die Verantwortung für die Thromboseprophylaxe maßgeblich bei den Pflegepersonen. Hier gelten besondere Maßnahmen:
Mobilisation: Das oberste Ziel in der Pflege ist es, den Patienten so oft wie möglich zu mobilisieren. Helfen Sie dem Senioren, sich im Bett aufzusetzen, an die Bettkante zu rutschen oder, wenn möglich, in einen Sessel umzusteigen. Jeder Positionswechsel fördert die Durchblutung.
Bewegungsübungen im Bett (Aktiv und Passiv):Aktive Übungen: Bitten Sie den Pflegebedürftigen, die Füße im Wechsel heranzuziehen und zu strecken ("Fußwippe"), die Zehen zu krallen und zu spreizen oder die Beine wie beim Fahrradfahren in der Luft zu bewegen. Bitten Sie ihn, die Fußsohlen fest gegen das Fußende des Bettes zu drücken (isometrische Übung).Passive Übungen: Wenn der Patient sich nicht selbst bewegen kann, müssen die Gelenke durch die Pflegeperson durchbewegt werden. Beugen und strecken Sie die Beine des Patienten sanft und kreisen Sie die Fußgelenke.
Atemübungen: Tiefes Ein- und Ausatmen in den Bauchraum erzeugt einen Unterdruck im Brustkorb, der wie eine Sogwirkung auf das venöse Blut aus den Beinen wirkt. Leiten Sie Ihren Angehörigen mehrmals täglich zu tiefen Atemzügen an.
Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS): Diese weißen, elastischen Strümpfe werden oft im Krankenhaus verwendet. Im häuslichen Bereich verordnet der Arzt bei Bettlägerigkeit meist individuell angepasste Kompressionsstrümpfe. Wichtig: Die Hautpflege unter den Strümpfen darf nicht vernachlässigt werden, um Druckstellen zu vermeiden.
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Ein entscheidender Faktor bei der Thromboseprävention ist der Erhalt der Eigenständigkeit und Mobilität. Wenn das Treppensteigen zur Qual wird oder die Kraft für Spaziergänge fehlt, ziehen sich viele Senioren zurück und verbringen den Tag im Sessel oder im Bett. Hier können gezielte Hilfsmittel, wie sie auch von PflegeHelfer24 vermittelt werden, einen enormen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten.
Der Treppenlift: Ein Treppenlift verhindert, dass Senioren auf eine Etage ihres Hauses beschränkt bleiben. Er fördert die Mobilität im gesamten Wohnbereich. Wer sich angstfrei im Haus bewegen kann, bleibt insgesamt aktiver, geht öfter in die Küche (was das Trinken fördert) oder in den Garten.
Elektrorollstuhl und Elektromobile: Wenn die Beinkraft nachlässt, droht soziale Isolation und absolute Immobilität. Ein Elektrorollstuhl oder ein Elektromobil ermöglicht es Senioren, wieder am Leben im Freien teilzunehmen. Die frische Luft und die veränderte Körperhaltung im Vergleich zum Liegen im Bett wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Zudem können mit dem Rollstuhl Ausflüge unternommen werden, bei denen zwischendurch leichte Steh- oder Gehübungen integriert werden.
Pflegebetten und Badewannenlifte: Ein elektrisch verstellbares Pflegebett erleichtert nicht nur die Pflege, sondern ermöglicht es dem Senioren, per Knopfdruck das Fußteil hochzustellen, um den venösen Rückfluss zu unterstützen. Ein Badewannenlift oder ein barrierefreier Badumbau reduziert die Sturzangst bei der Körperpflege. Warme (nicht zu heiße!) Bäder können zudem entspannend wirken, auch wenn bei einer akuten Thrombose auf Vollbäder verzichtet werden muss.
Hilfsmittel erhalten die Mobilität im Alltag.
Wenn ein Senior nach einer Thrombose dauerhaft gerinnungshemmende Medikamente (Blutverdünner) einnehmen muss, bringt dies eine neue, ernstzunehmende Gefahr mit sich: Das erhöhte Blutungsrisiko.
Schon kleine Stöße können zu großen, schmerzhaften Blutergüssen (Hämatomen) führen. Ein Sturz, der bei gesunden Menschen vielleicht nur einen blauen Fleck hinterlässt, kann bei Patienten, die Blutverdünner einnehmen, zu lebensgefährlichen inneren Blutungen oder Hirnblutungen führen. Die Blutgerinnung ist künstlich verlangsamt, weshalb Wunden nicht von selbst aufhören zu bluten.
Sicherheitsmaßnahmen bei der Einnahme von Blutverdünnern:
Stolperfallen beseitigen: Entfernen Sie lose Teppiche, sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung (besonders auf dem Weg zur Toilette) und installieren Sie Haltegriffe im Bad.
Ernährung bei Marcumar: Patienten, die das Medikament Marcumar einnehmen, müssen auf eine gleichmäßige Zufuhr von Vitamin K (enthalten in grünem Gemüse wie Brokkoli oder Spinat) achten, da starke Schwankungen den INR-Wert beeinflussen. Bei modernen DOAKs ist dies nicht nötig.
Der Hausnotruf – Ein absolutes Muss: Für alleinlebende Senioren, die blutverdünnende Medikamente nehmen, ist ein Hausnotruf essenziell. Stürzt die Person und verletzt sich, zählt jede Minute. Über den kleinen Sender, der als Armband oder Halskette getragen wird, kann jederzeit per Knopfdruck Hilfe gerufen werden. Die Notrufzentrale hat die medizinischen Daten (inklusive der Information über die Blutverdünner) hinterlegt und kann sofort den Notarzt alarmieren.
Die Pflege und die Ausstattung mit Hilfsmitteln zur Thromboseprävention und Sturzvermeidung können kostspielig sein. Glücklicherweise bietet die deutsche Pflegeversicherung umfangreiche finanzielle Unterstützungen, sofern ein anerkannter Pflegegrad (Pflegegrad 1 bis 5) vorliegt.
Wichtige Zuschüsse im Überblick:
Zuschuss für Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Die Pflegekasse zahlt bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftiger Person für Maßnahmen, die die häusliche Pflege erleichtern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Dieser Zuschuss kann beispielsweise für den Einbau eines Treppenlifts, die Installation einer bodengleichen Dusche (Barrierefreier Badumbau) oder die Verbreiterung von Türen für einen Rollstuhl genutzt werden. Leben mehrere Pflegebedürftige zusammen, kann der Zuschuss auf bis zu 16.000 Euro steigen.
Hausnotruf-Kostenübernahme: Wenn ein Pflegegrad vorliegt und der Senior allein lebt oder weite Teile des Tages allein ist, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für das Basis-Hausnotrufsystem. Dies entspricht in der Regel einer monatlichen Pauschale von 25,50 Euro sowie den einmaligen Anschlussgebühren.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Zur hygienischen Versorgung und Pflegebetreuung steht Pflegebedürftigen ein monatliches Budget von 40 Euro für Verbrauchsmaterialien (z. B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen) zur Verfügung. Diese sind wichtig, um bei der Körperpflege und beim Anziehen von Kompressionsstrümpfen hygienisch arbeiten zu können.
Medizinische Hilfsmittel (Krankenkasse): Hilfsmittel wie Kompressionsstrümpfe, Gehböcke, Rollstühle oder Pflegebetten werden in der Regel vom Arzt auf Rezept verordnet. Die Kosten übernimmt dann meist die Krankenkasse (nicht die Pflegekasse), wobei für den Patienten lediglich die gesetzliche Zuzahlung (meist maximal 10 Euro pro Hilfsmittel) anfällt.
Die Pflegekasse bezuschusst wichtige Hilfsmittel.
Pflegende Angehörige geraten oft an ihre physischen und psychischen Grenzen. Die ständige Sorge um die Gesundheit des Senioren, das regelmäßige Mobilisieren und das Anziehen der oft sehr strammen Kompressionsstrümpfe kosten viel Kraft. Hier können professionelle Dienstleister entscheidend entlasten.
Ein ambulanter Pflegedienst kann im Rahmen der häuslichen Krankenpflege (verordnet vom Arzt) ins Haus kommen, um medizinische Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehören das fachgerechte An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen, das Verabreichen von Heparin-Spritzen zur Thromboseprophylaxe oder das Richten der Blutverdünner-Medikation.
Eine 24-Stunden-Pflege bietet eine noch intensivere Betreuung. Eine Betreuungskraft wohnt mit im Haushalt des Senioren. Sie kann nicht nur medizinische Notfälle (wie die Anzeichen einer Lungenembolie) sofort erkennen und Hilfe holen, sondern sorgt vor allem für eine lückenlose Prophylaxe im Alltag. Sie motiviert den Senioren zu täglichen Spaziergängen, achtet penibel auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Trinkprotokoll), bereitet gesunde Mahlzeiten zu und unterstützt bei den täglichen Bewegungsübungen im Bett oder Sessel. Diese kontinuierliche Begleitung reduziert das Thromboserisiko bei immobilen Senioren drastisch.
Um im Pflegealltag nichts zu übersehen, hilft eine feste Routine. Nutzen Sie diese Checkliste, um das Thromboserisiko Ihres Angehörigen täglich zu überwachen und zu minimieren:
Bein-Kontrolle (täglich beim Waschen oder Umziehen): Sind die Beine seitengleich? Gibt es Schwellungen an den Knöcheln? Fühlt sich ein Bein wärmer an als das andere? Ist die Haut gerötet oder bläulich verfärbt?
Schmerz-Abfrage: Klagt der Angehörige über Schmerzen in der Wade, die sich wie Muskelkater anfühlen? (Achtung: Bei Demenz auf Schmerzäußerungen wie Stöhnen beim Bewegen der Beine achten).
Trinkmenge überprüfen: Hat der Angehörige heute mindestens 1,5 Liter getrunken? (Tipp: Stellen Sie morgens die Tagesration in Karaffen bereit).
Mobilisation: Wurden heute Bewegungsübungen durchgeführt? Saß der Angehörige zumindest zeitweise aufrecht oder ist er ein paar Schritte gegangen?
Medikamente: Wurden die verordneten Blutverdünner exakt nach ärztlicher Vorgabe eingenommen?
Kompressionsstrümpfe: Sitzen die Strümpfe faltenfrei? (Falten können das Blut abschnüren und den gegenteiligen Effekt haben!). Werden die Strümpfe nachts ausgezogen? (Sofern der Arzt nichts anderes verordnet hat).
Atmung: Atmet der Angehörige ruhig und gleichmäßig? Gibt es Anzeichen von plötzlicher Kurzatmigkeit oder klagt er über Brustschmerzen? (Sofort 112 wählen!).
Eine Thrombose ist ein ernstzunehmendes medizinisches Problem, das durch den Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel entsteht. Besonders Senioren und pflegebedürftige Menschen haben aufgrund von eingeschränkter Mobilität, Vorerkrankungen und vermindertem Durstgefühl ein stark erhöhtes Risiko. Die gefährlichste Komplikation einer tiefen Venenthrombose ist die lebensbedrohliche Lungenembolie.
Die gute Nachricht ist: Sie sind diesem Risiko nicht hilflos ausgeliefert. Durch gezielte Prophylaxe können Sie entscheidend gegensteuern. Ausreichendes Trinken, regelmäßige Bewegung, das konsequente Tragen von Kompressionsstrümpfen und die korrekte Einnahme von ärztlich verordneten Blutverdünnern sind die wichtigsten Säulen der Prävention. In der Pflege ist die tägliche Mobilisation von bettlägerigen Patienten unerlässlich.
Zudem stehen Ihnen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, die die Mobilität und Sicherheit im Alter fördern. Von Treppenliften über Elektrorollstühle bis hin zum lebensrettenden Hausnotruf – moderne Technik unterstützt Senioren dabei, aktiv und sicher in den eigenen vier Wänden zu leben. Nutzen Sie die finanziellen Fördermöglichkeiten der Pflegekasse, wie den Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung von bis zu 4.000 Euro, um das Zuhause barrierefrei und sturzsicher zu gestalten.
Achten Sie auf die Warnsignale Ihres Körpers oder die Ihrer Angehörigen. Bei plötzlichen Beinschwellungen, Wadenschmerzen oder gar Atemnot zögern Sie nicht, sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit Aufmerksamkeit, der richtigen Pflege und passenden Hilfsmitteln lässt sich das Risiko einer Thrombose im Alter effektiv beherrschen.
Hier finden Sie kompakte Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Vorbeugung, Symptome und Pflege bei Thrombose.