Ein Oberschenkelhalsbruch (medizinisch: Schenkelhalsfraktur) ist ein einschneidendes Erlebnis – nicht nur für den betroffenen Senioren, sondern auch für Sie als pflegenden Angehörigen. Oft passiert es völlig unerwartet: Ein kleiner Stolperer in der Wohnung, ein Ausrutschen auf dem nassen Badezimmerboden, und plötzlich steht der Alltag Kopf. Nach der akuten Versorgung im Krankenhaus und der anschließenden Rehabilitation (Reha) folgt der entscheidende Schritt: die Rückkehr nach Hause.
Genau an diesem Punkt stehen viele Angehörige vor großen Herausforderungen. Die häusliche Pflege wirft plötzlich unzählige praktische Fragen auf: Wie helfe ich meinem Vater oder meiner Mutter aus dem Bett, ohne Schmerzen zu verursachen? Wie funktioniert das Waschen, wenn das Bein nicht richtig belastet werden darf? Wie zieht man Socken an, wenn man sich nicht bücken darf? Die Angst, etwas falsch zu machen oder einen erneuten Sturz zu provozieren, ist oft ein ständiger Begleiter.
Dieser umfassende Ratgeber nimmt Ihnen diese Unsicherheiten. Wir zeigen Ihnen detaillierte, alltagstaugliche Handgriffe und Techniken für die Bereiche Waschen, Anziehen und Aufstehen. Sie erfahren, welche Hilfsmittel wirklich sinnvoll sind, wie Sie die Wohnung sturzsicher machen und welche finanziellen Unterstützungen Ihnen durch die Pflegekasse zustehen. Mit dem richtigen Wissen und etwas Übung geben Sie Ihrem Angehörigen ein sicheres Gefühl zurück und fördern aktiv den Heilungsprozess.
Um die Pflegegriffe richtig anwenden zu können, ist ein grundlegendes Verständnis der Operation wichtig. Bei einem Oberschenkelhalsbruch wird in den meisten Fällen bei Senioren ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt, eine sogenannte Totalendoprothese (TEP) oder eine Hemiendoprothese. Das bedeutet, dass der gebrochene Hüftkopf und oft auch die Gelenkpfanne durch künstliche Materialien ersetzt wurden.
In den ersten acht bis zwölf Wochen nach der Operation ist das Gewebe rund um das neue Gelenk noch nicht vollständig verheilt. Die Muskeln, Sehnen und Bänder, die das Gelenk normalerweise stabilisieren, wurden während der Operation durchtrennt oder gedehnt. In dieser sensiblen Phase besteht die größte Gefahr einer Luxation – also dem Auskugeln des neuen Gelenks aus der Pfanne. Eine Luxation ist extrem schmerzhaft und erfordert oft eine erneute Operation unter Vollnarkose.
Um eine Luxation zwingend zu vermeiden, müssen Sie und Ihr Angehöriger drei absolute Grundregeln der Bewegung verinnerlichen. Diese Regeln diktieren jeden einzelnen Handgriff beim Waschen, Anziehen und Aufstehen:
Regel 1: Keine Beugung über 90 Grad! Das operierte Bein darf im Hüftgelenk niemals stärker als in einem rechten Winkel (90 Grad) gebeugt werden. Das bedeutet konkret: Nicht tief bücken, keine tiefen Sessel nutzen, keine Gegenstände vom Boden aufheben und die Knie im Sitzen niemals höher als die Hüfte positionieren.
Regel 2: Beine nicht überkreuzen! Das operierte Bein darf nicht über die Körpermitte nach innen geführt werden. Das Übereinanderschlagen der Beine im Sitzen oder Liegen ist strengstens verboten. Beim Schlafen auf der Seite muss zwingend ein dickes Kissen zwischen die Knie gelegt werden.
Regel 3: Keine Drehbewegungen! Der Fuß des operierten Beins darf nicht extrem nach innen oder außen gedreht werden. Beim Umdrehen muss der gesamte Körper wie ein starrer Block bewegt werden (En-bloc-Bewegung). Der Fuß muss immer in die gleiche Richtung zeigen wie das Knie und die Nasenspitze.
Diese Regeln gelten in der Regel für die ersten drei Monate nach der Operation, sollten aber in abgemilderter Form auch danach noch im Hinterkopf behalten werden. Wenn Sie diese drei Prinzipien verstehen, werden Ihnen die folgenden Pflege-Tipps völlig logisch erscheinen.
Achten Sie beim Sitzen immer auf den sicheren 90-Grad-Winkel.
Der Transfer aus dem Bett oder vom Stuhl in den Stand gehört zu den häufigsten und gleichzeitig riskantesten Bewegungen im Alltag. Hier ist Ihre Unterstützung als Angehöriger besonders in den ersten Wochen nach der Rückkehr aus der Reha gefragt.
Das morgendliche Aufstehen erfordert Technik, um die 90-Grad-Regel und das Überkreuzungs-Verbot nicht zu verletzen. Ein normales, tiefes Bett ist oft ungeeignet. Ein elektrisch höhenverstellbares Pflegebett ist hier eine enorme Erleichterung, da Sie die Liegefläche auf die optimale Ausstiegshöhe fahren können.
Vorbereitung: Fahren Sie das Pflegebett (falls vorhanden) auf eine Höhe, bei der die Füße des Patienten später flach den Boden berühren, die Hüfte aber deutlich höher als die Knie bleibt.
Die Drehung: Der Patient rutscht zunächst an die Bettkante, an der er aufstehen möchte (idealerweise die Seite des operierten Beins, um dieses nicht über das gesunde Bein heben zu müssen). Der Körper wird nun als Einheit (En-bloc) gedreht. Der Patient stützt sich mit den Ellenbogen ab.
Beine positionieren: Das operierte Bein wird beim Drehen gestreckt gehalten und vorsichtig über die Bettkante geschoben. Das gesunde Bein folgt. Achten Sie darauf, dass der Oberkörper aufrecht bleibt, um die 90-Grad-Beugung nicht zu überschreiten.
Der Stand: Der Patient stützt sich mit beiden Händen flach auf der Matratze ab. Das operierte Bein wird leicht nach vorne gestreckt. Das Körpergewicht wird auf das gesunde Bein und die Arme verlagert. Nun drückt sich der Patient langsam nach oben.
Hilfsmittel greifen: Erst wenn der Patient sicher und aufrecht steht, greift er nach seinen Unterarmgehstützen (Krücken) oder dem Rollator. Wichtig: Niemals an den Krücken hochziehen! Diese sind instabil und können wegrutschen.
Tiefe, weiche Sofas sind nach einem Oberschenkelhalsbruch tabu. Der Patient würde zu tief einsinken, die Knie lägen höher als die Hüfte (Verletzung der 90-Grad-Regel), und das Aufstehen ohne fremde Hilfe wäre unmöglich. Nutzen Sie stattdessen Stühle mit fester Sitzfläche und beidseitigen Armlehnen.
Schritt 1: Der Patient rutscht auf der Sitzfläche ganz nach vorne an die Kante.
Schritt 2: Das operierte Bein wird ein Stück weit nach vorne ausgestreckt. Das gesunde Bein wird etwas nach hinten unter den Stuhl gezogen, um den Schwerpunkt zu verlagern.
Schritt 3: Beide Hände umfassen die Armlehnen des Stuhls.
Schritt 4: Der Patient lehnt den Oberkörper leicht nach vorne (Rücken gerade halten, nicht mehr als 90 Grad beugen!) und drückt sich mit der Kraft der Arme und des gesunden Beins kräftig nach oben.
Schritt 5: Das operierte Bein wird erst belastet (gemäß ärztlicher Vorgabe, oft Teilbelastung), wenn der Patient vollständig aufgerichtet ist.
Praxis-Tipp für Angehörige: Wenn Sie beim Aufstehen helfen müssen, ziehen Sie den Patienten niemals an den Armen hoch. Das kann zu Schulterverletzungen führen und bringt den Patienten aus dem Gleichgewicht. Greifen Sie stattdessen fest an den Hosenbund oder nutzen Sie einen speziellen Haltegürtel (Transfergürtel), um den Rumpf zu stabilisieren, während der Patient sich selbst hochdrückt.
Die Körperpflege ist ein sehr intimer Bereich. Viele Senioren empfinden es als unangenehm, plötzlich auf die Hilfe ihrer Kinder oder des Partners angewiesen zu sein. Gehen Sie hier mit viel Taktgefühl vor. Erklären Sie jeden Schritt und lassen Sie Ihren Angehörigen so viel wie möglich selbst machen. Das fördert nicht nur die Mobilität, sondern auch das Selbstwertgefühl.
Langes Stehen am Waschbecken ist in der ersten Zeit zu anstrengend und birgt die Gefahr von Schwindel und Stürzen. Ein höhenverstellbarer Duschhocker oder ein Stehsitz vor dem Waschbecken ist ideal. Achten Sie darauf, dass der Hocker so hoch eingestellt ist, dass die Hüfte höher liegt als die Knie.
Legen Sie alle benötigten Utensilien (Waschlappen, Handtuch, Seife, Zahnbürste) in greifbare Nähe, sodass sich Ihr Angehöriger nicht bücken oder verdrehen muss. Die Pflege des Oberkörpers kann der Patient meist völlig selbstständig übernehmen. Ihre Hilfe wird vor allem bei der Unterkörperpflege benötigt.
Da sich der Patient nicht bücken darf, sind die Füße und Unterschenkel für ihn unerreichbar. Hier müssen Sie als Angehöriger einspringen.
Füße und Beine waschen: Verwenden Sie langstielige Waschschwämme, wenn der Patient es selbst versuchen möchte. Ansonsten waschen Sie die Beine und Füße sanft. Heben Sie das operierte Bein dabei nicht gewaltsam an und verdrehen Sie es nicht.
Abtrocknen: Auch hier gilt: Nicht bücken! Ein Bademantel aus Frottee ist eine exzellente Lösung. Er saugt die Feuchtigkeit auf, ohne dass man sich mühsam abtrocknen muss. Für die Füße können Sie ein Handtuch auf den Boden legen; der Patient kann mit dem gesunden Fuß das Handtuch über den operierten Fuß reiben.
Intimpflege: Im Sitzen auf dem Duschhocker oder der Toilette kann die Intimpflege oft selbstständig mit einer Handbrause durchgeführt werden. Alternativ gibt es spezielle Toilettenpapierszangen, die die Reichweite verlängern.
Das Badezimmer ist der Ort mit dem höchsten Sturzrisiko im ganzen Haus. Nasse Fliesen und hohe Einstiege sind extrem gefährlich.
In der Dusche: Eine bodengleiche Dusche ist optimal. Ist diese nicht vorhanden, muss beim Einstieg höchste Vorsicht gelten. Das gesunde Bein geht zuerst über die Schwelle, das operierte Bein wird nachgezogen. Ein Duschklappsitz an der Wand oder ein stabiler Duschhocker sind Pflicht. Bringen Sie unbedingt rutschfeste Matten auf dem Duschboden an. Haltegriffe an den Wänden (bitte fest verschraubt, keine Saugnapf-Griffe, die sich lösen können!) geben zusätzliche Sicherheit.
In der Badewanne: Das Baden in einer Standard-Badewanne ist in den ersten Monaten nach der OP strengstens verboten. Der Einstieg über den hohen Wannenrand zwingt den Patienten zu Bewegungen, die das Gelenk luxieren können. Auch das Hinsetzen auf den Wannenboden verletzt die 90-Grad-Regel massiv. Das Aufstehen aus der tiefen Wanne ist ohne fremde Hilfe völlig unmöglich.
Möchte oder muss Ihr Angehöriger dennoch die Badewanne nutzen, ist ein Badewannenlift die einzige sichere Lösung. Dieser elektrische Lift wird in die Wanne gestellt. Der Patient setzt sich auf Sitzhöhe auf den Lift, hebt die Beine vorsichtig über den Rand und lässt sich dann per Knopfdruck sanft ins Wasser absenken. Der Lift stoppt, bevor die 90-Grad-Beugung erreicht ist. PflegeHelfer24 berät Sie gerne unverbindlich zu den verschiedenen Modellen von Badewannenliften und deren Bezuschussung durch die Pflegekasse.
Langfristig sollten Sie über einen barrierefreien Badumbau nachdenken. Oft kann die alte Badewanne innerhalb eines Tages in eine begehbare Dusche umgebaut werden. Auch hierfür gibt es erhebliche finanzielle Zuschüsse, auf die wir später noch im Detail eingehen werden.
Sichern Sie sich monatlich Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen im Wert von 40€, bezahlt von der Pflegekasse.
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Ein Duschhocker sorgt für Stabilität und Sicherheit bei der Körperpflege.
Beim An- und Ausziehen passieren im häuslichen Umfeld die meisten Fehler, die zu Schmerzen oder gar zur Luxation des neuen Gelenks führen. Der Grund ist einfach: Wir sind es gewohnt, uns beim Anziehen der Socken oder Schuhe tief zu bücken. Dieser Reflex muss nach der Operation komplett unterdrückt werden.
Prägen Sie sich diesen Leitsatz ein und wiederholen Sie ihn täglich mit Ihrem Angehörigen:"Das operierte Bein wird zuerst angezogen und zuletzt ausgezogen."
Warum ist das so? Wenn Sie das operierte Bein zuerst in die Hose stecken, kann das Bein gestreckt und ruhig gehalten werden, während das gesunde Bein die Bewegung und das Beugen übernimmt. Beim Ausziehen ist es genau umgekehrt: Das gesunde Bein schlüpft zuerst aus der Hose, sodass die Hose dann mühelos vom ruhig gehaltenen, operierten Bein abgestreift werden kann.
Ohne die richtigen Hilfsmittel ist das selbstständige Anziehen des Unterkörpers fast unmöglich. Die folgenden drei Werkzeuge sollten in keinem Haushalt nach einer Hüft-OP fehlen:
Die Greifzange (Greifhilfe): Ein langer Stab mit einem Zangengriff am Ende. Sie verlängert den Arm um ca. 70 bis 90 Zentimeter und ermöglicht es, Gegenstände vom Boden aufzuheben oder Hosenbeine über die Füße zu ziehen, ohne sich zu bücken.
Der Strumpfanzieher: Eine flexible Kunststoffschale an zwei langen Bändern. Der Strumpf wird über die Schale gezogen, der Patient lässt die Schale auf den Boden gleiten, schlüpft mit dem Fuß hinein und zieht den Strumpf an den Bändern nach oben.
Der extralange Schuhlöffel: Ein Schuhlöffel aus Metall oder stabilem Kunststoff mit einer Länge von mindestens 80 Zentimetern.
Empfehlen Sie Ihrem Angehörigen weite, bequeme Kleidung (z.B. Jogginghosen) mit Gummizug. Enge Jeans oder Hosen mit komplizierten Knöpfen sind in der ersten Zeit ungeeignet.
Der Patient sitzt sicher auf der Bettkante oder einem Stuhl mit Armlehnen.
Mit der Greifzange wird der Bund der Hose gefasst.
Die Greifzange führt das Hosenbein über den Fuß des operierten Beins. Das Bein bleibt dabei leicht nach vorne gestreckt.
Die Hose wird mit der Zange über das Knie hochgezogen.
Nun wird das gesunde Bein in das andere Hosenbein gesteckt (hierbei darf das Knie leicht gebeugt werden).
Die Hose wird so weit wie möglich über die Oberschenkel nach oben gezogen.
Der Patient stützt sich auf die Armlehnen, steht vorsichtig auf (denken Sie an die Aufsteh-Regeln!) und zieht die Hose im Stehen über das Gesäß.
Das Anziehen der Socken ist ohne Hilfe oder Strumpfanzieher unmöglich, da die Hände die Füße nicht erreichen dürfen.
Vorbereitung: Ziehen Sie den Strumpf über die Kunststoffschale des Strumpfanziehers. Achten Sie darauf, dass die Ferse des Strumpfes an der richtigen Stelle sitzt und der Strumpf nicht zu weit aufgerollt ist, da er sonst klemmt.
Positionierung: Werfen Sie den Strumpfanzieher an den Bändern vor den Fuß des operierten Beins auf den Boden.
Einschlüpfen: Der Patient schiebt den Fuß in die Öffnung der Schale.
Hochziehen: Durch gleichmäßigen Zug an beiden Bändern gleitet der Strumpf über den Fuß und die Wade. Die Kunststoffschale löst sich am Ende von selbst.
Für die Schuhe gelten ähnliche Regeln. Vermeiden Sie Schnürschuhe. Nutzen Sie Slipper, Klettverschlüsse oder statten Sie vorhandene Schuhe mit elastischen Schnürsenkeln aus, die sich dehnen und nicht mehr gebunden werden müssen. Zum Hineinschlüpfen wird ausschließlich der extralange Schuhlöffel verwendet. Der Patient streckt das operierte Bein nach vorne, setzt den Schuhlöffel an der Ferse an und gleitet in den Schuh.
Ein extralanger Schuhlöffel verhindert schmerzhaftes Bücken beim täglichen Anziehen.
Der Gang zur Toilette ist ein sensibles Thema, das oft mit Scham besetzt ist. Gleichzeitig lauern hier große Gefahren. Standard-Toiletten haben meist eine Sitzhöhe von etwa 40 Zentimetern. Für einen Menschen mit einem frischen Oberschenkelhalsbruch ist das viel zu niedrig. Beim Hinsetzen würde das Hüftgelenk unweigerlich stärker als 90 Grad gebeugt werden.
Eine Toilettensitzerhöhung ist ein absolutes Muss. Sie wird direkt auf das vorhandene WC-Becken montiert (oft einfach aufgesteckt und mit Klammern fixiert) und erhöht die Sitzfläche um 10 bis 15 Zentimeter. Dadurch bleibt die Hüfte beim Sitzen höher als die Knie.
Besonders empfehlenswert sind Modelle mit integrierten, hochklappbaren Armlehnen. Diese bieten dem Patienten die Möglichkeit, sich beim Hinsetzen und Aufstehen sicher abzustützen. Der Transfer funktioniert exakt wie beim Aufstehen vom Stuhl: Das operierte Bein wird leicht nach vorne gestreckt, die Hände stützen sich auf die Armlehnen, und das Körpergewicht wird langsam abgesenkt.
Da auch auf der Toilette das Bücken und starke Verdrehen des Oberkörpers verboten ist, kann die Reinigung nach dem Stuhlgang problematisch sein. Eine Verdrehung des Rumpfes überträgt sich schnell auf das Hüftgelenk. Wenn der Patient Schwierigkeiten hat, sich selbst zu reinigen, können Toilettenpapierszangen helfen, die den Arm verlängern. Langfristig ist die Installation eines Dusch-WCs oder eines Bidet-Aufsatzes eine sehr hygienische und komfortable Lösung, die dem Patienten vollständige Autonomie zurückgibt.
Bevor Ihr Angehöriger aus der Klinik oder der Reha entlassen wird, sollten Sie die Wohnung einem kritischen Sicherheits-Check unterziehen. Jede Stolperfalle kann katastrophale Folgen haben.
Teppiche entfernen: Entfernen Sie konsequent alle losen Teppiche, Läufer und Brücken. Sie sind die Stolperfalle Nummer eins. Auch die Kanten von fest verlegten Teppichböden sollten auf Beschädigungen geprüft werden.
Kabel sichern: Herumliegende Strom- oder Verlängerungskabel müssen an den Fußleisten fixiert oder hinter Möbeln versteckt werden.
Türschwellen entschärfen: Hohe Türschwellen können mit kleinen Rampen (Schwellenrampen) überbrückt werden, sodass der Patient mit dem Rollator problemlos darüber hinwegrollen kann.
Beleuchtung optimieren: Sorgen Sie für eine helle, blendfreie Beleuchtung, besonders in Fluren und auf dem Weg vom Schlafzimmer zur Toilette. Bewegungsmelder oder Nachtlichter für die Steckdose sind nachts eine enorme Hilfe, da der Patient nicht erst im Dunkeln nach dem Lichtschalter suchen muss.
Sitzmöbel anpassen: Erhöhen Sie tiefe Sessel oder Betten durch spezielle Möbelerhöhungen (kleine Holz- oder Kunststoffklötze, die unter die Beine gestellt werden) oder feste Sitzkissen.
Befindet sich das Schlafzimmer oder das Bad im ersten Stock, stellen Treppen oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Das Treppensteigen mit Unterarmgehstützen erfordert viel Kraft, Koordination und birgt ein hohes Sturzrisiko. Die Regel für das Treppensteigen lautet: "Mit dem gesunden Bein in den Himmel, mit dem kranken Bein in die Hölle." (Beim Aufwärtsgehen wird das gesunde Bein zuerst auf die höhere Stufe gesetzt, beim Abwärtsgehen das kranke Bein zuerst auf die niedrigere Stufe).
Ist das Treppensteigen zu riskant oder aufgrund von Schwäche gar nicht möglich, ist ein Treppenlift oft die einzige Möglichkeit, den Umzug in ein Pflegeheim zu verhindern. Ein Treppenlift kann innerhalb weniger Tage, oft sogar auf bestehenden Treppen ohne große Umbaumaßnahmen, installiert werden. PflegeHelfer24 ist Experte auf diesem Gebiet und hilft Ihnen, die richtige Lösung für gerade oder kurvige Treppen zu finden. Wichtig zu wissen: Die Pflegekasse beteiligt sich mit bis zu 4.000 Euro an den Kosten für einen Treppenlift (mehr dazu im Abschnitt "Finanzielle Unterstützung").
Sie als Angehöriger können nicht 24 Stunden am Tag vor Ort sein. Die Angst, dass der Patient stürzt und stundenlang hilflos auf dem Boden liegt, ist eine enorme psychische Belastung für beide Seiten. Ein Hausnotruf-System schafft hier sofortige Abhilfe.
Der Patient trägt einen kleinen, wasserdichten Sender als Armband oder Halskette. Im Falle eines Sturzes oder bei Schmerzen genügt ein Knopfdruck, um sofort eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale herzustellen. Die Zentrale alarmiert dann je nach Situation Sie, den Pflegedienst oder den Rettungsdienst. Auch hier gilt: Wenn ein Pflegegrad vorliegt, übernimmt die Pflegekasse in der Regel die monatlichen Grundkosten für das Hausnotruf-System (ca. 25,50 Euro monatlich).
Ein Treppenlift überwindet Hindernisse und bewahrt die Mobilität im eigenen Zuhause.
Die Pflege eines Angehörigen nach einem Oberschenkelhalsbruch ist nicht nur zeit- und kraftraubend, sondern kann auch ins Geld gehen. Hilfsmittel, Medikamente, Umbauten und eventuell externe Pflegekräfte verursachen Kosten. Glücklicherweise bietet das deutsche Pflegesystem umfassende finanzielle Unterstützung. Der Schlüssel zu all diesen Leistungen ist der Pflegegrad.
Zögern Sie nicht! Beantragen Sie sofort nach der Diagnose bei der Pflegekasse (die bei der Krankenkasse angesiedelt ist) einen Pflegegrad. Nach einem Oberschenkelhalsbruch und dem Einsetzen einer TEP ist die Selbstständigkeit des Patienten massiv eingeschränkt. Dies rechtfertigt in fast allen Fällen die Zuteilung eines Pflegegrades (meist Pflegegrad 2 oder 3).
Nach der Antragstellung wird der Medizinische Dienst (MD) den Patienten begutachten. Bereiten Sie sich auf diesen Termin vor. Führen Sie in den Tagen davor ein Pflegetagebuch, in dem Sie notieren, bei welchen Handgriffen (Waschen, Anziehen, Toilettengang, Aufstehen) Ihr Angehöriger Hilfe benötigt. Beschönigen Sie nichts! Der Gutachter muss sehen, wie der Alltag an einem schlechten Tag aussieht.
Wird ein Pflegegrad genehmigt, haben Sie Anspruch auf Leistungen, die oft rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung gezahlt werden. Wenn Sie die Pflege als Angehöriger selbst übernehmen, erhalten Sie das Pflegegeld. Dieses wird direkt auf das Konto des Pflegebedürftigen überwiesen und kann frei verwendet werden (z.B. als Anerkennung für Ihre Pflegeleistung).
Die Höhe des Pflegegeldes wurde in den letzten Jahren mehrfach angepasst. Ab dem Jahr 2025 betragen die monatlichen Sätze:
Pflegegrad 2: 347 Euro monatlich
Pflegegrad 3: 599 Euro monatlich
Pflegegrad 4: 799 Euro monatlich
Pflegegrad 5: 988 Euro monatlich
Wenn Sie einen ambulanten Pflegedienst beauftragen, der zu Ihnen nach Hause kommt und beim Waschen oder Anziehen hilft, rechnet dieser über die sogenannten Pflegesachleistungen direkt mit der Kasse ab. Diese Beträge sind deutlich höher als das reine Pflegegeld (z.B. 761 Euro bei Pflegegrad 2). Sie können Pflegegeld und Pflegesachleistungen auch kombinieren (Kombinationsleistung).
Für detaillierte, tagesaktuelle Informationen zu allen Pflegeleistungen empfehlen wir einen Blick auf die offizielle Seite der Regierung: Bundesministerium für Gesundheit.
Dies ist einer der wichtigsten Zuschüsse für die Rückkehr nach Hause. Wenn ein Pflegegrad (ab Grad 1) vorliegt, zahlt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme für Umbauten, die die häusliche Pflege erleichtern oder eine selbstständige Lebensführung wiederherstellen.
Was zählt zu diesen Maßnahmen?
Der Einbau eines Treppenlifts.
Der barrierefreie Badumbau (z.B. Umbau der alten Badewanne zur begehbaren Dusche).
Das Verbreitern von Türen für Rollatoren oder Rollstühle.
Der Abbau von Türschwellen.
Die Festinstallation von Rampen.
Wichtig: Stellen Sie den Antrag auf diesen Zuschuss bevor Sie den Handwerker beauftragen oder den Treppenlift kaufen! Die Pflegekasse muss dem Kostenvoranschlag erst zustimmen.
Technische Hilfsmittel wie das Pflegebett, der Badewannenlift, der Rollator oder die Toilettensitzerhöhung sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen gelistet. Wenn der behandelnde Arzt diese Hilfsmittel verschreibt (Rezept), übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Der Patient muss lediglich die gesetzliche Zuzahlung leisten (in der Regel 10 Prozent der Kosten, maximal jedoch 10 Euro pro Hilfsmittel).
Zusätzlich stehen Ihnen monatlich 40 Euro für sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch zu (z.B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen). Diese können Sie sich in Form einer praktischen Pflegebox jeden Monat kostenlos nach Hause liefern lassen.
Gemeinsam lassen sich die wichtigen Anträge für die Pflegekasse gut bewältigen.
Es ist keine Schande einzugestehen, dass die Pflege eines Angehörigen neben Beruf und eigener Familie eine extreme Belastung darstellt. Ein Oberschenkelhalsbruch bedeutet oft wochenlange, intensive Betreuung. Sie müssen nicht alles alleine schaffen.
Ein ambulanter Pflegedienst kann ein- oder mehrmals täglich zu Ihnen nach Hause kommen. Die ausgebildeten Pflegekräfte übernehmen genau die Aufgaben, die Ihnen vielleicht schwerfallen oder unangenehm sind: die Grundpflege (Waschen, Duschen, Intimpflege), das An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe oder das Richten von Medikamenten. Die Kosten werden, wie oben beschrieben, über die Pflegesachleistungen der Pflegekasse abgedeckt.
Wenn Ihr Angehöriger rund um die Uhr Betreuung benötigt, Sie aber nicht im selben Haus wohnen oder berufstätig sind, ist die sogenannte 24-Stunden-Pflege eine hervorragende Alternative zum Pflegeheim. Dabei zieht eine Betreuungskraft (häufig aus dem osteuropäischen Ausland) mit in den Haushalt des Senioren ein. Sie übernimmt hauswirtschaftliche Tätigkeiten (Kochen, Putzen, Einkaufen), hilft bei der Grundpflege, beim Aufstehen und Zubettgehen und leistet vor allem Gesellschaft. PflegeHelfer24 berät Sie umfassend zu den Möglichkeiten und vermittelt legale, qualifizierte Betreuungskräfte, die genau auf die Bedürfnisse Ihres Angehörigen abgestimmt sind.
Nach einem schweren Sturz mit Knochenbruch entwickelt sich bei vielen Senioren das sogenannte Post-Fall-Syndrom (Nach-Sturz-Syndrom). Die massive Angst vor einem erneuten Sturz führt dazu, dass sich die Betroffenen immer weniger bewegen. Dieser Bewegungsmangel ist jedoch fatal: Die Muskulatur baut ab, die Gelenke versteifen, der Gleichgewichtssinn schwindet – und das Risiko für den nächsten Sturz steigt dramatisch an. Ein Teufelskreis beginnt.
Wie können Sie als Angehöriger helfen?
Geduld zeigen: Drängen Sie Ihren Angehörigen nicht. Die Angst ist real und tief verwurzelt. Loben Sie kleine Fortschritte, anstatt Stillstand zu kritisieren.
Sicherheit ausstrahlen: Wenn Sie beim Gehen am Rollator oder beim Aufstehen helfen, müssen Sie Ruhe und Kompetenz vermitteln. Wenn Sie unsicher wirken, überträgt sich das sofort auf den Patienten. Üben Sie die Handgriffe (wie den Transfer aus dem Bett) in Ruhe, bis Sie sich sicher fühlen.
Physiotherapie fördern: Die Physiotherapie ist der wichtigste Baustein der Genesung. Achten Sie darauf, dass die Übungen aus der Reha auch zu Hause konsequent fortgeführt werden. Oft kann der Arzt Physiotherapie als Hausbesuch verordnen.
Hilfsmittel als Freunde betrachten: Viele Senioren weigern sich anfangs, einen Rollator zu nutzen, weil er sie "alt aussehen" lässt. Erklären Sie, dass der Rollator kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein Werkzeug für Freiheit und Unabhängigkeit.
Um Ihnen den Einstieg in den Pflegealltag zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Punkte für einen typischen Tagesablauf zusammengefasst. Drucken Sie sich diese Checkliste gerne aus und legen Sie sie griffbereit hin.
Bett auf die richtige Höhe fahren.
Patient dreht sich en-bloc zur Bettkante.
Operiertes Bein gestreckt halten, über die Kante schieben.
Mit den Armen abdrücken, Stand sichern, dann erst den Rollator greifen.
Am Waschbecken auf den Duschhocker setzen.
Utensilien in Greifhöhe bereitlegen.
Angehöriger wäscht Füße und Unterschenkel (Patient darf sich nicht bücken!).
Weite Kleidung wählen.
Greifzange bereitlegen.
Regel beachten: Krankes Bein zuerst rein!
Hose mit Zange über den Fuß des operierten Beins ziehen.
Socken mit Strumpfanzieher anziehen.
In feste Schuhe mit langem Schuhlöffel schlüpfen (keine Schnürschuhe binden).
Keine tiefen Sessel nutzen (90-Grad-Regel).
Beim Sitzen die Beine niemals überkreuzen.
Regelmäßig aufstehen und kurze Strecken mit dem Rollator gehen (Thromboseprophylaxe).
Toilette nur mit Toilettensitzerhöhung und Armlehnen nutzen.
Stolperfallen (Teppiche, Kabel) stets im Auge behalten.
Regel beachten: Krankes Bein zuletzt raus!
Hose zuerst über das gesunde Bein abstreifen, dann vom gestreckten operierten Bein schieben.
Socken mit langstieligem Schuhlöffel oder Hilfe des Angehörigen von der Ferse schieben.
Rückwärts ans Bett treten, bis die Kniekehlen die Matratze spüren.
Hände nach hinten auf die Matratze stützen, operiertes Bein vorschieben, langsam setzen.
En-bloc ins Bett drehen.
Wichtig: Dickes Kissen (z.B. Seitenschläferkissen) zwischen die Beine legen, falls der Patient nachts auf der Seite schläft, um ein Überkreuzen zu verhindern.
Die erste Zeit nach einem Oberschenkelhalsbruch verlangt von Ihnen und Ihrem Angehörigen viel Kraft, Organisation und Disziplin. Die strikte Einhaltung der Bewegungsregeln – insbesondere der 90-Grad-Regel und des Verbots, die Beine zu überkreuzen – ist absolut entscheidend für den Heilungserfolg des neuen Hüftgelenks.
Doch Sie müssen diese Herausforderung nicht allein meistern. Nutzen Sie konsequent die verfügbaren Hilfsmittel wie Greifzangen, Strumpfanzieher, Toilettensitzerhöhungen und Duschhocker. Sie sind keine Luxusartikel, sondern medizinisch notwendige Werkzeuge, die Schmerzen verhindern und Autonomie zurückgeben. Passen Sie die Wohnumgebung an, indem Sie Stolperfallen beseitigen und über sinnvolle Investitionen wie einen Treppenlift oder einen Badewannenlift nachdenken.
Scheuen Sie sich nicht, die finanzielle Unterstützung der Pflegekasse in Anspruch zu nehmen. Der Pflegegrad ist Ihr Schlüssel zu Pflegegeld, Hilfsmitteln und Zuschüssen für den Wohnungsumbau in Höhe von bis zu 4.000 Euro. Wenn die Belastung zu groß wird, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe durch ambulante Pflegedienste oder eine 24-Stunden-Betreuung hinzuzuziehen.
Mit der richtigen Technik beim Waschen, Anziehen und Aufstehen, einer sicheren Wohnung und einer großen Portion Geduld wird Ihr Angehöriger Schritt für Schritt seine Mobilität zurückgewinnen. PflegeHelfer24 steht Ihnen auf diesem Weg als verlässlicher Partner zur Seite – von der Beratung zu Hilfsmitteln bis hin zur Organisation der passenden Pflegedienstleistung. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Angehörigen viel Kraft und eine schnelle, komplikationslose Genesung!
Die wichtigsten Antworten für Angehörige und Patienten auf einen Blick