Alarmierende Studie: 76 Prozent der Sanitätshäuser bangen um ihre Existenz
Die deutsche Gesellschaft wird rasant älter. Der Wunsch der meisten Menschen ist dabei eindeutig: Sie möchten so lange wie möglich gesund, mobil und vor allem selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Doch genau diese Unabhängigkeit im Alter könnte bald massiv auf dem Spiel stehen. Eine aktuelle bundesweite Erhebung schlägt nun Alarm und zeigt auf, wie fragil die Basis der häuslichen Versorgung in Deutschland mittlerweile geworden ist.
Erschütternde Zahlen der neuen Hilfsmittel-Studie
Wie aus der neu veröffentlichten „HilfsmittelStudie 2025–2026“ der opta data Zukunfts-Stiftung gGmbH hervorgeht, schätzen erschreckende 76 Prozent der Befragten die langfristige Existenz ihrer Betriebe als gefährdet ein. Für die fundierte Untersuchung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien durchgeführt wurde, wurden rund 1.000 Mitarbeitende aus Sanitätshäusern und der Homecare-Branche befragt.
Die tragenden Säulen der häuslichen Pflege wackeln
Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen sind für chronisch kranke, pflegebedürftige und ältere Menschen völlig unverzichtbar. Sie liefern Rollstühle, Pflegebetten, Prothesen und lebenswichtige Verbrauchsmaterialien direkt nach Hause und übernehmen die fachliche Beratung der Angehörigen. Ohne diese funktionierende Infrastruktur wäre das von der Politik oft betonte Prinzip „ambulant vor stationär“ schlichtweg nicht umsetzbar.
Warum die Branche um ihre Zukunft bangt
Die Gründe für die düsteren Zukunftsaussichten sind vielfältig und spiegeln die generellen strukturellen Probleme des deutschen Gesundheitssystems wider. Die Studie identifiziert insbesondere folgende Hauptbelastungen:
- Erdrückende Bürokratie: Die administrativen Anforderungen an die Betriebe wachsen stetig und rauben wertvolle Zeit, die eigentlich dringend in der direkten Patientenversorgung benötigt wird.
- Akuter Fachkräftemangel: Wie in der gesamten Pflege- und Gesundheitsbranche fehlt es auch in der Hilfsmittelversorgung massiv an qualifiziertem Nachwuchs und Fachpersonal.
- Wirtschaftliche Unsicherheiten: Steigende Betriebs- und Materialkosten bei oft stagnierenden oder hart umkämpften Erstattungssätzen der Krankenkassen setzen die Betriebe finanziell unter einen enormen Druck.
- Hohe psychische Belastung: Der tägliche Spagat zwischen dem Wohl der Patienten und dem wirtschaftlichen Überleben fordert von den Mitarbeitenden einen immensen Tribut.
Wissenschaftliche Begleitung und der Ruf nach Reformen
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Thomas Druyen zielt die Studie nicht nur darauf ab, die aktuellen Missstände schonungslos aufzuzeigen, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten. Unterstützt wird das ambitionierte Projekt unter anderem von wichtigen Branchenvertretern wie dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), die schon lange vor einem drohenden Kollaps der Versorgung warnen.
Fazit: Ein Weckruf für das Gesundheitssystem
Die alarmierenden Ergebnisse der Befragung sind ein unüberhörbarer Weckruf. Wenn drei Viertel der Fachkräfte in der Hilfsmittelbranche die Existenz ihrer Betriebe in Gefahr sehen, muss die Gesundheitspolitik dringend gegensteuern. Ein spürbarer Bürokratieabbau, verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine faire finanzielle Vergütung sind zwingend erforderlich, damit Deutschland auch in Zukunft eine verlässliche und flächendeckende Versorgung für seine alternde Bevölkerung sicherstellen kann. Nur so bleibt das selbstbestimmte Leben im Alter kein Luxus, sondern eine verlässliche Realität.
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