Alarmierende Studie: Drei von vier Medizinstudentinnen erleben sexuelle Belästigung
Der Weg zum Arztberuf ist lang, anspruchsvoll und für viele Studierende mit einer massiven emotionalen Belastung verbunden – doch diese rührt nicht nur von Prüfungsstress und langen Schichten her. Eine groß angelegte, deutschlandweite Untersuchung wirft nun ein grelles Licht auf ein strukturelles Problem in der medizinischen Ausbildung: Sexuelle Belästigung ist an Universitäten und in Lehrkrankenhäusern erschreckend weit verbreitet.
Drei von vier Frauen im Praktischen Jahr betroffen
Eine aktuelle Querschnittstudie, die unter anderem von der Universität Würzburg in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) durchgeführt wurde, liefert alarmierende Zahlen. Demnach geben rund 75 Prozent der angehenden Ärztinnen im Praktischen Jahr (PJ) an, während ihres Studiums mindestens einmal sexuell belästigt worden zu sein. Doch das Problem betrifft nicht nur Frauen: Auch bei den männlichen Medizinstudierenden liegt die Quote bei knapp 30 Prozent.
Für die unter dem Namen "#MEDtoo" bekannt gewordene Erhebung wurden die Angaben von fast 5.700 Studierenden aus 44 medizinischen Fakultäten ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass grenzüberschreitendes Verhalten kein Randphänomen ist. Nahezu die Hälfte aller Befragten gab an, bereits sexuelle Belästigung bei anderen beobachtet zu haben. 42 Prozent wurden selbst Opfer, wobei die Hälfte der Betroffenen sogar mehr als dreimal pro Jahr derartige Übergriffe erlebt. Auffällig ist zudem: Je weiter die Ausbildung fortschreitet, desto häufiger kommt es zu Vorfällen.
Von wem geht die Belästigung aus?
Die Studie, die im Fachjournal BMC Medical Education publiziert wurde, schlüsselt auch auf, in welchen Situationen und durch wen die Übergriffe stattfinden. Im klinischen Alltag geht die Belästigung demnach am häufigsten von Patientinnen und Patienten aus. An zweiter Stelle folgt das ärztliche Lehrpersonal. Im universitären Umfeld hingegen sind es vor allem Mitstudierende und Professoren, die durch unangemessenes Verhalten auffallen. Besonders in den chirurgischen Fächern scheint das Problem der Umfrage zufolge stark ausgeprägt zu sein.
Gravierende Folgen für die Betroffenen
Die psychischen und beruflichen Auswirkungen auf die angehenden Medizinerinnen und Mediziner sind massiv. Rund die Hälfte der Betroffenen berichtet von psychischen Belastungen infolge der Übergriffe. Mehr als zwei Drittel gaben an, aufgrund ihrer negativen Erfahrungen bestimmte Personen oder sogar spezifische klinische Situationen aktiv zu meiden – ein Umstand, der die Ausbildungsqualität und die spätere Berufswahl erheblich beeinträchtigen kann.
Trotz der hohen Fallzahlen bleibt die Dunkelziffer vermutlich noch deutlich höher. Die meisten Vorfälle werden offiziell nicht gemeldet. Laut den Initiatoren der Studie liegt dies vor allem an der Angst der Studierenden vor negativen Konsequenzen für den eigenen Karriereweg. Strikte Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnisse im Klinikbetrieb erschweren es den Opfern, sich Gehör zu verschaffen.
Ein dringender Kulturwandel ist nötig
Die Verantwortlichen der Erhebung betonen die Dringlichkeit eines strukturellen Umdenkens. Es brauche transparente Meldewege, unabhängige Anlaufstellen und eine konsequente Sensibilisierung des Klinikpersonals. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland fordert bereits seit Längerem einen besseren Schutz während der Ausbildung. Nur wenn das Tabu gebrochen und ein offener Umgang mit dem Thema gefördert wird, kann der medizinische Nachwuchs in einem sicheren und respektvollen Umfeld lernen und arbeiten.
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