Alarmstufe Rot im Gesundheitssystem: Geplante Kürzungen bedrohen ambulante Versorgung

Benedikt Hübenthal
Ambulante Versorgung in Gefahr: Experten warnen vor Kürzungen

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer neuen Zerreißprobe. Kürzlich veröffentlichte Empfehlungen der sogenannten FinanzKommission Gesundheit schlagen hohe Wellen und stoßen auf scharfe Kritik. Das Ziel der Kommission: Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sollen nachhaltig gebremst werden. Doch Experten warnen nun eindringlich vor den fatalen Folgen für Patientinnen und Patienten.

Ein "mathematisches Wunder" wird ausbleiben

Besonders deutlich positioniert sich die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Deren Präsidentin, Dr. Andrea Benecke, findet klare Worte für die Pläne, die Vergütungen im ambulanten Sektor global zu begrenzen oder gar teilweise zu streichen. Laut der Kammerpräsidentin würde eine solche Maßnahme die ambulante psychotherapeutische Versorgung unweigerlich schwächen. Wer glaube, man könne Finanzmittel kürzen, ohne dass dies zu weniger Terminen und Behandlungsplätzen in den Praxen führe, hoffe auf ein "mathematisches Wunder".

Konkrete Gefahren für die Patientenversorgung

Die Sorge in den Praxen ist groß. Wenn der ambulanten Versorgung weitere Gelder entzogen werden, droht ein spürbarer Engpass. Die BPtK befürchtet unter anderem folgende negative Entwicklungen:

  • Längere Wartezeiten: Weniger Budget bedeutet zwangsläufig weniger verfügbare Therapiestunden für Hilfesuchende.
  • Streichung von Zuschlägen: Spezielle Vergütungen, beispielsweise für dringend benötigte Kurzzeittherapien, könnten ersatzlos wegfallen.
  • Rückkehr zur Budgetierung: Die Einführung strenger Mengenbegrenzungen könnte Praxen zwingen, Patienten abzuweisen oder Behandlungen aufzuschieben.

Die Kommission hätte laut der BPtK ehrlicherweise eine eigene Kategorie für Einsparungsvorschläge schaffen müssen, die sich direkt und negativ auf die Patientenversorgung auswirken. Die negativen Effekte der aktuellen Pläne seien nicht nur potenziell, sondern völlig evident.

Vorherige Kürzungen verschärfen die Lage

Die aktuelle Debatte trifft auf einen ohnehin angespannten Sektor. Erst kürzlich hatte der Erweiterte Bewertungsausschuss eine Honorarkürzung von durchschnittlich 3,5 Prozent in der ambulanten Psychotherapie beschlossen. Angesichts von anhaltender Inflation und stetig steigenden Praxiskosten wurde dieser Schritt von Interessenvertretern bereits als skandalös und als "Kürzungspolitik nach dem Rasenmäherprinzip" verurteilt. Die neuen Vorschläge der FinanzKommission könnten diese ohnehin schon prekäre Lage nun weiter verschärfen.

Lichtblicke in den Empfehlungen

Trotz der massiven Kritik an den geplanten Leistungskürzungen gibt es auch Aspekte, die von der Bundespsychotherapeutenkammer ausdrücklich begrüßt werden. So wird die Empfehlung unterstützt, die Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldempfänger künftig solidarisch aus Steuermitteln zu finanzieren, anstatt diese Last allein den Beitragszahlern der GKV aufzubürden.

Ebenfalls auf Zustimmung stoßen präventive Ansätze: Eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer sowie die mögliche Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke gelten als sinnvolle und notwendige Maßnahmen. Die daraus resultierenden Einnahmen sollten nach Ansicht der Experten jedoch gezielt in den Ausbau von dringend benötigten Präventionsleistungen im Gesundheitswesen fließen.

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