Arztbesuch vor dem Umbruch: Gesundheitsminister stellen Weichen für neues Primärversorgungssystem

Benedikt Hübenthal
Neues Primärversorgungssystem: Gesundheitsminister planen Reform der Hausarzt-Praxen

Die Art und Weise, wie Patientinnen und Patienten in Deutschland künftig medizinisch versorgt werden, steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Auf der 99. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) haben die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder nun weitreichende Beschlüsse gefasst, die den Weg für ein neues Primärversorgungssystem ebnen sollen. Ziel ist es, die ambulante Versorgung zukunftsfest zu machen, Arztpraxen zu entlasten und Patientenströme gezielter zu steuern.

Der Hausarzt als zentraler Lotse

Im Kern der geplanten Reform steht die Aufwertung der hausärztlichen Praxen. Sie sollen in Zukunft noch stärker als erste und zentrale Anlaufstelle für Hilfesuchende fungieren. Die Minister fordern dabei klare Leitplanken: So sollen konkrete Aufgaben für Hausärztinnen und Hausärzte formuliert werden. Dazu gehört unter anderem die verbindliche Bereitstellung von Terminslots für akute und planbare Behandlungsanlässe. Wer also kurzfristig medizinische Hilfe benötigt, soll in der Primärversorgung verlässlich und schnell einen Ansprechpartner finden.

Um die Mediziner im Alltag zu entlasten, pocht die Gesundheitsministerkonferenz zudem auf eine stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit. Künftig sollen ärztliche Leistungen vermehrt an qualifiziertes, nichtärztliches Personal – wie etwa Physician Assistants oder spezielle Versorgungsassistenten – delegiert werden können. Dies schafft Freiräume für die Ärzte und sichert gleichzeitig eine engmaschige Betreuung der Patienten.

Die Kernforderungen der Gesundheitsminister im Überblick

  • Lotsenfunktion stärken: Hausarztpraxen sollen die zentrale Anlaufstelle werden und verbindliche Terminslots für akute Behandlungen bereithalten.
  • Bürokratieabbau: Massive Reduzierung administrativer Aufgaben, um mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu schaffen.
  • Delegation fördern: Qualifiziertes, nichtärztliches Personal soll stärker in die Behandlung eingebunden werden.
  • Sinnvolle Ausnahmen: Barrierefreier Zugang zu bestimmten Facharztgruppen (z. B. Gynäkologen, Kinderärzte oder Psychotherapeuten) bleibt ohne hausärztliche Überweisung bestehen.

Faire Vergütung und verbindlicher Zeitplan

Ein weiteres zentrales Anliegen der Länder ist die Überprüfung der hausärztlichen Vergütung. Im Gespräch sind hierbei unter anderem Vergütungsstrukturen für reine Koordinationsleistungen, die ohne direkten Patientenkontakt stattfinden, um den administrativen Mehraufwand der Praxen gerecht zu entlohnen.

Die Gesundheitsminister der Länder nehmen nun die Bundesregierung in die Pflicht. Sie fordern den Bund auf, das im Koalitionsvertrag verankerte Primärversorgungssystem zügig und konsequent umzusetzen. Dabei wird ein stufenweiser Ansatz mit klaren Übergangsregelungen und einem verbindlichen Zeitplan favorisiert, um Planungssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.

Im Rahmen der Tagung wurde von den Vertretern der Länder deutlich betont, dass das Gesundheitswesen bedarfsgerecht, nachhaltig und finanzierbar aufgestellt werden müsse. Ein "Weiter-so" könne es angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels nicht geben. Die nun veröffentlichten Leitplanken sollen sicherstellen, dass die Menschen in Deutschland auch in Zukunft überall sicher und gut versorgt sind.

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