Einigkeit in der Regierung: CDU und SPD fordern Recht auf Vergessenwerden nach Krebserkrankung
Eine überstandene Krebserkrankung ist für Betroffene ein gewaltiger Triumph und der Start in ein neues Leben. Doch die Freude über die Genesung wird im Alltag oft durch bürokratische und finanzielle Hürden getrübt. Nun zeichnet sich in der Politik ein wichtiger Durchbruch ab: Die SPD hat das sogenannte „Recht auf Vergessenwerden“ für Krebsüberlebende auf die politische Agenda gesetzt – und stößt beim Koalitionspartner CDU auf breite Zustimmung.
Was bedeutet das Recht auf Vergessenwerden in der Medizin?
Für viele ehemalige Krebspatienten gleicht die Rückkehr in die Normalität einem Spießrutenlauf. Wer eine schwere Erkrankung in seiner Krankenakte hat, muss diese bei zahlreichen Verträgen und Anträgen wahrheitsgemäß angeben. Das Recht auf Vergessenwerden soll genau hier ansetzen: Nach einer bestimmten, rückfallfreien Zeitspanne sollen Betroffene ihre frühere Krebserkrankung nicht mehr deklarieren müssen. Dies würde verhindern, dass sie aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte dauerhaft stigmatisiert und wirtschaftlich benachteiligt werden.
Parteienübergreifender Konsens: CDU unterstützt SPD-Pläne
Die politische Einigkeit in dieser Frage setzt ein starkes Signal für hunderttausende Betroffene in Deutschland. Aus den Reihen der CDU wird deutlich betont, dass Menschen, die den Krebs erfolgreich besiegt haben, nicht noch Jahre später bestraft werden dürfen. Die aktuelle Praxis führt in vielen Lebensbereichen zu erheblichen Einschränkungen, die durch eine rasche Gesetzesreform endlich beseitigt werden könnten.
Konkrete Hürden im Alltag von Krebsüberlebenden
- Versicherungsabschlüsse: Der Abschluss von Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen ist für ehemalige Patienten oft mit massiven Risikozuschlägen verbunden oder wird gänzlich abgelehnt.
- Kreditvergabe: Bei der Beantragung von Darlehen, etwa für eine dringend benötigte Immobilienfinanzierung, gelten Krebsüberlebende bei Banken häufig als Risikogruppe.
- Berufliche Nachteile: Besonders bei angestrebten Verbeamtungen im öffentlichen Dienst kann die strenge Gesundheitsprüfung zum unüberwindbaren Hindernis werden.
- Familienplanung: Selbst bei Adoptionsverfahren kann die vergangene Diagnose von den Behörden negativ ausgelegt werden.
Ein längst überfälliger Schritt nach europäischem Vorbild
Während europäische Nachbarn wie Frankreich, Belgien und die Niederlande bereits seit Längerem gesetzliche Regelungen zum Recht auf Vergessenwerden eingeführt haben, hinkte Deutschland bei diesem Thema bislang hinterher. Die nun signalisierte Einigkeit zwischen den großen Parteien lässt hoffen, dass Krebsüberlebende auch hierzulande bald ohne den dunklen Schatten ihrer Vergangenheit in die Zukunft blicken können. Ein entsprechendes Gesetz wäre nicht nur ein längst überfälliger Akt der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch eine immense psychologische Entlastung für unzählige Familien.
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