EMA schränkt Nutzung des Chikungunya-Impfstoffs Ixchiq drastisch ein

Dominik Hübenthal
Chikungunya-Impfstoff Ixchiq: EMA warnt vor schweren Nebenwirkungen

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat eine weitreichende Entscheidung für den Schutz von Patienten und Reisenden getroffen. Über ihren Sicherheitsausschuss (PRAC) rät die Behörde dringend dazu, die Anwendung des Chikungunya-Impfstoffs Ixchiq stark einzuschränken. Künftig soll das Präparat nur noch bei Personen eingesetzt werden, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, sich mit dem gefährlichen Chikungunya-Virus zu infizieren.

Schwere Nebenwirkungen als Auslöser

Hintergrund dieser drastischen Empfehlung sind neue Sicherheitsbewertungen der Behörde. Ixchiq ist ein Lebendimpfstoff, der einen abgeschwächten Stamm des Virus enthält und zum Schutz von Personen ab 12 Jahren zugelassen ist. In der jüngsten Vergangenheit häuften sich jedoch Berichte über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse nach der Impfung.

Wie die EMA mitteilt, kam es unter anderem zu Fällen von aseptischer Meningitis – einer gefährlichen, nicht-bakteriellen Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Darüber hinaus wurden schwere Chikungunya-ähnliche Symptome, Hirnerkrankungen (Enzephalopathien) sowie allgemeine, starke gesundheitliche Verschlechterungen dokumentiert. Einige dieser Vorfälle führten zu Krankenhausaufenthalten, vereinzelt sogar zum Tod.

Risiko nicht nur für Ältere

Zunächst gingen Mediziner davon aus, dass vor allem Menschen über 65 Jahren sowie Patienten mit chronischen Vorerkrankungen von den starken Nebenwirkungen betroffen sind. Die aktuellen Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Auch bei jungen, ansonsten völlig gesunden Erwachsenen traten die gravierenden Komplikationen auf.

Die Gesundheitsbehörden fordern daher eine sehr genaue, individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vor jeder Verabreichung. Für Menschen mit einem ohnehin geschwächten Immunsystem ist der Lebendimpfstoff strikt kontraindiziert.

Warnsignale nach der Impfung

Personen, die den Impfstoff bereits erhalten haben, sollten ihren Gesundheitszustand in den darauffolgenden Tagen aufmerksam beobachten. Bei folgenden Symptomen raten Experten dazu, sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen:

  • Plötzliche Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • Starkes Fieber und Schüttelfrost
  • Anhaltende, untypische Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Krampfanfälle

Folgen für die Reiseplanung

Das Chikungunya-Virus wird durch infizierte Mücken übertragen und verursacht hohes Fieber sowie teils monatelang anhaltende, extrem schmerzhafte Gelenkbeschwerden. Es ist vor allem in tropischen Regionen Afrikas, Asiens sowie in Mittel- und Südamerika verbreitet. Für Touristen bedeutet die neue Richtlinie, dass Ixchiq keinesfalls als Standard-Reiseimpfung betrachtet werden darf. Nur bei längeren Aufenthalten in konkreten Ausbruchsgebieten oder bei einem extrem hohen beruflichen Expositionsrisiko sollte – in enger Absprache mit einem Tropenmediziner – auf diesen Impfstoff zurückgegriffen werden.

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