Erhöhtes Krebsrisiko: Autoimmunerkrankungen und HPV im Fokus

Dominik Hübenthal
Erhöhtes HPV-Krebsrisiko bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Eine aktuelle Untersuchung bringt beunruhigende Erkenntnisse für Menschen, die an chronisch-entzündlichen Erkrankungen leiden. Laut einer neuen Studie, die kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift RMD Open veröffentlicht wurde, weisen Betroffene ein beinahe doppelt so hohes Risiko auf, an Krebsarten zu erkranken, die durch Humane Papillomaviren (HPV) ausgelöst werden. Auch schwere Gewebeveränderungen, sogenannte Dysplasien, treten in dieser Personengruppe deutlich häufiger auf.

Was sind immunvermittelte entzündliche Erkrankungen?

Hinter dem medizinischen Fachbegriff der immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen (IMIDs) verbergen sich Krankheitsbilder, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Gruppe gehören Rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte (Psoriasis) sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Millionen von Menschen in Deutschland sind von diesen chronischen Leiden betroffen, die oft eine lebenslange Behandlung erfordern.

Der Zusammenhang zwischen HPV und Krebs

Humane Papillomaviren sind weit verbreitet und werden meist durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen. Während eine Infektion bei gesunden Menschen oft unbemerkt bleibt und vom Immunsystem erfolgreich bekämpft wird, kann das Virus bei manchen Personen dauerhaft im Körper verbleiben. Langfristig können diese Viren Zellveränderungen verursachen, die sich zu Krebs entwickeln. Besonders gefährdet sind dabei der Gebärmutterhals, die Scheide, die Vulva sowie der Analbereich.

Warum ist das Risiko für Betroffene erhöht?

Die Forscher führen das signifikant erhöhte Risiko auf zwei Hauptfaktoren zurück. Einerseits ist das Immunsystem von IMID-Patienten durch die Grunderkrankung ohnehin fehlgesteuert und oft geschwächt. Andererseits erfordert die Behandlung dieser Krankheiten häufig den Einsatz von immunsuppressiven Medikamenten. Diese Arzneimittel sind zwar essenziell, um die schmerzhaften Entzündungsschübe zu stoppen, sie dämpfen jedoch gleichzeitig die natürliche Abwehrkraft des Körpers gegen Virusinfektionen wie HPV.

Wichtige Schutzmaßnahmen für Risikopatienten

Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene ist diese Erkenntnis ein wichtiger Weckruf. Um das Risiko einer Krebserkrankung zu minimieren, empfehlen Gesundheitsexperten folgende präventive Schritte:

  • Regelmäßige Krebsvorsorge: Engmaschige Kontrolluntersuchungen beim Gynäkologen oder Proktologen helfen, Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor Krebs entsteht.
  • HPV-Impfung prüfen: Auch im Erwachsenenalter kann eine Impfung gegen HPV in bestimmten Fällen noch sinnvoll sein. Dies sollte individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
  • Aufmerksame Beobachtung: Bei ungewöhnlichen Symptomen oder Schmerzen im Genital- und Analbereich sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden.

Die aktuellen Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine ganzheitliche medizinische Betreuung für chronisch kranke Menschen ist. Es reicht nicht aus, nur die Grunderkrankung zu behandeln – auch die erhöhte Anfälligkeit für Begleiterkrankungen muss stets im Blick behalten werden.

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