Erhöhte p-Tau-Werte: Nicht immer ist es Alzheimer

Benedikt Hübenthal
Erhöhtes p-Tau: Alzheimer-Biomarker warnt auch vor Amyloidose

Die Diagnose Alzheimer ist für Betroffene und Angehörige oft ein schwerer Schlag. In der modernen Medizin spielen sogenannte Biomarker eine immer wichtigere Rolle, um Demenzerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Einer der bekanntesten Marker im Blut ist das phosphorylierte Tau-Protein, kurz p-Tau. Doch neue medizinische Erkenntnisse mahnen zur Vorsicht: Ein erhöhter p-Tau-Wert bedeutet nicht zwingend, dass eine Alzheimer-Erkrankung vorliegt.

Wenn der Alzheimer-Marker auf eine andere Krankheit hinweist

Bislang galt ein Anstieg der p-Tau-Konzentration im Serum als starkes Indiz für eine präklinische oder bereits fortgeschrittene Alzheimer-Demenz. Aktuelle Untersuchungen zeigen nun jedoch ein differenzierteres Bild. Wie sich herausstellt, lassen sich erhöhte Werte dieses Proteins auch bei anderen, teils lebensbedrohlichen Erkrankungen nachweisen – insbesondere bei den sogenannten systemischen Amyloidosen.

Was ist eine systemische Amyloidose?

Bei einer Amyloidose handelt es sich um eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung, bei der sich fehlerhaft gefaltete Eiweiße (Amyloide) im Gewebe und in den Organen ablagern. Dies kann die Funktion der betroffenen Organe massiv einschränken. Die beiden häufigsten Formen, bei denen nun ebenfalls erhöhte p-Tau-Werte festgestellt wurden, sind:

  • Die Transthyretin-Amyloidose (ATTR): Hierbei lagern sich Proteine häufig im Herzen oder in den Nerven ab, was zu Herzinsuffizienz oder Polyneuropathie führen kann.
  • Die Leichtketten-Amyloidose (AL): Diese Form geht oft vom Knochenmark aus und kann Nieren, Herz und Leber schwer schädigen.

Gefahr von Fehldiagnosen vermeiden

Für die medizinische Praxis und die Pflege hat diese Entdeckung eine enorme Bedeutung. Wenn Ärzte bei einem Patienten mit kognitiven Einschränkungen oder unklaren Symptomen einen erhöhten p-Tau-Wert feststellen, darf der Blick nicht sofort und ausschließlich auf Alzheimer fallen. Eine vorschnelle Demenz-Diagnose könnte dazu führen, dass eine zugrundeliegende, behandlungsbedürftige Amyloidose übersehen wird.

Die richtige Diagnose ist entscheidend für den weiteren Verlauf. Während Alzheimer nach wie vor nicht heilbar ist und die Therapie auf eine Linderung der Symptome abzielt, gibt es für bestimmte Formen der Amyloidose mittlerweile zielgerichtete medikamentöse Behandlungen, die das Fortschreiten der Krankheit aufhalten können.

Ein Appell für eine umfassende Diagnostik

Für Pflegekräfte und pflegende Angehörige bedeutet dies: Ein Blutwert allein macht noch keine Diagnose. Es bedarf stets einer ganzheitlichen Betrachtung des Patienten. Neben neurologischen Tests sollten bei entsprechenden Verdachtsmomenten auch kardiologische und internistische Untersuchungen erfolgen, um seltene Erkrankungen wie die systemische Amyloidose sicher auszuschließen oder rechtzeitig zu behandeln.

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