Geplantes PFAS-Verbot der EU: Verbände warnen vor dramatischen Medikamenten-Engpässen

Djamal Sadaghiani
EU-PFAS-Verbot: Pharma-Verbände warnen vor Medikamenten-Engpass

Ein von der Europäischen Union geplantes Verbot der sogenannten "Ewigkeitschemikalien" (PFAS) sorgt in der Gesundheitsbranche für massive Unruhe. Was ursprünglich als wichtiger Schritt zum Schutz von Umwelt und Gesundheit gedacht war, könnte sich laut Branchenvertretern zu einer ernsten Bedrohung für die Patientenversorgung entwickeln. Der Verband Pharma Deutschland und der Verband der Deutschen Dental-Industrie (VDDI) schlagen nun in einem gemeinsamen Positionspapier Alarm.

Warum PFAS im Gesundheitswesen bislang unverzichtbar sind

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind extrem widerstandsfähig gegen Hitze, Wasser und Schmutz. Genau diese chemischen Eigenschaften machen sie in der modernen Medizinproduktion aktuell unersetzlich. Sie kommen in zahlreichen hochsensiblen Bereichen zum Einsatz:

  • Herstellung: In sterilen Produktionsanlagen werden PFAS in Filtern, speziellen Dichtungen und Schläuchen verwendet.
  • Verpackung: Empfindliche Präparate benötigen sichere Verpackungskomponenten, die oft PFAS enthalten, um die Haltbarkeit, Reinheit und Qualität zu garantieren.
  • Medizinprodukte: Auch in der Zahnmedizin und in chirurgischen Instrumenten sind die chemischen Verbindungen häufig essenzieller Bestandteil.

Laut den Industrieverbänden wäre insbesondere das Fehlen dieser Stoffe in der sterilen Arzneimittelherstellung äußerst kritisch. Ein abrupter Materialwechsel könnte die Qualität und Verfügbarkeit überlebenswichtiger Medikamente stark beeinträchtigen.

Warnung vor dramatischen Versorgungsengpässen

Die Sorge der Experten ist groß: Fallen wichtige Bauteile, Hilfsstoffe oder Verpackungen aufgrund eines pauschalen EU-Verbots weg, könnten viele Arzneimittel und Medizinprodukte schlichtweg nicht mehr verlässlich produziert und geliefert werden. Für Patientinnen und Patienten würde dies im schlimmsten Fall Therapieunterbrechungen, stark eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten und eine enorme Unsicherheit im ohnehin oft angespannten medizinischen Versorgungsalltag bedeuten.

Verbände fordern klare Ausnahmeregelungen

Um dieses Szenario abzuwenden, fordern Pharma Deutschland und der VDDI eine grundlegende Überarbeitung der geplanten europäischen PFAS-Beschränkung. Der Kern ihrer Forderung: Es braucht umfassende und dauerhafte Ausnahmen für den gesamten Gesundheitssektor. Gut gemeinte Umweltschutzmaßnahmen dürften nicht dazu führen, dass die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ins Wanken gerät.

Die Suche nach Alternativen läuft – doch sie braucht Zeit

Die Branche verschließt die Augen nicht vor den ökologischen Risiken, die von bestimmten PFAS-Verbindungen ausgehen können. Laut den Verbänden arbeiten die Unternehmen bereits mit Hochdruck daran, die umstrittenen Stoffe überall dort zu ersetzen, wo es technisch und regulatorisch machbar ist. Das Problem hierbei ist jedoch die Zeit: Die Entwicklung neuer, sicherer Alternativen und deren Zulassung in der extrem streng regulierten Medizinbranche ist ein langwieriger Prozess, der nicht selten bis zu zwei Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann.

Die europäische Politik steht nun vor der komplexen Aufgabe, einen pragmatischen Kompromiss zu finden, der den dringend notwendigen Umweltschutz vorantreibt, ohne dabei das Wohl und die Sicherheit von Millionen von Patienten aufs Spiel zu setzen.

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