Gerechtigkeitslücke schließen: Gesetzlicher Mutterschutz für Selbstständige gefordert

Dominik Hübenthal
Mutterschutz für Selbstständige: Bärbel Bas fordert neues Gesetz

Für viele selbstständige Frauen gleicht die Familienplanung einem enormen finanziellen und existenziellen Risiko. Während festangestellte Arbeitnehmerinnen durch das Mutterschutzgesetz umfassend abgesichert sind und eine bezahlte Auszeit vor und nach der Geburt genießen, fallen Gründerinnen, Freiberuflerinnen und selbstständige Pflegekräfte bislang durch das soziale Raster. Eine historische Ungerechtigkeit, die nun verstärkt in den politischen Fokus rückt.

Bärbel Bas kritisiert fehlende Absicherung

In einer aktuellen Bundestagsdebatte anlässlich des Internationalen Frauentags fand Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) deutliche Worte für die derzeitige Gesetzeslage. Sie kritisierte scharf, dass es in Deutschland noch immer keinen gesetzlich verankerten Mutterschutz für Frauen in der Selbstständigkeit gibt. Ein Zustand, der im Widerspruch zu den grundlegenden Werten der Verfassung stehe.

Das Grundgesetz formuliert unmissverständlich, dass jede Mutter Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der staatlichen Gemeinschaft hat. Diese Formulierung schließt alle Mütter ein – völlig unabhängig von ihrer beruflichen Stellung oder Vertragsart. Dennoch zwingt die harte finanzielle Realität viele Selbstständige dazu, bis unmittelbar vor der Entbindung zu arbeiten und bereits wenige Tage nach der Geburt wieder an den Schreibtisch oder zu ihren Klienten zurückzukehren.

Die aktuelle Situation für Selbstständige

Wer aktuell als Frau ein eigenes Unternehmen führt oder freiberuflich tätig ist, steht rund um die Geburt vor massiven Herausforderungen:

  • Kein automatisches Mutterschaftsgeld: Anders als Angestellte erhalten Selbstständige keinen Lohnersatz, es sei denn, sie haben proaktiv eine private Vorsorge getroffen oder sich mit Anspruch auf Krankengeld freiwillig gesetzlich versichert.
  • Laufende Fixkosten: Betriebliche Ausgaben wie Mieten für Praxisräume, Versicherungen oder Leasingverträge laufen während einer Babypause unerbittlich weiter.
  • Gefahr des Kundenverlusts: Ohne finanzielle Überbrückungshilfen können es sich viele Frauen schlichtweg nicht leisten, Aufträge ruhen zu lassen.

Besondere Relevanz für den Pflege- und Gesundheitssektor

Gerade im weiten Feld des Gesundheits- und Pflegebereichs sind unzählige Frauen selbstständig tätig – sei es als freiberufliche Pflegefachkräfte, Therapeutinnen, Hebammen oder Beraterinnen. Für sie ist die körperliche und emotionale Belastung im Arbeitsalltag ohnehin hoch. Der fehlende Mutterschutz stellt hier nicht nur ein finanzielles, sondern im schlimmsten Fall auch ein gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind dar.

Die klare Unterstützung durch die Bundesarbeitsministerin gibt nun einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus Verbänden und Initiativen neuen Rückenwind. Das gemeinsame Ziel ist es, ein solidarisches Modell zu entwickeln, das auch selbstständigen Frauen eine bezahlte, geschützte und sorgenfreie Auszeit rund um die Geburt ermöglicht. Ob und wie schnell ein konkreter Gesetzentwurf auf den Weg gebracht wird, bleibt nun abzuwarten. Die aktuelle Debatte zeigt jedoch eindrücklich: Der Druck auf die Politik wächst unaufhaltsam, diese Lücke endlich zu schließen.

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