Große Impflücke: Kaum Schutz vor Grippe bei chronisch kranken Kindern

Dominik Hübenthal
Grippeimpfung: Nur 10 Prozent der chronisch kranken Kinder geimpft

Trotz ausdrücklicher Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) bleibt die Impfquote gegen die echte Grippe (Influenza) bei besonders gefährdeten Kindern und Jugendlichen in Deutschland erschreckend niedrig. Eine aktuelle Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen über den Zehnjahreszeitraum von 2014/15 bis 2024/25, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI), offenbart ein besorgniserregendes Versäumnis: Nur rund zehn Prozent der jungen Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Grunderkrankung ließen sich in den vergangenen Jahren impfen.

Hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe

Für gesunde Kinder verläuft eine Influenza meist ohne bleibende Schäden, wenngleich sie mit hohem Fieber und starker Abgeschlagenheit einhergeht. Völlig anders stellt sich die Situation jedoch bei Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen dar. Für sie birgt eine Infektion mit Influenzaviren erhebliche Gefahren – von schweren Lungenentzündungen über eine drastische Verschlechterung des Grundleidens bis hin zu intensivmedizinischer Behandlungspflicht.

Zu den relevanten Grunderkrankungen, bei denen die STIKO dringend zur jährlichen Grippeschutzimpfung rät, zählen unter anderem:

  • Chronische Atemwegserkrankungen wie schweres Asthma bronchiale
  • Angeborene oder erworbene Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus
  • Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen
  • Neurologische und neuromuskuläre Beeinträchtigungen
  • Angeborene oder medikamentös bedingte Immunschwächen

Ursachen für die niedrige Impfquote

Dass neun von zehn gefährdeten Kindern ungeschützt in die Erkältungssaison starten, hat vielschichtige Gründe. Häufig unterschätzen Eltern die Schwere einer echten Virusgrippe und verwechseln diese mit einem grippalen Infekt. Zudem herrscht vielfach Unklarheit darüber, dass die Grippeimpfung für Menschen mit chronischen Leiden – unabhängig vom Alter – eine Standardleistung der gesetzlichen Krankenkassen darstellt.

Auch im Praxisalltag von Kinder- und Jugendärzten sowie Allgemeinmedizinern geht die gezielte Ansprache zur Grippeimpfung im dichten Terminkalender mitunter unter. Das Robert Koch-Institut betont daher, wie entscheidend ein proaktives Erinnern und Aufklären durch das medizinische Fachpersonal ist.

Rechtzeitige Vorsorge vor Beginn der Grippewelle

Fachgesellschaften und Gesundheitsexperten raten dringend dazu, die Impflücken rechtzeitig vor Beginn der jährlichen Grippewelle zu schließen. Die beste Zeit für eine Impfung liegt im Herbst, meist in den Monaten Oktober und November. Da der Körper etwa zwei Wochen benötigt, um einen vollständigen Immunschutz aufzubauen, bietet die frühzeitige Vorsorge den verlässlichsten Schutz vor den zirkulierenden Virenstämmen.

Für Familien mit chronisch kranken Kindern empfiehlt sich daher das frühzeitige Gespräch in der betreuenden Kinderarztpraxis, um den Impfstatus abzugleichen und notwendige Schutzimpfungen rechtzeitig zu planen.

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