Hausärzte schlagen Alarm: Video-Plattformen stoppen, nicht die Telefon-Krankschreibung!

Dominik Hübenthal
Hausärzte fordern: Video-Krankschreibungen stoppen, Telefon-AU erhalten

Die Pläne der Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung in absehbarer Zeit wieder abzuschaffen, stoßen auf heftigen Widerstand. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sieht darin den falschen Weg und fordert stattdessen ein strengeres Vorgehen gegen kommerzielle Anbieter von Videosprechstunden.

"Reine Symbolpolitik" ohne echten Nutzen

Kürzlich einigten sich die Spitzen der Regierungskoalition darauf, die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu kippen und die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag gesetzlich zu verankern. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete diesen Schritt mit den anhaltend hohen Krankenständen in der Wirtschaft.

Aus Sicht der Ärzteschaft ist dies jedoch der völlig falsche Ansatz. Laut der Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes handele es sich bei den geplanten Regelungen um "reine Symbolpolitik". Diese Maßnahmen würden weder den allgemeinen Krankheitsstand reduzieren noch gezielten Missbrauch verhindern.

Das wahre Problem: Anonyme Video-Plattformen

Anstatt bewährte Strukturen in den Arztpraxen zu beschneiden, fordert der Verband, den Fokus auf die wahren Treiber von ungerechtfertigten Krankschreibungen zu legen. Im Visier der Mediziner stehen dabei vor allem anonyme Online-Dienste.

Ginge es der Politik ernsthaft darum, Betrug zu bekämpfen, müsse dem Wildwuchs bei diversen Videosprechstunden-Anbietern ein Riegel vorgeschoben werden. Der Verband warnt vor Plattformen, die teils aggressiv mit unkomplizierten und schnellen Krankschreibungen im Internet werben. Dort, wo Anbieter ihre Kunden nicht einmal persönlich kennen und rein profitorientiert arbeiten, sei dem Betrug Tür und Tor geöffnet.

Vertrauen als bestes Schutzschild

Im Gegensatz zu den anonymen Online-Diensten basiere die telefonische Krankschreibung in der klassischen Hausarztpraxis auf einem entscheidenden Faktor: dem persönlichen Vertrauensverhältnis. Die Ausstellung eines Attests per Telefon ist in der Regel daran gebunden, dass die Praxis den Patienten bereits kennt.

  • Individuelle Einschätzung: Hausärzte können die gesundheitliche Situation ihrer Stammpatienten fundiert beurteilen.
  • Missbrauchsprävention: Das Wissen um die Vorgeschichte des Patienten gilt als effektivster Schutz gegen Betrug.
  • Entlastung der Praxen: Die telefonische AU verhindert überfüllte Wartezimmer und senkt das Ansteckungsrisiko für das Personal und andere Patienten.

Wirtschaftsexperten warnen vor Bumerang-Effekt

Nicht nur Mediziner, sondern auch Wirtschaftsexperten äußern Bedenken. Laut Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist nicht zu erwarten, dass die geplante Verschärfung den Krankenstand spürbar senken wird. Im Gegenteil: Eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Tag, gepaart mit dem Wegfall der Telefon-AU, dürfte zu einem massiven Ansturm auf die Praxen führen. Dies könnte paradoxerweise zu noch mehr Fehltagen führen, da sich Beschäftigte mit leichten Infekten im Wartezimmer mit schwereren Krankheiten anstecken könnten.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.