Hessen startet innovatives Notfall-Projekt: So sollen Notaufnahmen und Rettungsdienste entlastet werden
Wer in Deutschland den Notruf 112 wählt, wird in der Regel vom Rettungsdienst in die nächstgelegene Notaufnahme gebracht – auch dann, wenn die Erkrankung gar nicht lebensbedrohlich ist. Das bindet wertvolle Ressourcen und führt zu chronisch überlasteten Krankenhäusern. Ein innovatives Modellprojekt in Hessen soll dieses Problem nun lösen und startet ab sofort in den Echtbetrieb.
Das SaN-Projekt: Ein Meilenstein für die Notfallversorgung
Hinter dem Kürzel SaN verbirgt sich die sogenannte „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“. Das Ziel ist ebenso simpel wie effektiv: Patienten sollen künftig deutlich schneller an die genau für sie richtige medizinische Stelle geleitet werden. Anstatt jeden Anrufer pauschal ins Krankenhaus zu fahren, ermöglicht ein neues, durchgehend digitales System eine intelligente Patientensteuerung.
Laut dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege bietet das System einen doppelten Nutzen: Patienten erhalten passgenaue Hilfe, während gleichzeitig Rettungsdienste und Notaufnahmen spürbar entlastet werden.
Wie funktioniert das neue System in der Praxis?
Das Kernelement des Projekts ist die nahtlose digitale Vernetzung zwischen den Leitstellen des Rettungsdienstes (112) und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117). Wenn der Rettungsdienst bei einem Patienten vor Ort feststellt, dass keine akute Lebensgefahr besteht, muss dieser nicht mehr zwingend in die Klinik. Stattdessen kann die Person direkt einer teilnehmenden Haus- oder Facharztpraxis beziehungsweise einer Bereitschaftsdienstzentrale zugewiesen werden.
- Ressourcenschonung: Schwere Notfälle können in den Kliniken wieder priorisiert behandelt werden.
- Zeitersparnis: Patienten mit leichteren Beschwerden entgehen den langen Wartezeiten in der Notaufnahme.
- Effizienz: Rettungswagen sind schneller wieder einsatzbereit für echte lebensrettende Einsätze.
Drei Pilotlandkreise machen den Anfang
Nach einer mehrjährigen Pilotphase geht das Projekt nun in drei hessischen Regionen in den offiziellen Echtbetrieb über:
- Main-Taunus-Kreis
- Main-Kinzig-Kreis
- Landkreis Gießen
Wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) mitteilt, liegt die zentrale Innovation im sektorübergreifenden Denken. Egal ob Hilfesuchende zuerst die 112, die 116117 oder direkt eine Notaufnahme kontaktieren – das System vernetzt alle Anlaufstellen miteinander, sodass niemand im System „verloren geht“.
Noch Luft nach oben bei den Partnerpraxen
Damit das Konzept flächendeckend funktioniert, sind die Initiatoren auf die Kooperation der niedergelassenen Ärzte angewiesen. Aktuell beteiligen sich in Hessen rund 35 Partnerpraxen sowie acht Bereitschaftsdienstzentralen, die sich bereiterklärt haben, zugewiesene Patienten auch spontan zu behandeln. Seit Beginn der Pilotphase gab es rund 1.300 solcher Zuweisungen. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es hier jedoch noch Ausbaupotenzial. Je dichter das Netz an teilnehmenden Praxen wird, desto seltener muss der Rettungswagen doch wieder das nächste Krankenhaus ansteuern.
Das hessische Modell gilt bereits jetzt als bundesweites Vorzeigeprojekt. Es zeigt eindrucksvoll, wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen ganz konkrete, alltägliche Probleme lösen kann – zum Wohle der Patienten und des medizinischen Personals.
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