Kampf den Lieferengpässen: NRW fordert radikales Umdenken bei der Medikamenten-Produktion
Die anhaltenden Lieferengpässe bei lebenswichtigen Medikamenten bereiten Pflegekräften, Ärzten und Patienten seit Langem große Sorgen. Nun fordern die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und Vertreter der Pharmabranche ein radikales Umdenken: Der Preis darf bei der Beschaffung von Arzneimitteln nicht länger das einzige Kriterium sein. Im Rahmen eines umfassenden „Chancenpapiers“ wurden 52 konkrete Handlungsempfehlungen vorgestellt, die die Medikamentenversorgung in Deutschland nachhaltig krisenfest machen sollen.
Sicherheit statt reiner Preiskampf
In den vergangenen Jahren hat die unsichere geopolitische Lage schonungslos offengelegt, wie anfällig das deutsche Gesundheitssystem für globale Lieferkettenprobleme ist. Ein Großteil der sogenannten Generika – also Nachahmerpräparate für die Massenversorgung – wird längst nicht mehr in der Europäischen Union produziert. Dies betrifft insbesondere alltägliche, aber absolut lebenswichtige Medikamente wie Insulin, Blutdrucksenker oder Penicillin.
Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kritisierte die aktuelle Vergabepraxis dabei scharf. Bislang werde bei Arzneimittelausschreibungen vorrangig auf den günstigsten Preis geachtet. Aspekte wie die Lieferfähigkeit in Krisensituationen oder eine Produktion innerhalb Deutschlands fänden kaum Beachtung. Dies müsse sich dringend ändern, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung dauerhaft zu gewährleisten.

Medikamente als essenzielle Daseinsvorsorge
Auch die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur betonte die Dringlichkeit des Themas. Medikamente seien keine Luxusgüter, sondern ein essenzieller Teil der Daseinsvorsorge. Das nun vorgestellte Chancenpapier zielt darauf ab, die Produktionskapazitäten in Europa, Deutschland und insbesondere in Nordrhein-Westfalen massiv auszubauen und zu stärken. Nur mit einer starken heimischen Pharmaindustrie könne man auf künftige Krisen angemessen reagieren.
Die wichtigsten Lösungsansätze im Überblick:
- Abkehr vom reinen Preis-Kriterium: Bei Ausschreibungen sollen künftig zwingend auch die Versorgungssicherheit und kurze Lieferwege bewertet werden.
- Stärkung des heimischen Standorts: Gezielte Anreize für die Produktion von wichtigen Grundstoffen und Generika innerhalb der EU und Deutschlands.
- Bürokratieabbau: Schnellere und effizientere Genehmigungsverfahren sollen die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Pharmaindustrie sichern.
Ein Krisenplan für den Ernstfall fehlt
Besonders alarmierend ist laut der NRW-Landesregierung die Tatsache, dass es in Deutschland derzeit keinen funktionierenden Krisenplan für die Medikamentenversorgung in militärischen Notlagen gibt. Aus diesem Grund kündigte das Gesundheitsministerium in Düsseldorf an, in den kommenden Monaten einen eigenen, umfassenden Notfallplan für das Bundesland erarbeiten zu wollen.
Für den Pflege- und Gesundheitssektor sind diese Entwicklungen von enormer Bedeutung. Eine stabilere Lieferkette bedeutet im Pflegealltag deutlich weniger Zeitaufwand für die mühsame Beschaffung von Ersatzpräparaten und vor allem mehr Sicherheit für pflegebedürftige Menschen, die auf eine lückenlose medikamentöse Einstellung angewiesen sind. Ob und wie schnell die wegweisenden Forderungen aus Nordrhein-Westfalen nun auf Bundesebene Gehör finden, bleibt abzuwarten.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.
