Erhöhtes Krebsrisiko: Verborgene Gefahren für Beschäftigte im Gesundheitswesen

Benedikt Hübenthal
Krebsrisiko in Pflege & Medizin: 30 % der Beschäftigten gefährdet

Der Arbeitsalltag in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und medizinischen Laboren ist ohnehin von hoher körperlicher und mentaler Belastung geprägt. Doch neben Stress und Infektionsrisiken lauert eine weitere, oft unsichtbare Gefahr: Fast 30 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen sind an ihrem Arbeitsplatz einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Dies ist das alarmierende Ergebnis einer aktuellen Untersuchung, die im renommierten European Journal of Public Health veröffentlicht wurde.

Unsichtbare Gefahrenquellen im Klinikalltag

Wer an Berufsrisiken in der Pflege oder Medizin denkt, hat meist Rückenleiden durch schweres Heben oder das Risiko von Nadelstichverletzungen vor Augen. Die neue Publikation rückt jedoch chemische und physikalische Belastungen in den Fokus, die über Jahre hinweg schwere gesundheitliche Schäden verursachen können. Zu den am häufigsten identifizierten Gefahrenquellen zählen:

  • Ionisierende Strahlen: Besonders in der Radiologie, Kardiologie und im Operationssaal sind Ärzte und Pflegekräfte regelmäßig Röntgen- und CT-Strahlungen ausgesetzt.
  • Formaldehyd: Diese chemische Verbindung wird häufig in der Pathologie und Anatomie zur Konservierung von Gewebe eingesetzt, aber auch in bestimmten Desinfektionsmitteln verwendet.
  • Ethylenoxid: Ein Gas, das in Krankenhäusern zur Sterilisation von hitzeempfindlichen medizinischen Instrumenten genutzt wird, jedoch als stark krebserregend gilt.
  • Dieselabgase: Vor allem Beschäftigte im Rettungsdienst und im Patiententransport sind durch laufende Motoren in Fahrzeughallen und Rettungswachen gefährdet.

Arbeitsschutz muss höchste Priorität haben

Dass fast ein Drittel der Belegschaft im Gesundheitssektor mit potenziell krebserregenden Stoffen oder Strahlungen in Kontakt kommt, unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf beim Arbeitsschutz. Zwar gibt es in Deutschland strenge gesetzliche Vorgaben und Grenzwerte, doch die Realität im stressigen Berufsalltag sieht oft anders aus. Zeitmangel, fehlendes Bewusstsein oder unzureichende Schutzbekleidung können dazu führen, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht optimal umgesetzt werden.

Wie können Pflegekräfte und medizinisches Personal geschützt werden?

Experten fordern eine konsequente Überprüfung und Anpassung der bestehenden Schutzmaßnahmen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Schulungen: Das Bewusstsein für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen muss kontinuierlich geschärft werden.
  • Moderne Technik: Der Einsatz von geschlossenen Systemen bei der Sterilisation und leistungsstarken Absauganlagen in Laboren und Fahrzeughallen ist unerlässlich.
  • Strenge Überwachung: Die Einhaltung von Grenzwerten, insbesondere bei der Strahlenbelastung, muss lückenlos dokumentiert und kontrolliert werden.

Menschen, die täglich für die Gesundheit und das Leben anderer kämpfen, dürfen nicht ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen müssen. Die Studienergebnisse sind ein klarer Weckruf an Klinikbetreiber, Berufsgenossenschaften und die Politik, den präventiven Arbeitsschutz im Gesundheitswesen weiter zu stärken.

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