KBV-Arztzahlstatistik 2025: Immer mehr Ärzte – doch die Zeit für Patienten schwindet
Es klingt wie ein Widerspruch in sich: Deutschland verzeichnet in der ambulanten Versorgung mehr Ärztinnen und Ärzte als je zuvor, doch die Zeit im Behandlungszimmer wird spürbar knapper. Die aktuelle Arztzahlstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das Jahr 2025 legt den Finger in eine offene Wunde des deutschen Gesundheitssystems. Der ungebrochene Trend hin zu Teilzeitarbeit und Anstellung verändert die Praxislandschaft grundlegend – mit direkten Folgen für die Patientenversorgung.
Ein Rekordhoch an Köpfen, aber ein Mangel an Zeit
Laut den neuesten Daten der KBV nahmen im Jahr 2025 insgesamt 191.875 Ärztinnen, Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Das entspricht einem Zuwachs von rund 2.300 Personen oder 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark fiel das Wachstum im Bereich der Psychotherapie mit einem Plus von 3,7 Prozent aus, während die rein ärztliche Versorgung lediglich um 0,7 Prozent wuchs.
Doch diese positiven Kopfzahlen trügen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnt eindringlich davor, dass die sogenannte "Arztzeit" – also die tatsächliche Zeit, die für die Behandlung von Patienten zur Verfügung steht – ein zunehmend knappes Gut wird. Der Grund dafür liegt im veränderten Arbeitsverhalten der medizinischen Fachkräfte.
Der Trend zur Teilzeit verändert die Praxislandschaft
Immer mehr, vor allem jüngere Medizinerinnen und Mediziner, entscheiden sich bewusst gegen die klassische Vollzeittätigkeit in der eigenen Niederlassung. Stattdessen bevorzugen sie feste Anstellungsverhältnisse und Teilzeitmodelle, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mittlerweile arbeiten mehr als 70.000 Kräfte in der ambulanten Versorgung in Teilzeit, während knapp 59.000 in einem Angestelltenverhältnis tätig sind.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der hausärztlichen Versorgung. Obwohl die Zahl der Hausärzte rein rechnerisch um 0,6 Prozent stieg, sank das tatsächliche Arbeitsvolumen – gemessen in vollen Versorgungsaufträgen – aufgrund der Teilzeitquote sogar leicht um 0,1 Prozent ab. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das im Alltag oft längere Wartezeiten auf Termine und vollere Wartezimmer.
Forderungen an die Politik: Rahmenbedingungen verbessern
Führende Vertreter der KBV betonen, dass die ambulante Versorgung weiterhin die tragende Säule des Gesundheitssystems ist – immerhin werden hier 97 Prozent der Behandlungsfälle gestemmt. Doch damit das System nicht kollabiert, müsse die Politik dringend handeln. Gefordert werden unter anderem:
- Ein spürbarer Abbau der überbordenden Bürokratie im Praxisalltag.
- Die Abschaffung von als sinnlos empfundenen Wirtschaftlichkeitsprüfungen.
- Eine funktionierende und verlässliche digitale Infrastruktur anstelle unausgereifter IT-Lösungen.
- Planbare Vertretungsstrukturen und verlässliche Arbeitszeitmodelle.
Nur wenn die Niederlassung in einer eigenen Praxis wieder attraktiver wird, ließe sich der steigende Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft auch in Zukunft zuverlässig decken.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Sollte sich der aktuelle Trend der vergangenen zehn Jahre unverändert fortsetzen, warnt die KBV vor einem drastischen Szenario: Bis zum Jahr 2039 würde die Teilzeitbeschäftigung in der ambulanten Versorgung die absolute Mehrheit bilden. Um die Kapazität der ausscheidenden Vollzeitkräfte zu kompensieren, bräuchte das System dann schätzungsweise 50.000 zusätzliche Medizinerinnen und Mediziner – eine gewaltige personelle Herausforderung, die ohne grundlegende politische Reformen kaum zu bewältigen sein dürfte.
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