Krankenhäuser schlagen Alarm: Deutschland braucht eine neue Kultur der Organspende
Tausende Menschen in Deutschland hoffen täglich auf einen lebensrettenden Anruf. Doch obwohl die Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung theoretisch vorhanden ist, mangelt es oft an der praktischen Umsetzung. Angesichts dieser anhaltenden Diskrepanz schlägt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nun Alarm und fordert in einem aktuellen Positionspapier ein radikales Umdenken: Deutschland brauche dringend eine echte „Kultur der Organspende“.
Ein Klima des Vertrauens schaffen
Im vergangenen Jahr verzeichnete Deutschland mit 985 Spenderinnen und Spendern zwar den höchsten Stand seit 2012, doch der Bedarf übersteigt diese Zahl noch immer bei Weitem. Laut dem Vorstandsvorsitzenden der DKG, Dr. Gerald Gaß, warten nach wie vor zu viele Patientinnen und Patienten vergeblich auf ein Spenderorgan. Er betont die Notwendigkeit, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das mehr Menschen dazu bewegt, ihren Willen zur Organspende aktiv und rechtssicher zu erklären.
Motive gegen eine Spende basieren der DKG zufolge häufig auf Fehlinformationen oder unausgesprochenen Ängsten. Daher sei eine breite, ehrliche und respektvolle Debatte unerlässlich, die auch unbequeme ethische und weltanschauliche Fragen nicht ausklammert.
Die Kernforderungen der Krankenhäuser
Um die Spendebereitschaft nachhaltig zu erhöhen und die Abläufe in den Kliniken zu optimieren, hat die DKG einen umfassenden 10-Punkte-Plan vorgelegt. Zu den zentralen Forderungen gehören:
- Offener Umgang mit ethischen Fragen: Komplexe Themen wie das Hirntodkriterium, religiöse Vorbehalte oder Ängste vor Missbrauch müssen transparent und ohne Tabus in der Gesellschaft diskutiert werden.
- Neue politische Grundsatzdebatte: Die DKG fordert den Gesetzgeber auf, die Diskussion über die Einführung einer Widerspruchslösung oder einer verpflichtenden Entscheidungslösung neu zu entfachen.
- Einfache Dokumentation: Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende muss digital, barrierefrei und absolut rechtssicher dokumentierbar sein. Das bestehende Organspenderegister wird als Fortschritt gelobt, aber aufgrund seiner bisher geringen Nutzung kritisiert.
- Stärkung des Klinikpersonals: Die Organspende soll zu einem verpflichtenden Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Pflegekräfte und Ärzteschaft werden. Zudem müsse der enormen psychologischen Belastung des Personals in Organspendeprozessen stärker Rechnung getragen werden.
- Absicherung der Transplantationsbeauftragten: Deren Freistellung und Finanzierung müssen dauerhaft gesichert und ihre Aufgaben weiter professionalisiert werden, um die Erkennung potenzieller Spender in den Kliniken zu gewährleisten.
Pflegekräfte und Ärzte in der Schlüsselrolle
Krankenhäuser nehmen eine absolute Schlüsselstellung ein, wenn es darum geht, potenzielle Organspender zu identifizieren und die Angehörigen in den schwersten Stunden ihres Lebens professionell zu begleiten. Doch genau hier stoßen viele Kliniken an ihre strukturellen und personellen Grenzen. Die DKG warnt ausdrücklich davor, die Zahl der Koordinatoren der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zu reduzieren, da diese für die reibungslosen Abläufe in den Krankenhäusern unverzichtbar seien.
Neue Wege in der Organisation
Um die Prozesse weiter zu verbessern, schlägt das Positionspapier zudem vor, neue Organisationsmodelle zu erproben. Dazu könnten spezialisierte Entnahmezentren, mobile Entnahmeteams oder engere Netzwerke zwischen den Entnahmekliniken zählen. Gleichzeitig müsse die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls durch eine neutrale, flächendeckend verfügbare Struktur abgesichert werden, um das Vertrauen der Bevölkerung in das System maximal zu stärken.
Die Botschaft der Krankenhäuser ist unmissverständlich: Eine gesetzliche Reform allein wird nicht ausreichen. Nur wenn Politik, medizinisches Personal und die Gesellschaft als Ganzes an einem Strang ziehen, kann die erhoffte „Kultur der Organspende“ Realität werden und unzähligen Menschen eine zweite Lebenschance bieten.
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