Kritik an Notfallreform: Ärzte warnen vor gefährlichen Lücken in der Patientenversorgung

Dominik Hübenthal
Notfallreform 2026: Ärzte warnen vor gefährlichen Lücken

Die geplante Reform der Notfallversorgung in Deutschland sorgt weiterhin für hitzige Debatten. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, haben sich wissenschaftliche Fachgesellschaften aus der Notfallmedizin nun mit einem dringenden Appell an die Bundesregierung gewandt. Ihr klares Fazit: Der aktuelle Kabinettsentwurf weist erhebliche Lücken auf und muss zwingend nachgebessert werden, um die Patientensicherheit nachhaltig zu gewährleisten.

Qualität darf nicht an Sektorengrenzen enden

Ein zentraler Kritikpunkt der Mediziner ist die weiterhin bestehende strikte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Führende Experten fordern, dass die Notfallversorgung als durchgehender Prozess verstanden werden muss. Die Qualität der Behandlung müsse entlang des gesamten Patientenweges gemessen werden – beginnend beim ersten Anruf in der Leitstelle über die Pflege bis hin zur abschließenden stationären Weiterbehandlung.

Um dies zu erreichen, schlagen die Fachgesellschaften vor, den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit einer sogenannten transsektoralen Qualitätssicherung zu beauftragen. Nur durch standardisierte, regionale Vorgaben ließe sich die Reform wirksam, messbar und zukunftssicher gestalten.

Fehlende Standards bei Integrierten Notfallzentren (INZ)

Besonderes Augenmerk liegt auf den geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ), die künftig als zentrale Anlaufstellen für Akutpatienten dienen sollen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bemängelt hier das Fehlen unabhängiger Qualitätssicherungsmaßnahmen sowie unklare Führungsstrukturen. Es brauche zwingend neutrale Daten- und Evaluationsstrukturen auf Bundesebene, anstatt die Überprüfung den Leistungsträgern selbst zu überlassen.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) äußert erhebliche Bedenken. Die INZ seien im aktuellen Entwurf nicht wirklich sektorenübergreifend, sondern weiterhin getrennt gedacht. Zudem sorge die geplante Ersteinschätzung der Patienten für Verwirrung, da sie an verschiedenen Stellen im System nicht optimal aufeinander abgestimmt sei.

Streitpunkte: Arzneimittelabgabe und Personalmangel

  • Ungleichbehandlung bei Medikamenten: Laut der DKG dürfen Ärzte in den Notdienstpraxen eines INZ Medikamente abgeben, während dies in den Notaufnahmen der Krankenhäuser weiterhin untersagt bleiben soll.
  • Ressourcenmangel: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt vor dem Aufbau von Doppelstrukturen. Die Verpflichtung, künftig rund um die Uhr telemedizinische und aufsuchende Versorgung bereitzustellen, sei angesichts des akuten Personalmangels schlichtweg unrealistisch.
  • Digitale Vernetzung: Fachverbände betonen, dass eine lückenlose digitale Dokumentation über alle Sektoren hinweg unerlässlich ist, um die Reform überhaupt erfolgreich umsetzen zu können.

Für Pflegekräfte, Rettungsdienste und das gesamte medizinische Personal bedeutet der aktuelle Schwebezustand vor allem eines: weiterhin hohe Belastung und rechtliche Unsicherheit. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, ob die Politik die Warnungen aus der Praxis ernst nimmt und die Notfallreform so anpasst, dass sie ihren eigentlichen Zweck erfüllt – eine schnelle, effiziente und sichere Versorgung für jeden Notfallpatienten in Deutschland.

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