Medizintechnik-Branche fordert radikalen Digital-Turbo im Gesundheitswesen

Djamal Sadaghiani
Medizintechnik fordert umfassende Digitalisierung & KI-Einsatz

Die deutsche Medizintechnikbranche schlägt Alarm und fordert von der Politik deutlich mehr Tempo bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens. Um eine moderne und zukunftsfähige Patientenversorgung zu gewährleisten, müssten bürokratische Hürden abgebaut und digitale Innovationen wesentlich schneller in die Regelversorgung integriert werden.

Die Zukunft der Medizin ist datengetrieben

Laut dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) entsteht eine wirklich smarte Gesundheitsversorgung nicht allein durch isolierte Einzelerfindungen. Vielmehr sei das reibungslose Zusammenspiel von großen Datenmengen, einer tiefgreifenden Vernetzung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) der entscheidende Faktor. Die technologischen Möglichkeiten für eine fortschrittliche Versorgung seien aufseiten der Industrie bereits vorhanden – nun müsse das Gesundheitssystem und dessen regulatorischer Rahmen dringend nachziehen.

Vier zentrale Handlungsfelder für die Politik

In einem aktuellen Positionspapier benennt die Medizintechnik-Branche konkrete Maßnahmen, die zwingend umgesetzt werden müssen, damit Innovationen zügig im Versorgungsalltag ankommen:

  • Bessere Datenverfügbarkeit: In einem modernen Primärversorgungssystem müssen Echtzeitdaten für eine valide, digitale Ersteinschätzung nutzbar gemacht werden. Auch sogenannte "Digitale Zwillinge" (Digital Twins), die auf pseudonymisierten Behandlungsdaten basieren, sollen künftig helfen, Therapieschritte zu simulieren und invasive Eingriffe zu vermeiden.
  • Einheitliches Einwilligungsmanagement: Die Branche fordert eine bundesweit einheitliche Regelung für die Datennutzung im Behandlungsablauf, basierend auf einer klaren und übereinstimmenden Auslegung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
  • Internationale Standards: Um Insellösungen zu vermeiden, sollen standardisierte Datenformate europaweit einheitlich auf den Vorgaben des European Health Data Space (EHDS) beruhen. Landesspezifische Sonderwege müssten der Vergangenheit angehören.
  • Europaweite Zertifizierung: Die Datensicherheit soll nach einheitlichen europäischen Maßstäben zertifiziert und anerkannt werden. Ergänzende nationale Zertifikate, die den Zulassungsprozess unnötig in die Länge ziehen, sollen komplett entfallen.

Elektronische Patientenakte (ePA) als zentraler Dreh- und Angelpunkt

Ein weiterer entscheidender Baustein für den Erfolg der Digitalisierung ist der konsequente Ausbau der Elektronischen Patientenakte (ePA). Diese müsse sich von einem reinen Datenspeicher zu einer echten, interaktiven digitalen Plattform entwickeln. Ziel sei es, Patienten nahtlos durch das gesamte System zu navigieren – vom Hausarzt über den Facharzt bis hin zum Krankenhausaufenthalt und der anschließenden Rehabilitation. Branchenexperten bemängeln, dass in Deutschland zu oft nur auf die potenziellen Risiken der Digitalisierung geschaut werde; vielmehr müssten die enormen Chancen für die Patientenversorgung in den Fokus rücken.

Medizintechnik als strategischer Partner

Die Branche macht deutlich: Bei anstehenden Großprojekten wie der Krankenhausreform oder der zunehmenden Ambulantisierung darf die Medizintechnik nicht länger nur als reiner Produktlieferant betrachtet werden. Sie muss als integraler Bestandteil und strategischer Partner für moderne Versorgungskonzepte frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Nur durch planbare Rahmenbedingungen und beschleunigte Prozesse könne das volle Potenzial der Medizintechnologie für die Gesundheit der Menschen und den Wirtschaftsstandort ausgeschöpft werden.

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