Milliarden-Kostenfalle: Techniker Krankenkasse kritisiert zu hohe Preise für Biologika

Djamal Sadaghiani
Techniker Krankenkasse kritisiert hohe Biologikapreise: GKV verliert Milliarden

Die Kosten im deutschen Gesundheitswesen steigen unaufhaltsam. Nun schlägt die Techniker Krankenkasse (TK) Alarm: Durch zu hohe Preise für biologisch hergestellte Arzneimittel und verpasste Einsparmöglichkeiten entgehen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Milliardenbeträge. Im Zentrum der Kritik stehen gesetzliche Hürden beim Einsatz von günstigeren Nachahmerpräparaten, den sogenannten Biosimilars.

Verpasste Einsparungen in Milliardenhöhe

Laut der Techniker Krankenkasse belaufen sich die verpassten Einsparungen seit dem Jahr 2022 auf rund sieben Milliarden Euro. Der Grund dafür sei ein verspäteter Einstieg in den sogenannten Biosimilar-Austausch sowie das Fehlen von rechtlichen Möglichkeiten, um effiziente Rabattverträge zu schließen. Biologika, die unter anderem in der Krebs- und Rheumatherapie eingesetzt werden, gehören zu den teuersten Arzneimitteln auf dem Markt. Sobald ihr Patentschutz ausläuft, können günstigere Biosimilars eingesetzt werden – doch dieser Hebel wird in Deutschland nach Ansicht der Kasse nicht konsequent genug genutzt.

Was sind Biologika und Biosimilars?

  • Biologika: Komplexe, biotechnologisch hergestellte Medikamente, die aus lebenden Zellen oder Geweben gewonnen werden. Sie sind oft lebensrettend, aber in der Entwicklung und Herstellung extrem kostenintensiv.
  • Biosimilars: Nachahmerprodukte von Biologika, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie weisen eine gleichbleibende Qualität und Wirksamkeit auf, sind jedoch deutlich günstiger.

Scharfe Kritik am geplanten Spargesetz

Besonders brisant ist die aktuelle politische Lage: Mit dem geplanten Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Bundesregierung die explodierenden Ausgaben im Gesundheitswesen eindämmen. Doch die TK sieht in dem Gesetzentwurf eine gefährliche Lücke. Während die Beitragszahler stark belastet werden sollen, bleiben immense Einsparpotenziale bei den Arzneimitteln ungenutzt.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, äußerte sich besorgt über die Pläne der Koalition. Der aktuelle Gesetzentwurf sehe zwar einen dynamischen Herstellerabschlag vor, schließe Biosimilars jedoch explizit davon aus. Zudem fordere die Pharmabranche ein Verbot von exklusiven Ausschreibungen für diese Produktgruppe. Laut Baas sei dies angesichts der angespannten Finanzlage der GKV unverhältnismäßig. Ein solcher Biosimilar-Stopp würde die Einsparungen des gesamten Spargesetzes zunichtemachen und der Pharmaindustrie letztlich sogar ein finanzielles Plus bescheren.

Forderung nach mehr Wettbewerb

Um die Krankenkassenbeiträge langfristig stabil zu halten, fordert die Kasse die Politik auf, den Wettbewerb im Arzneimittelmarkt zu stärken. Exklusive Ausschreibungen und Rabattverträge seien international etablierte und effektive Instrumente, um Kosten zu dämpfen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Solange diese Mechanismen für Biosimilars blockiert werden, droht die finanzielle Belastung für Millionen von gesetzlich Versicherten weiter zu steigen.

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