Notfallreform in der Kritik: Krankenhäuser fordern dringend Nachbesserungen

Benedikt Hübenthal
Notfallreform 2026: Krankenhäuser üben Kritik am Referentenentwurf

Die Notaufnahmen in Deutschland sind seit Jahren am Limit. Abhilfe soll die lang erwartete Notfallreform schaffen, deren aktueller Referentenentwurf nun vorliegt. Doch anstatt für Aufatmen zu sorgen, erntet das Papier aus dem Bundesgesundheitsministerium scharfe Kritik von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Der Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß macht deutlich: Der Entwurf bleibt weit hinter den Erwartungen der Kliniken zurück.

Integrierte Notfallzentren (INZ) als Streitpunkt

Ein Kernstück der geplanten Reform sind die sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ). Diese sollen an Kliniken entstehen und als gemeinsame Anlaufstelle von Krankenhäusern und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) fungieren. An einem gemeinsamen Tresen soll nach einer professionellen Ersteinschätzung entschieden werden, ob ein Patient stationär im Krankenhaus behandelt werden muss oder ambulant versorgt werden kann.

Doch genau hier sieht die DKG erheblichen Nachbesserungsbedarf. Die Krankenhäuser fordern klare finanzielle Zusagen. Es wird erwartet, dass die Bundesländer die Investitionskosten für den räumlichen und technischen Umbau dieser neuen Zentren übernehmen. Zudem kritisiert die Krankenhausgesellschaft die geplanten Zuständigkeiten bei der Standortwahl. Diese müsse zwingend in den Händen der Landesplanungsausschüsse liegen, um eine sinnvolle und regional angepasste Krankenhausplanung zu gewährleisten.

Ambulanter Sektor stärker in der Pflicht

Ein weiteres Problem, das die Kliniken seit Langem beklagen, ist die Überlastung der Notaufnahmen durch Patienten, die eigentlich im ambulanten Bereich behandelt werden müssten. Wer abends oder am Wochenende keinen niedergelassenen Arzt erreicht, sucht oft den direkten Weg in die Klinik.

Die DKG fordert daher, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen ihren Sicherstellungsauftrag in der ambulanten Notfallversorgung konsequenter erfüllen. Ein verlässlicher Rund-um-die-Uhr-Betrieb in den Notdienstpraxen der INZ sei unabdingbar, um die Krankenhäuser vor Ort spürbar zu entlasten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung weist diese Vorwürfe in der aktuellen Debatte jedoch zurück und befürchtet ihrerseits, dass die geplanten INZ-Strukturen zu ineffizienten Parallelstrukturen führen könnten.

Was bedeutet das für Pflegekräfte und Patienten?

  • Gezielte Patientensteuerung: Nur wenn leichtere Erkrankungen verlässlich in die ambulante Versorgung gelenkt werden, können sich Pflegekräfte und Ärzte auf echte Akutnotfälle konzentrieren.
  • Entlastung des Personals: Eine erfolgreiche Reform könnte die massiven Überstunden und die physische wie psychische Belastung des Klinikpersonals deutlich reduzieren.
  • Schnellere Hilfe: Patienten sollen durch die bessere Vernetzung der Rufnummern 112 und 116117 künftig sofort an die richtige Stelle verwiesen werden.

Die hitzige Debatte um den Referentenentwurf zeigt deutlich: Der Weg zu einer effizienten und entlastenden Notfallstruktur ist noch weit. Bis das Gesetz final verabschiedet und reibungslos in den Klinikalltag integriert ist, werden Bund, Länder, Kliniken und die Ärzteschaft noch intensiv um tragfähige Kompromisse ringen müssen.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.