OECD-Bericht warnt: Long COVID verursacht bis 2035 jährliche Milliardenkosten

Benedikt Hübenthal
Long COVID: OECD prognostiziert Milliardenkosten bis 2035

Die akute Phase der Corona-Pandemie mag in den Hintergrund gerückt sein, doch ihre Langzeitfolgen werfen weiterhin einen massiven Schatten auf die globale Wirtschaft und die Gesundheitssysteme. Ein aktueller Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeichnet ein düsteres Bild für die kommenden Jahre: Long COVID wird die Mitgliedsstaaten noch bis mindestens 2035 jährlich dreistellige Milliardenbeträge kosten.

Die unsichtbare Last: Direkte und indirekte Kosten

Laut der OECD schlägt die anhaltende Erschöpfung und Krankheit der Betroffenen gleich doppelt zu Buche. Allein die direkten medizinischen Kosten – also Ausgaben für Behandlungen, Rehabilitation und Pflege – werden selbst bei konservativen Schätzungen auf rund elf Milliarden US-Dollar pro Jahr beziffert. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die wahren finanziellen Dimensionen zeigen sich bei den indirekten wirtschaftlichen Schäden. Experten warnen davor, dass Arbeitsausfälle, verminderte Produktivität und das vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben weitaus gravierender sind. Die OECD prognostiziert durch Long COVID einen jährlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 bis 0,2 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet dies einen enormen wirtschaftlichen Verlust von etwa 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Rückgang der Fallzahlen, aber keine Entwarnung

In der Hochphase der Pandemie im Jahr 2021 waren den Modellierungen zufolge über fünf Prozent der Bevölkerung in den OECD-Ländern – rund 75 Millionen Menschen – von Long COVID betroffen. Inzwischen ist diese Prävalenz auf unter ein Prozent gesunken und hat sich seit dem Jahr 2024 weitgehend stabilisiert. Dennoch betonen die Autoren des Berichts, dass die Krankheit eine chronische Belastung bleibt, die insbesondere durch neue, wenn auch moderatere Virusübertragungen aufrechterhalten wird.

Was bedeutet das für die Pflege?

Für das Gesundheitswesen und insbesondere die Pflegebranche ergeben sich daraus immense Herausforderungen. Pflegekräfte sind nicht nur häufiger berufsbedingt dem Virus ausgesetzt gewesen und leiden zum Teil selbst unter Post-COVID-Symptomen, sie müssen auch die langfristige Versorgung der chronisch kranken Patienten stemmen. Angesichts der angespannten Personalsituation werden die gesundheitspolitischen Forderungen lauter:

  • Ausbau von Reha-Angeboten: Es bedarf gezielter, flächendeckender Therapiezentren für Long-COVID-Patienten, um chronische Verläufe abzumildern.
  • Soziale Absicherung: Betroffene, die nicht mehr voll arbeiten können, benötigen unbürokratische Unterstützung und Anpassungen bei der Erwerbsminderungsrente.
  • Forschung und Prävention: Investitionen in die Datenerfassung und multidisziplinäre Versorgungsmodelle müssen zwingend erhöht werden, um Behandlungsstandards zu verbessern.

Die aktuellen Zahlen der OECD machen unmissverständlich klar: Die Bewältigung von Long COVID ist keine kurzfristige Aufgabe, sondern eine gesundheitspolitische und ökonomische Marathonstrecke, die Gesellschaften noch ein ganzes Jahrzehnt begleiten wird.

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