Alarmierende Studie: Deutschland verliert bei vermeidbaren Todesfällen den Anschluss
Es ist ein beunruhigendes Zeugnis für das deutsche Gesundheitssystem: Trotz des enormen finanziellen Aufwands gelingt es Deutschland nicht, die Zahl der sogenannten vermeidbaren Todesfälle im westeuropäischen Vergleich entscheidend zu senken. Im Gegenteil – der Abstand zu den Vorreiter-Ländern wächst sogar. Das zeigt eine aktuelle und umfassende Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Zusammenarbeit mit den Universitäten Groningen und Oldenburg.
Was sind "vermeidbare Todesfälle"?
Als vermeidbar stufen Experten jene Todesfälle bei Personen unter 75 Jahren ein, die durch eine effiziente medizinische Versorgung oder durch rechtzeitige präventive Maßnahmen hätten verhindert werden können. Laut den Forschern des BiB unterteilt sich dies in zwei Bereiche:
- Medizinisch vermeidbar: Krankheiten, die durch Früherkennung und rechtzeitige, angemessene Behandlung heilbar oder kontrollierbar gewesen wären.
- Präventiv vermeidbar: Todesfälle, die durch einen gesünderen Lebensstil oder politische Maßnahmen (wie Tabaksteuer oder Aufklärungskampagnen) gar nicht erst entstanden wären.
Deutschland fällt im Europa-Vergleich zurück
Für die im Fachmagazin European Journal of Population veröffentlichte Studie werteten die Wissenschaftler Daten aus 581 europäischen Regionen über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten aus. Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwar konnte auch Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte bei der Reduzierung der vermeidbaren Sterblichkeit erzielen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen westeuropäischen Gebieten weisen zahlreiche deutsche Regionen kontinuierlich höhere Sterblichkeitsraten auf.
Besonders deutlich wird dies im Vergleich zu den sogenannten "Coldspots" – Regionen mit besonders niedriger vermeidbarer Sterblichkeit. Dazu zählen laut der Untersuchung die Schweiz sowie weite Teile von Italien, Frankreich und Spanien. Innerhalb Deutschlands schaffte es lediglich die Region zwischen Tübingen und Ulm zeitweise in diese positive Kategorie.
Nordosten Deutschlands besonders betroffen
Die Studie offenbart zudem ein massives regionales Gefälle innerhalb der Bundesrepublik. Besonders betroffen ist der Nordosten Deutschlands. Dazu zählen Nordthüringen, Ostniedersachsen sowie größere Gebiete in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Hier ist die vermeidbare Sterblichkeit signifikant höher als im Süden.
Warum hinkt Deutschland hinterher?
Doch warum verliert ein Land mit einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt hier den Anschluss? Experten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung sehen vor allem im Bereich der Prävention erhebliches Aufholpotenzial. Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel spielen eine zentrale Rolle.
Zudem betonen die Wissenschaftler, dass sich gesundheitliche Ungleichheiten nicht allein durch das Gesundheitssystem erklären lassen. Auch sozioökonomische Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beschäftigungsperspektiven sind entscheidend. Um vermeidbare Todesfälle langfristig zu verringern, fordern die Forscher daher, gesundheitspolitische Maßnahmen noch stärker an den regionalen und sozialen Bedarfen auszurichten.
Für Patienten, Pflegekräfte und das medizinische Personal bedeutet dies: Die reine Behandlung von Krankheiten reicht nicht aus. Eine stärkere Fokussierung auf Vorsorge, Aufklärung und einen gesunden Lebensstil ist zwingend notwendig, um die Lebenserwartung und Lebensqualität in Deutschland nachhaltig zu verbessern.
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