Pflege als Armutsfalle: Jeder zweite Pflegende verliert Haus oder Ersparnisse

Djamal Sadaghiani
DAK-Umfrage 2026: Pflegekosten fressen Haus und Ersparnisse auf

Für viele Familien in Deutschland wird die Pflege eines Angehörigen zunehmend zu einer existenziellen Bedrohung. Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit bringt erschreckende Zahlen ans Licht: Fast jede zweite Pflegeperson hat bereits erlebt, dass für die Finanzierung der Pflege das eigene Haus verkauft oder ein Großteil der Ersparnisse aufgebraucht werden musste.

Pflegekosten treiben Familien in den Ruin

Die sogenannte Pflegearmut ist längst kein Randphänomen mehr. Laut der Erhebung gaben 49 Prozent der befragten pflegenden Angehörigen an, extreme finanzielle Einbußen bei sich selbst oder im nahen Umfeld, wie bei Verwandten oder Bekannten, beobachtet zu haben. Auch in der Gesamtbevölkerung berichten 31 Prozent von ähnlichen Erfahrungen. Die immensen Kosten, insbesondere für die Unterbringung in Pflegeheimen, übersteigen oftmals die finanziellen Rücklagen vieler Haushalte.

DAK-Chef warnt vor sozialem Sprengstoff

Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, findet deutliche Worte für die alarmierende Entwicklung. Er betont, dass die Pflegearmut mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Wenn Angehörige durch die Pflege ihr Hab und Gut verlieren, berge dies enormen sozialen Sprengstoff. Storm fordert Bund und Länder zum sofortigen Handeln auf. Es müsse dringend eine Lösung gefunden werden, um die explodierenden Heimkosten zu begrenzen, damit die Pflegebedürftigkeit nicht unweigerlich in die Armutsfalle führe.

Große Mehrheit fordert umfassende Pflegereform

Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation ist groß. Zwei Drittel der Befragten bewerten die derzeitige Lage in der Pflege als schlecht, und die Hälfte rechnet sogar mit einer weiteren Verschlechterung. Dementsprechend hoch ist der Ruf nach politischen Maßnahmen:

  • 69 Prozent der Deutschen fordern eine weitreichende und umfassende Pflegereform.
  • Die Reform soll eine verlässliche und bezahlbare Versorgung für alle garantieren.
  • Gleichzeitig erwarten viele steigende Belastungen: 61 Prozent halten höhere Beiträge oder Leistungskürzungen in der Zukunft für unvermeidbar.

Kürzungen beim Pflegegeld sind tabu

Trotz der Bereitschaft, Einschnitte zur Stabilisierung des Systems hinzunehmen, gibt es für die Bürger eine klare rote Linie. Konkrete Kürzungen beim Pflegegeld werden von 67 Prozent der Befragten strikt abgelehnt. Das Pflegegeld stellt für viele Familien eine unverzichtbare Stütze dar, um die häusliche Pflege überhaupt aufrechterhalten zu können.

Die Ergebnisse der Umfrage, für die im Februar 2026 mehr als 2.100 Menschen befragt wurden, erhöhen den Druck auf die Politik. Es bleibt abzuwarten, wie die Bundesregierung auf diese alarmierenden Zahlen reagieren wird und welche konkreten Entlastungen für Pflegebedürftige und ihre Familien auf den Weg gebracht werden.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.