Psychotherapie-Krise: Jugendliche warten über 32 Wochen auf Hilfe
Für viele Familien in Deutschland ist es ein zermürbender Kampf: Wenn Kinder oder Jugendliche dringend psychologische Hilfe benötigen, stehen sie oft vor verschlossenen Türen. Aktuelle Daten zeigen ein alarmierendes Bild der psychotherapeutischen Versorgung für die jüngste Generation. Die Wartezeiten haben ein Ausmaß erreicht, das Experten zunehmend mit großer Sorge betrachten.
Über ein halbes Jahr Wartezeit bis zum Therapiebeginn
Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention vergehen im Durchschnitt erschreckende 32,5 Wochen zwischen der ersten Anfrage und dem tatsächlichen Beginn einer Psychotherapie für junge Menschen. Die Stiftung bezeichnet diesen Zustand als inakzeptabel und warnt vor den weitreichenden Folgen. Die kürzlich veröffentlichten Daten des Bildungs- und Versorgungsmonitors Psychotherapie belegen zudem, dass sich die Wartezeiten im Vergleich zum Vorjahr noch weiter verschlechtert haben.
Frühe Hilfe verhindert chronische Verläufe
Die Experten der Stiftung weisen auf ein gravierendes Versorgungsdefizit hin. Die Brisanz der Situation wird deutlich, wenn man bedenkt, dass rund die Hälfte aller psychischen Erkrankungen bereits vor dem 18. Lebensjahr beginnt. Ohne eine frühzeitige und professionelle Behandlung steigt das Risiko erheblich, dass diese Erkrankungen einen schweren oder chronischen Verlauf nehmen.
Psychische Erkrankungen bedeuten nicht nur immenses Leid für die betroffenen Kinder und ihre Familien, sondern haben auch weitreichende Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft. Ein psychisch gesundes Aufwachsen ist laut den Fachleuten eine unverzichtbare Grundvoraussetzung für schulischen Erfolg, gesellschaftliche Teilhabe und die allgemeine Gesundheit im späteren Leben. Daher dürfe das Thema nicht länger nachrangig behandelt werden.
Vielfältige Ursachen für die hohe Belastung
Doch warum benötigen immer mehr junge Menschen therapeutische Hilfe? Aktuellen Erhebungen zufolge sind mittlerweile mehr als 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland stark psychisch belastet. Die Ursachen hierfür sind komplex und spiegeln die krisenhafte Zeit wider, in der sie aufwachsen:
- Die langfristigen Folgen der COVID-19-Pandemie
- Zukunftsängste durch die allgegenwärtige Klimakrise
- Die anhaltenden Kriege in Europa und der Welt
- Wirtschaftliche Sorgen und Unsicherheiten innerhalb der Familien
Was Eltern zur Überbrückung tun können
Für betroffene Eltern ist die lange Wartezeit oft eine große Belastungsprobe. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe rät Müttern und Vätern, sich bei ersten Sorgen um die psychische Gesundheit ihres Kindes zunächst an den behandelnden Kinder- und Jugendarzt zu wenden. Dieser kann eine erste Einschätzung vornehmen und weitere Schritte einleiten.
Um die extrem langen Wartezeiten auf einen regulären Psychotherapieplatz zu überbrücken, können zudem Familien- und Erziehungsberatungsstellen eine wichtige und vor allem schnellere Anlaufstelle sein. Sie bieten oft zeitnahe Unterstützung und können Familien in akuten Krisensituationen stabilisieren.
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