Rettungsdienst am Limit: Neues Konzept soll Notfallversorgung retten
Die deutschen Notfallstrukturen ächzen unter einer enormen Belastung. Immer häufiger rücken Rettungskräfte zu Einsätzen aus, die eigentlich keine echten medizinischen Notfälle sind. Um einen drohenden Kollaps des Systems abzuwenden und die Patientensteuerung zu verbessern, hat die Bertelsmann-Stiftung nun ein neues Konzept zur Optimierung der Notfallversorgung vorgelegt.
Wenn der Notruf zur Routine wird
Laut einem aktuellen Report der Bertelsmann-Stiftung versorgen der reguläre Rettungsdienst und der kassenärztliche Bereitschaftsdienst zunehmend dieselbe Patientengruppe. Es handelt sich dabei primär um sogenannte „Low-Code-Fälle“. Dies sind medizinische Anliegen von geringer Dringlichkeit und niedriger Komplexität, die meist in den hausärztlich-internistischen oder geriatrischen Bereich fallen.
Schätzungen von Experten zufolge machen diese unkritischen Fälle mittlerweile mindestens 30 Prozent aller Einsätze im Rettungsdienst aus. Das bindet wertvolle Ressourcen, die bei echten, lebensbedrohlichen Notfällen fehlen könnten.
Die Krux der getrennten Systeme
Das Kernproblem liegt in der mangelnden Verzahnung der bestehenden Strukturen. Aktuell arbeiten der aufsuchende Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die kommunalen Rettungsdienste weitgehend isoliert voneinander. Obwohl es eine große Schnittmenge bei den behandelten Patienten gibt, findet – mit Ausnahme der Bundeshauptstadt Berlin – keine systematische Überleitung oder Abstimmung zwischen den beiden Institutionen statt.
Diese fehlende Kommunikation führt laut der Stiftung häufig zu Fehleinschätzungen. Ohne eine fundierte medizinische Ersteinschätzung am Telefon kommt es zu Fehlallokationen: Ein teurer und hochgerüsteter Rettungswagen rückt aus, obwohl der ärztliche Bereitschaftsdienst völlig ausreichend gewesen wäre.
Zusätzliche strukturelle Hürden
- Ärztemangel: Besonders in ländlichen Regionen wird es für die KVen immer schwieriger, den aufsuchenden Fahrdienst personell zu besetzen.
- Sinkende Bereitschaft: Die Teilnahme am Notdienst wird unter niedergelassenen Ärzten zunehmend unbeliebter.
- Steigende Einsatzzahlen: Parallel dazu wächst der Anteil der wenig dringlichen Fälle im Rettungsdienst kontinuierlich an.
Der Lösungsansatz: Integrierte Notfallsteuerung
Um diese Ineffizienzen zu beheben, schlägt die Bertelsmann-Stiftung ein stark integriertes System vor. Die Leitstellen der Rettungsdienste (unter der bekannten Notrufnummer 112) und der kassenärztlichen Versorgung (erreichbar unter 116117) sollen künftig wesentlich enger kooperieren.
Ein zentraler Baustein dieses Konzepts ist die Einführung standardisierter Ersteinschätzungssysteme. Wenn Patienten medizinische Hilfe anfordern, soll bereits beim ersten Kontakt durch gezielte Abfragen ermittelt werden, welche Versorgungsebene die richtige ist. So könnte zielgenau entschieden werden, ob ein Notarzt, ein Rettungswagen, der kassenärztliche Bereitschaftsdienst oder lediglich ein Verweis auf die reguläre Hausarztpraxis am nächsten Tag erforderlich ist.
Eine solche Reform der Schnittstellen könnte nicht nur das überlastete Rettungspersonal aufatmen lassen, sondern auch sicherstellen, dass Patienten schneller und passgenauer die medizinische Hilfe erhalten, die sie tatsächlich benötigen.
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