Schonendere Prostatakrebs-Vorsorge: Wie die MRT unnötige Eingriffe verhindern kann

Benedikt Hübenthal
Prostatakrebs-Vorsorge: PSA-Test und MRT im aktuellen IQWiG-Bericht

Die Früherkennung von Prostatakrebs ist seit Jahren ein viel diskutiertes Thema in der Medizin. Bislang stand vor allem der alleinige PSA-Test (Prostataspezifisches Antigen) im Zentrum der Kritik, da er häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Gewebeentnahmen führte. Ein aktueller Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beleuchtet nun einen neuen, vielversprechenden Ansatz: die Kombination aus PSA-Test und Magnetresonanztomografie (MRT). Auch wenn Langzeitstudien noch ausstehen, zeigt die Methode bereits jetzt enormes Potenzial, um Männer vor unnötigen Eingriffen zu bewahren.

Der risikoadaptierte Ansatz: So funktioniert das kombinierte Screening

Das vom IQWiG untersuchte Modell setzt auf ein stufenweises Vorgehen. Anstatt bei einem erhöhten PSA-Wert sofort eine Biopsie (Gewebeentnahme) anzuordnen, wird ein Zwischenschritt eingeführt:

  • Schritt 1: Bestimmung des PSA-Wertes im Blut.
  • Schritt 2: Bei Auffälligkeiten erfolgt eine individuelle Risikobewertung und gegebenenfalls eine MRT-Untersuchung der Prostata.
  • Schritt 3: Nur wenn das MRT einen erhärteten Verdacht auf einen gefährlichen Tumor zeigt, wird gezielt Gewebe entnommen.

Dieses Vorgehen zielt darauf ab, die Schwächen des klassischen PSA-Screenings auszugleichen und die Diagnostik treffsicherer zu machen.

Kurzzeitergebnisse machen Hoffnung

Laut dem aktuellen Vorbericht des IQWiG fehlen derzeit noch belastbare Langzeitdaten, um abschließend zu beurteilen, ob das kombinierte Verfahren die Sterblichkeitsrate bei Prostatakrebs im Vergleich zu keiner Früherkennung signifikant senkt. Dennoch ziehen die Experten aus den vorliegenden Kurzzeitergebnissen ermutigende Schlüsse.

Die Auswertung aktueller Studien zeigt, dass der Einsatz der MRT als Filter nach einem auffälligen PSA-Test deutliche Vorteile bringt. Die Zahl der durchgeführten Biopsien sinkt spürbar, was gleichzeitig die damit verbundenen Risiken wie Infektionen oder Blutungen reduziert. Zudem gibt es weniger falsch-positive Befunde, die bei den Betroffenen oft große psychische Belastungen auslösen.

Weniger Überdiagnosen, gleiche Sicherheit

Ein zentrales Problem der bisherigen Krebsvorsorge ist die Entdeckung von sogenannten klinisch insignifikanten Tumoren – also Krebszellen, die so langsam wachsen, dass sie zu Lebzeiten des Patienten niemals Beschwerden verursacht hätten. Die Diagnose führt dennoch oft zu belastenden Behandlungen und Übertherapien. Das IQWiG stellt fest, dass die zusätzliche MRT-Untersuchung die Zahl genau dieser unbedeutenden Krebsdiagnosen verringert. Gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass gefährliche, behandlungsbedürftige Tumore durch dieses Vorgehen übersehen werden.

Ein Blick in die Zukunft der Krebsvorsorge

Auch wenn das Institut aufgrund der fehlenden Langzeitdaten derzeit noch keinen formalen Zusatznutzen für das Screening-Programm aussprechen kann, wird das Potenzial der Methode ausdrücklich anerkannt. Wenn künftige Studien bestätigen, dass durch die MRT-Triage dauerhaft mehr Männer von unnötigen Biopsien und Übertherapien verschont bleiben, könnte dies das Nutzen-Schaden-Verhältnis der Prostatakrebs-Vorsorge deutlich ins Positive kehren.

Für Männer, die sich mit dem Gedanken an eine Vorsorgeuntersuchung tragen, bedeutet dies vorerst: Eine individuelle Beratung beim Urologen bleibt unerlässlich. Die Entwicklung hin zu einer präziseren, schonenderen Diagnostik ist jedoch in vollem Gange und könnte die Urologie in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.

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