Stille Gefahr: Mediziner fordern gezieltes Nierenscreening für Millionen Deutsche
Rund zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind von einer chronischen Nierenkrankheit (CKD) betroffen – die meisten von ihnen, ohne es überhaupt zu ahnen. Da die Erkrankung im Anfangsstadium schleichend und völlig schmerzfrei verläuft, wird sie oft erst entdeckt, wenn die Nieren bereits massiv geschädigt sind. Führende medizinische Fachgesellschaften schlagen nun Alarm und fordern ein sofortiges Umdenken in der Gesundheitspolitik.
Sparpläne der Regierung rufen Experten auf den Plan
Hintergrund der aktuellen Diskussion ist ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums. Im Rahmen eines neuen Gesetzes zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge sollen Leistungen stärker auf ihren Nutzen geprüft werden. Dabei steht auch die allgemeine Urinuntersuchung beim routinemäßigen Gesundheits-Check-up auf dem Prüfstand.
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) warnen eindringlich vor pauschalen Streichungen. Anstatt bei der Diagnostik den Rotstift anzusetzen, plädieren die Fachverbände für ein gezieltes, systematisches Screening, das sich auf klar definierte Risikogruppen konzentriert.
Wer gehört zur Risikogruppe?
Nicht jeder Mensch benötigt zwingend ein engmaschiges Nierenscreening. Die Experten betonen jedoch, dass bestimmte Vorerkrankungen das Risiko für ein Nierenversagen drastisch erhöhen. Ein systematisches Screening wird insbesondere für folgende Personengruppen dringend empfohlen:
- Menschen mit Diabetes mellitus: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die feinen Blutgefäße der Nieren.
- Patienten mit Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Der ständige Druck belastet das Nierengewebe massiv.
- Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herz und Nieren hängen funktionell eng zusammen.
- Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas): Übergewicht ist ein treibender Faktor für Stoffwechselstörungen.
- Patienten mit familiärer Vorbelastung oder nach einem akuten Nierenversagen.
Warum die Früherkennung Leben rettet
Die Nieren sind die Hochleistungsfilter unseres Körpers. Wenn sie versagen, drohen schwere gesundheitliche Folgen, die letztlich in einer lebenslangen Dialysepflicht (Blutwäsche) oder der Notwendigkeit einer Nierentransplantation münden können. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft haben gerade Diabetiker ein extrem hohes Risiko, eine chronische Niereninsuffizienz zu entwickeln.
Moderne Therapien können den Verfall stoppen
Das Fatale an der chronischen Nierenkrankheit ist ihre Unsichtbarkeit in den ersten Jahren. Doch genau hier liegt auch die größte Chance: Wird die nachlassende Nierenfunktion frühzeitig durch spezifische Blut- und Urintests (wie die Bestimmung der eGFR und der Albumin-Kreatinin-Ratio) erkannt, stehen heutzutage hochwirksame Medikamente zur Verfügung. Moderne Wirkstoffe, wie beispielsweise SGLT2-Hemmer, können das Fortschreiten der Krankheit massiv verlangsamen oder sogar komplett stoppen.
Ein Appell an die Prävention
Für die medizinischen Fachgesellschaften ist die Sachlage klar: Ein gezieltes Nierenscreening ist nicht nur medizinisch geboten, um unzählige Leben zu retten und Leid zu ersparen, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Die Kosten für ein einfaches, aber gezieltes Screening bei Risikopatienten stehen in keinem Verhältnis zu den enormen Summen, die das Gesundheitssystem für jahrelange Dialysebehandlungen aufbringen muss. Prävention, so die klare Botschaft der Ärzte, darf nicht kurzfristigen Sparmaßnahmen zum Opfer fallen.
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