Gesunder Alltag statt teurer Tests: Experten fordern Umdenken in der Prävention

Dominik Hübenthal
Experten warnen: Gesunder Alltag statt teurer Screenings

Die Debatte um die Zukunft der Gesundheitsvorsorge in Deutschland nimmt eine neue Wendung. Anstatt immer mehr medizinische Früherkennungsmaßnahmen und Screenings anzubieten, fordern führende Gesundheitsexperten ein grundlegendes Umdenken: Die Gestaltung gesünderer Lebenswelten im Alltag soll Vorrang vor teuren, oftmals ineffizienten Tests haben.

Warnung vor der Kostenfalle durch neue Screenings

In der aktuellen Diskussion um die Stärkung der Prävention wird zunehmend Kritik am unbegrenzten Ausbau von Früherkennungsuntersuchungen laut. Gisela Nellessen-Martens, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG), warnt eindringlich vor einem vorschnellen Ausbau dieser Angebote. Laut der Expertin könnten im Bereich der Screenings enorme Kosten auf das ohnehin stark belastete Gesundheitssystem zukommen.

Ein zentrales Problem sei der wirtschaftliche Druck: Viele Anbieter drängen derzeit massiv darauf, ihre neu entwickelten Instrumente und Biomarker in die Regelversorgung der Krankenkassen zu integrieren. Dieser Trend zur Überdiagnostik müsse kritisch hinterfragt und möglichst vermieden werden.

Nutzen von Früherkennungen auf dem Prüfstand

Rückendeckung erhält diese Position von ärztlichen Vertretungen. Susanne Johna, Erste Vorsitzende des Marburger Bundes, betont, dass medizinische Tests einen klaren Mehrwert beweisen müssen. Wenn ein Screening – wie kürzlich am Beispiel der Hautkrebsfrüherkennung für symptomlose Gesunde ab 35 Jahren von der Finanzkommission Gesundheit (FKG) diskutiert – keinen signifikanten Nutzen für die breite Bevölkerung bringt, sollten dafür auch keine Beitragsgelder ausgegeben werden.

Die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, insbesondere der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), seien hier gefordert, die Angebote strenger zu evaluieren. Die Experten erhoffen sich baldige Klarheit durch den kommenden Bericht der Finanzkommission, der bis zum Jahresende erwartet wird und weitreichende Strukturreformen für die gesetzliche Krankenversicherung aufzeigen soll.

Gesunder Alltag statt medizinischer Tests

Doch wie sieht eine effektive Alternative aus? Die Antwort der Fachleute lautet: Verhältnisprävention. Anstatt gesunde Menschen zunehmend zu medikalisieren, müssen die alltäglichen Lebensverhältnisse so gestaltet werden, dass sie die Gesundheit automatisch fördern.

  • Leichtere Entscheidungen: Die gesunde Wahl beim Einkaufen oder in der Kantine muss für die Verbraucher die einfachste und attraktivste Option werden.
  • Bewegungsfördernde Umgebungen: Städte, Schulen und Arbeitsplätze sollen so konzipiert sein, dass Bewegung auf natürliche Weise in den Alltag integriert wird.
  • Stressreduktion: Bessere Arbeitsbedingungen und soziale Unterstützungssysteme sollen psychischen sowie chronischen Erkrankungen gezielt vorbeugen.

Zuckersteuer und Co.: Finanzierung der neuen Prävention

Um diese ehrgeizigen Ziele zu finanzieren und gleichzeitig ungesundes Verhalten einzudämmen, sprechen sich die Experten für die Einführung sogenannter Lenkungssteuern aus. Konkret geht es um Abgaben auf Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltige Produkte.

Die Forderung der Ärzteschaft ist dabei unmissverständlich: Die Einnahmen aus diesen Steuern dürfen nicht im allgemeinen Bundeshaushalt versickern, sondern müssen eins zu eins in konkrete Präventionsprojekte fließen. Angesichts des enormen finanziellen Drucks im Gesundheitssystem wächst auch im politischen Raum allmählich die Bereitschaft, über den eigenen Schatten zu springen und derartige Maßnahmen umzusetzen.

Der Weg zu einer gesünderen Gesellschaft führt demnach nicht zwingend über mehr Arztbesuche und Labortests, sondern über einen Alltag, der uns ganz natürlich dabei unterstützt, gesund zu bleiben.

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