TI-Score: Gematik fordert Pflicht-Check für Praxissoftware

Djamal Sadaghiani
TI-Score: Gematik plant verpflichtende Einbindung für PVS-Hersteller

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen hakt oft an einer entscheidenden Stelle: der Software in den Arztpraxen. Wenn das E-Rezept klemmt oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) nicht übermittelt wird, liegt das häufig an unzureichend integrierten Praxisverwaltungssystemen (PVS). Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, führte die Gematik den sogenannten TI-Score ein. Doch dieser basiert bislang lediglich auf Freiwilligkeit – ein Umstand, der sich nach dem Willen der Gematik-Führung bald ändern soll.

Schluss mit der freiwilligen Selbstauskunft

Bislang können Software-Hersteller selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie Daten für den TI-Score bereitstellen. Das Bewertungssystem soll Ärzten und medizinischem Fachpersonal eigentlich auf einen Blick zeigen, wie praxistauglich ein PVS die Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI) in den Arbeitsalltag integriert. Brenya Adjei, Mitglied der Geschäftsführung der Gematik, hat sich nun für eine deutlich strengere Gangart ausgesprochen. Sie brachte eine verpflichtende Einbindung der PVS-Hersteller ins Spiel, um die Aussagekraft und Verlässlichkeit des Scores massiv zu erhöhen.

Warum der TI-Score so wichtig ist

Für niedergelassene Ärzte, Pflegekräfte und Praxisteams ist die Wahl der richtigen Software essenziell. Ein reibungsloser Ablauf spart nicht nur wertvolle Zeit am Patienten, sondern schont auch die Nerven des Personals. Der TI-Score misst unter anderem die nutzerfreundliche Umsetzung folgender digitaler Anwendungen:

  • E-Rezept: Schnelle und fehlerfreie Ausstellung von digitalen Verordnungen.
  • eAU: Zuverlässige und sekundenschnelle Übermittlung von Krankmeldungen an die Krankenkassen.
  • ePA (elektronische Patientenakte): Einfacher Zugriff und unkompliziertes Hochladen von Befunden in den Praxisalltag integriert.
  • eArztbrief: Sicherer und strukturierter Austausch von Patientendaten zwischen Fachkollegen.

Mehr Druck auf die Software-Industrie

Derzeit gerät die Digitalisierungsstrategie immer wieder in die Kritik, weil der Fortschritt in der Praxis oft an technischen Hürden und schwerfälligen Benutzeroberflächen scheitert. Wenn die Selbstauskünfte der Hersteller jedoch unvollständig oder im besten Licht dargestellt sind, verfehlt der TI-Score seinen Zweck als neutraler Wegweiser. Eine Verpflichtung würde bedeuten, dass sich PVS-Anbieter einem objektiven, transparenten und für alle sichtbaren Vergleich stellen müssen. Laut Branchenexperten könnte dieser Schritt den Wettbewerb beleben und den Druck auf die Entwickler drastisch erhöhen, nutzerfreundlichere und stabilere Systeme auf den Markt zu bringen.

Ausblick: Ein Gewinn für den Praxisalltag?

Sollte die verpflichtende Einbindung tatsächlich kommen, wäre dies ein starkes Signal an die medizinischen Leistungserbringer. Es würde zeigen, dass die Gematik die Sorgen der Praxen und Pflegeeinrichtungen ernst nimmt und die Verantwortung für funktionierende Technik stärker bei den Herstellern einfordert. Bis es so weit ist und entsprechende gesetzliche oder vertragliche Regelungen greifen, bleibt den Praxisteams vorerst nur, sich bei der Software-Wahl auf die bestehenden, freiwilligen Angaben des TI-Scores zu stützen – und auf die wertvollen Erfahrungswerte von Kollegen zu vertrauen.

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