Tödliche Gehirnentzündung: Erster Borna-Virus-Todesfall in Oberbayern
Ein tragischer Vorfall rückt eine fast vergessene, aber hochgefährliche Infektionskrankheit in den Fokus: In Bayern ist erneut ein Mensch an den Folgen des Borna-Virus gestorben. Laut den zuständigen Gesundheitsbehörden handelt es sich um den ersten nachgewiesenen Fall des Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die tückische Krankheit, die schwere Gehirnentzündungen auslöst, endet fast immer tödlich.
Diagnose erst nach dem Tod
Die Bestätigung der Infektion erfolgte erst spät. Wie das Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen mitteilte, konnte das Virus bei der betroffenen Person erst im Rahmen einer Obduktion nach dem Tod zweifelsfrei nachgewiesen werden. Details zur Identität des Opfers oder zum genauen Krankheitsverlauf hält die Behörde aus Rücksicht auf die Angehörigen unter Verschluss.
Fest steht jedoch: Das zuständige Gesundheitsamt sieht aktuell keine akute Gefahr für die breite Bevölkerung in der Region. Da das Virus nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen nicht erforderlich.
Die Feldspitzmaus als unsichtbare Gefahr
Doch wie infiziert man sich überhaupt mit dem Borna-Virus? Als natürliches Reservoir für den Erreger gilt die Feldspitzmaus. Die Tiere selbst erkranken nicht an dem Virus, scheiden es jedoch über ihren Kot, Urin und Speichel aus.
Kommt der Mensch mit diesen infektiösen Ausscheidungen in Kontakt – beispielsweise durch das Einatmen von aufgewirbeltem, kontaminiertem Staub in Schuppen, Garagen oder bei der Gartenarbeit –, kann das Virus in den Atemtrakt und den Körper gelangen. Die genauen Übertragungswege sind in der Wissenschaft zwar noch nicht bis ins letzte Detail entschlüsselt, doch der Kontakt mit den Ausscheidungen der Spitzmaus gilt als gesichertes Hauptrisiko.
Selten, aber extrem gefährlich
Deutschlandweit ist das Borna-Virus eine absolute Rarität, doch seine Folgen sind verheerend. Seit der Einführung der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2020 werden dem Robert Koch-Institut jährlich bis zu sieben akute Fälle gemeldet. Bislang wurden in der Bundesrepublik etwas mehr als 60 Infektionen registriert – der überwiegende Großteil davon in Bayern.
Wenn das Virus zuschlägt, verursacht es eine schwere Enzephalitis (Gehirnentzündung). Die Symptome beginnen oft unspezifisch mit Kopfschmerzen, Fieber und allgemeiner Abgeschlagenheit, bevor neurologische Ausfälle, Verwirrtheit und schließlich das Koma eintreten. Eine spezifische, heilende Therapie gibt es für die Erkrankung bislang nicht.
So schützen Sie sich im Alltag
Obwohl das Risiko einer Ansteckung statistisch gesehen äußerst gering ist, raten Experten zu einfachen, aber effektiven Vorsichtsmaßnahmen – insbesondere in ländlichen Gebieten:
- Vorsicht bei toten Tieren: Fassen Sie lebende oder tote Spitzmäuse niemals mit bloßen Händen an.
- Schutzausrüstung tragen: Wenn Sie einen Kadaver entsorgen oder potenziell kontaminierte Räume (wie alte Schuppen) auskehren, tragen Sie zu Ihrem eigenen Schutz unbedingt Gummihandschuhe und eine FFP2-Maske.
- Staub vermeiden: Sprühen Sie tote Tiere vor der Entsorgung mit Desinfektionsmittel ein und befeuchten Sie staubige Böden vor dem Kehren, um das Aufwirbeln von Partikeln zu verhindern.
- Sichere Entsorgung: Entsorgen Sie Tierkadaver stets in einer fest verschlossenen Plastiktüte über den Hausmüll.
- Nahrungsquellen entziehen: Lassen Sie Tierfutter nicht offen stehen und entsorgen Sie organische Abfälle so, dass sie keine Mäuse anlocken.
Auch wenn Panik unangebracht ist, zeigt der aktuelle Fall deutlich: Ein Bewusstsein für die unsichtbare Gefahr durch das Borna-Virus und das Einhalten grundlegender Hygieneregeln können im Ernstfall Leben retten.
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