Urologen warnen: Warum PSA-Selbsttests für zu Hause gefährlich sein können

Benedikt Hübenthal
Prostatakrebs: Urologen warnen vor PSA-Selbsttests für zu Hause

In den letzten Jahren erfreuen sich medizinische Selbsttests für den Heimgebrauch einer wachsenden Beliebtheit. Ob Vitaminspiegel, Allergien oder Blutzucker – die Versprechungen der Hersteller klingen verlockend: schnelle Ergebnisse bequem vom heimischen Sofa aus. Doch bei der Früherkennung von Prostatakrebs schlagen Experten nun Alarm. Der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) rät eindringlich davon ab, sogenannte PSA-Selbsttests auf eigene Faust durchzuführen.

Warum Urologen von den Heimtests abraten

Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das von der Prostata gebildet wird. Ein erhöhter Wert im Blut kann ein Hinweis auf Prostatakrebs sein, aber auch harmlose Ursachen wie eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata haben. Genau hier liegt das Problem der mobilen Selbsttests: Sie liefern lediglich einen isolierten Wert ohne den notwendigen medizinischen Kontext.

Laut dem Berufsverband der Deutschen Urologie erzeugen diese Tests im Zweifel mehr Verunsicherung als einen echten medizinischen Nutzen. Ein falsch-positives Ergebnis – also ein erhöhter Wert ohne Vorliegen einer Krebserkrankung – kann bei den Betroffenen immense und völlig unnötige Ängste auslösen. Oft folgen daraufhin überstürzte und teils belastende Folgeuntersuchungen, die bei einer fachärztlichen Einordnung möglicherweise vermieden worden wären.

Die Gefahr der trügerischen Sicherheit

Auf der anderen Seite bergen unauffällige Testergebnisse ein ebenso großes Risiko. Ein normaler PSA-Wert schließt einen Prostatakrebs nicht zu einhundert Prozent aus. Männer könnten sich durch einen solchen Befund in falscher Sicherheit wiegen und den wichtigen, regelmäßigen Gang zum Facharzt aufschieben oder ganz absagen. Eine gefährliche Entwicklung, denn Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland und verläuft im Frühstadium oft völlig symptomlos.

Was Männer bei der Vorsorge stattdessen beachten sollten

Die urologischen Fachverbände betonen, dass eine seriöse Krebsfrüherkennung stets in die Hände eines Arztes gehört. Folgende Punkte sind für eine effektive Vorsorge entscheidend:

  • Ganzheitliche Beurteilung: Ein Urologe ordnet den PSA-Wert im Zusammenhang mit dem Alter, der familiären Vorbelastung und der Größe der Prostata richtig ein.
  • Tastuntersuchung: Die rektale Tastuntersuchung bleibt ein essenzieller Bestandteil der Früherkennung, den kein Bluttest der Welt ersetzen kann.
  • Regelmäßigkeit: Männer sollten ab dem 45. Lebensjahr die jährliche gesetzliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung wahrnehmen.
  • Aufklärung: Vor der Bestimmung des PSA-Wertes sollte immer ein ausführliches Beratungsgespräch über die Vor- und Nachteile stattfinden.

Fazit: Auch wenn die moderne Medizin immer mehr Möglichkeiten für die Selbstdiagnostik bietet, ist bei der Prostatakrebsfrüherkennung absolute Vorsicht geboten. Der schnelle Test aus dem Internet oder der Apotheke kann die Expertise, Erfahrung und umfassende Untersuchung durch einen qualifizierten Urologen nicht ersetzen. Wer Gewissheit über seine Gesundheit haben möchte, sollte daher den direkten Weg in die Facharztpraxis wählen.

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