Hörgerätepflege leicht gemacht: Der ultimative Ratgeber für saubere Hörgeräte

Hörgerätepflege leicht gemacht: Der ultimative Ratgeber für saubere Hörgeräte

Ein Hörgerät ist ein kleines technisches Wunderwerk, das Ihnen oder Ihren angehörigen Senioren ein aktives, kommunikatives und sicheres Leben ermöglicht. Doch diese hochsensiblen Mikrosysteme sind im Alltag enormen Belastungen ausgesetzt. Sie sitzen stundenlang im Gehörgang oder hinter der Ohrmuschel und sind dabei Körperwärme, Schweiß, Hautschuppen, feinem Staub und vor allem dem natürlichen Ohrenschmalz ausgesetzt. Ohne die richtige und regelmäßige Pflege verlieren Hörgeräte schnell an Leistung, klingen dumpf, fallen aus oder gehen im schlimmsten Fall komplett kaputt. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie als Hörgeräteträger oder als pflegender Angehöriger alles, was Sie über die tägliche, wöchentliche und monatliche Pflege wissen müssen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie verschiedene Hörgeräte-Arten richtig reinigen, welche Hilfsmittel Sie wirklich benötigen, wie Sie häufige Fehler vermeiden und welche Kosten für Wartung und Reparaturen von den Krankenkassen in Deutschland übernommen werden.

Warum die regelmäßige Hörgerätepflege so unverzichtbar ist

Viele Menschen unterschätzen, wie stark die Umgebung, in der ein Hörgerät arbeitet, die Technik beansprucht. Der menschliche Gehörgang ist dunkel, feucht und warm – ein ideales Klima für Bakterien, aber ein feindliches Umfeld für empfindliche Elektronik. Die konsequente Hörgerätepflege erfüllt daher gleich mehrere kritische Funktionen auf einmal. Erstens sichern Sie durch die Pflege die

. Schon kleinste Mengen an Ohrenschmalz, in der medizinischen Fachsprache als

bezeichnet, können die winzigen Schallaustrittsöffnungen oder die Mikrofoneingänge verstopfen. Die Folge: Das Gerät wird leiser, der Klang verzerrt sich, oder es kommt zu einem unangenehmen Pfeifen, der sogenannten

. Zweitens verlängern Sie die

des Geräts erheblich. Ein modernes Hörgerät kostet oft zwischen

und

pro Ohr. Feuchtigkeit in Form von Schweiß oder Kondenswasser kann im Inneren des Gehäuses zu Korrosion an den Batterie-Kontakten oder der Platine führen. Wer sein Gerät täglich trocknet und reinigt, stellt sicher, dass es die von den Krankenkassen vorgesehene Nutzungsdauer von mindestens

problemlos übersteht. Oftmals halten gut gepflegte Geräte sogar

. Drittens dient die Reinigung Ihrer

. Ein verunreinigtes Hörgerät, das täglich wieder in das Ohr eingesetzt wird, kann Bakterien und Pilze in den Gehörgang transportieren. Dies führt bei vielen Senioren zu schmerzhaften Gehörgangsentzündungen, Juckreiz oder Ekzemen. Eine einwandfreie Hygiene schützt somit direkt Ihre Ohren.

Nahaufnahme von drei verschiedenen, sauberen Hörgeräten auf einem weißen Holztisch: ein Hinter-dem-Ohr-Gerät, ein RIC-Gerät und ein kleines In-dem-Ohr-Gerät. Hochwertige Makroaufnahme, hell und steril.

Verschiedene Hörgerätemodelle erfordern jeweils eine ganz spezielle Pflegeroutine.

Die verschiedenen Hörgeräte-Arten und ihre Besonderheiten bei der Pflege

Bevor Sie mit der Reinigung beginnen, ist es wichtig zu wissen, welchen Hörgerätetyp Sie vor sich haben. Die Bauweise bestimmt maßgeblich, welche Teile wie gereinigt werden dürfen. Grundsätzlich unterscheiden Hörakustiker drei Hauptkategorien:

Bei dieser robusten und häufig genutzten Bauform sitzt die eigentliche Technik (Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher und Batterie) in einem Gehäuse hinter der Ohrmuschel. Der Schall wird durch einen hohlen Plastikschlauch (den

) in ein maßgefertigtes Ohrpassstück, die sogenannte

, geleitet. Der große Vorteil bei der Pflege: Sie können den Schlauch und die Otoplastik komplett vom elektronischen Gerät trennen und sogar mit Wasser reinigen.

Die Abkürzung RIC steht für

. Hier sitzt das Gehäuse ebenfalls hinter dem Ohr, aber der Lautsprecher (der

) ist ausgelagert und sitzt direkt im Gehörgang. Verbunden sind beide Teile durch ein extrem dünnes Kabel. Diese Geräte sind kosmetisch sehr unauffällig und klingen hervorragend, erfordern aber höchste Vorsicht bei der Pflege. Der Hörer im Ohr enthält sensible Elektronik und darf

mit Wasser in Berührung kommen. Er wird meist durch ein kleines Silikonschirmchen (

) und einen winzigen Filter geschützt.

Bei diesen Modellen ist die gesamte Technik in eine maßgefertigte Schale eingebaut, die komplett im Gehörgang oder in der Ohrmuschel verschwindet. Da hier die gesamte Elektronik direkt im feuchten Gehörgang sitzt, sind IdO-Geräte besonders anfällig für

und Feuchtigkeit. Eine extrem penible, tägliche Pflege ist hier absolute Pflicht, um Ausfälle zu vermeiden.

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Die Grundausstattung: Diese Hilfsmittel benötigen Sie für die Pflege

Für eine fachgerechte Reinigung benötigen Sie keine teuren Spezialmaschinen, aber eine solide Grundausstattung, die Sie bei Ihrem Hörakustiker, in Apotheken oder im medizinischen Fachhandel erwerben können. Folgende Utensilien sollten in keinem Haushalt eines Hörgeräteträgers fehlen:

  • Weiches, fusselfreies Mikrofasertuch: Für die tägliche äußere Reinigung der Gehäuse.

  • Reinigungsbürstchen: Ein kleines Pinselchen, oft mit einem Magneten für den Batteriewechsel am anderen Ende, um Staub und getrocknetes Ohrenschmalz abzubürsten.

  • Cerumenfilter: Winzige Siebe, die den Lautsprecher vor Ohrenschmalz schützen (besonders wichtig bei RIC- und IdO-Geräten). Diese müssen regelmäßig ausgetauscht werden.

  • Reinigungstabletten oder Reinigungsflüssigkeit: Speziell für die Nassreinigung von Otoplastiken (nur für klassische HdO-Geräte).

  • Reinigungsbecher mit Siebeinsatz: Um die Otoplastik in der Reinigungsflüssigkeit baden zu können.

  • Puster (Blasebalg): Ein kleiner Gummiball mit Metallspitze, um Wassertropfen nach der Reinigung aus dem Schallschlauch zu blasen.

  • Trockensystem: Entweder eine einfache Trockendose mit feuchtigkeitsabsorbierenden Trockenkapseln (meist orange, die sich bei Sättigung weiß verfärben) oder eine elektrische Trockenbox.

  • Reinigungsfaden (Cerumenöse): Ein feiner Draht, um verstopfte Belüftungsbohrungen (Ventings) in der Otoplastik freizumachen.

Eine geöffnete, moderne elektrische Trockenbox für Hörgeräte auf einem Nachttisch, in der ein sauberes Hörgerät liegt. Ein sanftes blaues UV-Licht leuchtet im Inneren. Ruhige Abendstimmung im Schlafzimmer.

Eine Trockenbox schützt die empfindliche Elektronik zuverlässig vor Feuchtigkeit.

Die tägliche Reinigungsroutine: Ein Leitfaden für jeden Tag

Die tägliche Pflege sollte zu einem festen Ritual werden, ähnlich wie das Zähneputzen. Der beste Zeitpunkt für die Reinigung ist der

, direkt nachdem Sie die Geräte aus den Ohren genommen haben. Zu diesem Zeitpunkt ist das Ohrenschmalz noch weich und lässt sich leicht abwischen, und die Geräte haben über Nacht genügend Zeit, um vollständig zu trocknen.

Bevor Sie Ihr Hörgerät berühren, waschen Sie sich gründlich die Hände und trocknen Sie diese vollständig ab. Schmutz, Fett oder Cremereste von den Händen sollten nicht auf die Mikrofone gelangen.

Nehmen Sie das trockene, fusselfreie Mikrofasertuch und wischen Sie das gesamte Gehäuse des Hörgeräts sowie das Ohrpassstück oder den Silikonschirm sanft ab. Entfernen Sie sichtbare Spuren von Schweiß, Hautfett und Ohrenschmalz. Verwenden Sie hierbei

Wasser, Spülmittel, Alkohol oder scharfe Haushaltsreiniger. Diese können die spezielle wasserabweisende Nanobeschichtung des Gehäuses zerstören.

Nutzen Sie das kleine Reinigungsbürstchen, um vorsichtig über die Mikrofoneingänge (meist kleine Schlitze am Gehäuse) zu streichen. Bürsten Sie immer von oben nach unten, damit der gelöste Schmutz herausfällt und nicht tiefer in das Gerät hineingedrückt wird. Kontrollieren Sie bei RIC- oder IdO-Geräten den Schallaustritt. Wenn der weiße

durch gelbliches Ohrenschmalz verstopft aussieht, wischen Sie ihn vorsichtig ab.

Wenn Sie ein Gerät mit herkömmlichen Einwegbatterien nutzen, öffnen Sie das Batteriefach vollständig. Dies hat zwei entscheidende Vorteile: Erstens wird das Gerät ausgeschaltet, was Batteriestrom spart. Zweitens kann so die Luft im Inneren des Geräts zirkulieren, und über den Tag angesammelte Feuchtigkeit kann entweichen.

Legen Sie das geöffnete Hörgerät (oder das ausgeschaltete Akku-Hörgerät) in Ihr Trockensystem. Feuchtigkeit ist der Feind Nummer eins für die empfindlichen Mikrochips. Wenn Sie eine Trockendose mit Kapseln verwenden, verschließen Sie den Deckel gut. Nutzen Sie eine elektrische Trockenbox, schalten Sie das Programm ein. Diese Boxen erwärmen das Gerät schonend auf etwa

und entziehen ihm die Feuchtigkeit. Viele moderne Boxen verfügen zudem über ein UV-C-Licht, das in den ersten Minuten der Trocknung

aller Bakterien und Keime auf der Oberfläche abtötet – ein enormer Vorteil für die Ohrenhygiene.

Die wöchentliche Intensivpflege: Gründlichkeit zahlt sich aus

Einmal in der Woche sollten Sie sich etwas mehr Zeit nehmen, um eine tiefere Reinigung durchzuführen. Das genaue Vorgehen hängt hierbei stark von Ihrem Hörgerätetyp ab.

Bei dieser Bauform können Sie das Ohrpassstück (die

) nass reinigen. 1. Trennen Sie den weichen Schallschlauch vorsichtig vom harten Winkel des Hörgeräts. Das elektronische Hörgerät legen Sie sicher beiseite – es darf nicht nass werden! 2. Legen Sie die Otoplastik samt Schlauch in den Reinigungsbecher. 3. Füllen Sie lauwarmes Wasser ein und geben Sie eine spezielle Reinigungstablette hinzu. Diese Tabletten enthalten aktiven Sauerstoff, der hartnäckiges Ohrenschmalz und Bakterien löst. 4. Lassen Sie das Passstück für etwa

im Sprudelbad (beachten Sie die Anleitung der Tabletten). 5. Nehmen Sie die Otoplastik heraus und spülen Sie sie unter klarem, fließendem Wasser gründlich ab. 6. Trocknen Sie das Passstück von außen mit einem Tuch. 7. Nun kommt der wichtigste Schritt: Im Inneren des Schallschlauchs befinden sich jetzt Wassertropfen. Würden Sie das Gerät nun wieder zusammenbauen, würde der Wassertropfen den Schall blockieren, und das Gerät wäre stumm. Setzen Sie die Spitze des

(Blasebalg) an das Ende des Schlauchs und pumpen Sie mehrmals kräftig, bis alle Feuchtigkeit aus dem Schlauch und den Bohrungen der Otoplastik geblasen ist. 8. Lassen Sie die Otoplastik am besten noch einige Stunden an der Luft nachtrocknen, bevor Sie sie wieder mit dem Hörgerät verbinden.

Da hier Elektronik im Ohr sitzt, ist ein Wasserbad strengstens verboten. 1. Ziehen Sie das weiche Silikonschirmchen (den

) vorsichtig vom Hörer ab. Den Dome können Sie mit einem feuchten Tuch reinigen oder unter Wasser abspülen – er muss aber vor dem Wiederaufsetzen absolut trocken sein. 2. Kontrollieren Sie den

, der nun freiliegt. Dies ist ein winziges, meist weißes Sieb. Wenn es verstopft ist, muss es gewechselt werden. 3. Nehmen Sie Ihr Filter-Wechselwerkzeug (meist kleine schwarze Stäbchen). Auf der einen Seite befindet sich ein leerer Dorn, auf der anderen Seite ein neuer Filter. 4. Drücken Sie den leeren Dorn gerade in den alten Filter im Hörer und ziehen Sie ihn heraus. 5. Drehen Sie das Werkzeug um und drücken Sie den neuen Filter sanft in die Öffnung. 6. Setzen Sie den gereinigten und trockenen Dome wieder fest auf den Hörer. Achten Sie darauf, dass er sicher einrastet, damit er nicht im Gehörgang stecken bleibt.

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Moderne Akku-Hörgeräte lassen sich besonders einfach und unkompliziert aufladen.

Batterien und Akkus: Die Energiequelle richtig warten

Die Stromversorgung ist das Herzstück Ihres Hörgeräts. In den letzten Jahren haben sich wiederaufladbare Lithium-Ionen-Akkus stark durchgesetzt, dennoch nutzen viele Senioren weiterhin bewährte

(meist in den Größen 10, 312, 13 oder 675).

Diese Batterien sind mit einem kleinen farbigen Aufkleber versiegelt. Erst wenn Sie diesen Aufkleber abziehen, dringt Sauerstoff durch winzige Löcher in die Batterie ein und setzt die chemische Reaktion in Gang, die den Strom erzeugt. Ein häufiger Fehler: Viele Nutzer ziehen den Aufkleber ab und legen die Batterie sofort in das Gerät. Das führt oft dazu, dass die Batterie nicht ihre volle Leistung erreicht. Warten Sie nach dem Abziehen des Aufklebers unbedingt

, bevor Sie das Batteriefach schließen. So kann die Batterie "atmen" und ihre maximale Spannung aufbauen. Lagern Sie Ersatzbatterien bei normaler Raumtemperatur. Der Kühlschrank ist ein schlechter Ort, da sich dort Kondenswasser bilden kann, welches die Batterien zerstört. Achten Sie auch darauf, dass Batterien nicht lose in der Hosentasche mit Münzen oder Schlüsseln transportiert werden, da dies zu einem Kurzschluss führen kann.

Akku-Geräte sind besonders für Senioren mit eingeschränkter Feinmotorik ein Segen, da der fummelige Batteriewechsel entfällt. Die Pflege der Akkus beschränkt sich auf das Reinigen der Ladekontakte. Wischen Sie die kleinen Metallkontakte am Hörgerät und in der Ladestation einmal pro Woche mit einem trockenen Tuch ab. Staub oder Fett können hier den Ladevorgang behindern. Wenn Sie Ihre Akku-Geräte für längere Zeit (z.B. mehrere Wochen) nicht nutzen, lagern Sie sie nicht in der Ladestation, wenn diese am Stromnetz angeschlossen ist, da ständiges Überladen die Lebensdauer des Lithium-Ionen-Akkus verringern kann.

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Häufige Fehler: Was Sie bei der Hörgerätepflege unbedingt vermeiden sollten

Trotz bester Absichten werden bei der Pflege oft Fehler gemacht, die zu teuren Reparaturen führen können. Vermeiden Sie zwingend die folgenden Dinge:

  1. Verwendung von Haushaltschemikalien: Glasreiniger, Spülmittel, Alkohol oder Desinfektionsmittel haben am elektronischen Teil des Hörgeräts nichts zu suchen. Sie greifen den Kunststoff an und zerstören Schutzlacke.

  2. Ultraschallbäder für die Elektronik: Ein Ultraschallbad ist hervorragend geeignet, um eine reine Kunststoff-Otoplastik zu reinigen. Legen Sie aber niemals das eigentliche Hörgerät hinein. Die hochfrequenten Schwingungen zerstören die filigranen Mikrofone und Lautsprecher sofort.

  3. Hitzequellen zum Trocknen: Legen Sie ein feuchtes Hörgerät niemals auf die Heizung, in die pralle Sonne, in den Backofen oder in die Mikrowelle. Nutzen Sie auch keinen Föhn. Extreme Hitze schmilzt den Kunststoff und beschädigt die Batterie. Nutzen Sie ausschließlich spezielle Trockenboxen.

  4. Haarspray und Parfüm: Setzen Sie Ihre Hörgeräte immer erst ein, nachdem Sie Haarspray, Parfüm, Rasierwasser oder Sonnenscreme aufgetragen haben. Die feinen klebrigen Tröpfchen von Haarspray verstopfen die Mikrofoneingänge unwiderruflich.

  5. Wasser beim Duschen oder Schwimmen: Auch wenn einige moderne Geräte als "wasserresistent" beworben werden (oft mit IP68-Zertifizierung), sind sie nicht zum Schwimmen, Duschen oder für die Sauna gemacht. Wasserdampf und Seife dringen durch die kleinsten Ritzen ein.

Fehlersuche: Was tun, wenn das Hörgerät streikt?

Es kommt vor, dass das Hörgerät trotz Pflege plötzlich nicht mehr funktioniert. Bevor Sie den Weg zum Hörakustiker antreten, können Sie einige grundlegende Dinge selbst prüfen. Diese Checkliste spart oft Zeit und Nerven:

  • Ist das Gerät eingeschaltet? (Batteriefach komplett geschlossen / Akku per Knopfdruck aktiviert?)

  • Ist die Batterie leer? Tauschen Sie die Batterie gegen eine garantiert neue aus (denken Sie an die 2 Minuten Wartezeit nach dem Abziehen des Aufklebers). Bei Akku-Geräten: Leuchtet die Lade-LED in der Station korrekt?

  • Ist der Schallaustritt verstopft? Kontrollieren Sie den Cerumenfilter oder das Ende der Otoplastik auf Ohrenschmalz.

  • Befindet sich ein Wassertropfen im Schallschlauch? Nutzen Sie den Puster, um den Schlauch freizublasen.

  • Oft ist ein teilweise verstopfter Filter oder ein verschmutztes Mikrofon die Ursache. Bürsten Sie die Mikrofone vorsichtig ab und wechseln Sie sicherheitshalber den Filter.

  • Ist der Schallschlauch verhärtet oder rissig? Schläuche aus weichem Kunststoff härten durch den Hautschweiß mit der Zeit aus (meist nach 3 bis 6 Monaten). Sie übertragen den Schall dann schlechter und müssen vom Akustiker gewechselt werden.

Ein Pfeifen entsteht, wenn der verstärkte Schall aus dem Gehörgang entweicht und wieder vom Mikrofon eingefangen wird.

  • Sitzt das Ohrpassstück richtig im Ohr? Drücken Sie es sanft nach.

  • Haben Sie extrem viel Ohrenschmalz im Gehörgang? Ein Pfropf im Ohr kann den Schall wie eine Wand reflektieren und nach draußen werfen. Hier hilft nur ein Besuch beim HNO-Arzt.

  • Ist der Schallschlauch gerissen? Durch kleine Risse entweicht Schall, was ebenfalls zum Pfeifen führt.

Ein freundlicher Hörakustiker im weißen Kittel sitzt in seinem hellen Fachgeschäft und prüft ein Hörgerät konzentriert mit einem speziellen kleinen Werkzeug. Professionelle und vertrauensvolle Atmosphäre.

Die regelmäßige professionelle Wartung beim Akustiker verlängert die Lebensdauer.

Die Rolle des Hörakustikers: Professionelle Wartung

Auch bei der besten häuslichen Pflege ersetzt nichts die professionelle Wartung durch einen Hörakustiker. Es wird dringend empfohlen, alle

einen Servicetermin zu vereinbaren. Diese Termine sind für Sie in der Regel kostenlos, da sie durch die Serviceverträge der Krankenkassen abgedeckt sind. Der Hörakustiker verfügt über spezielle Werkzeuge, die im Haushalt nicht verfügbar sind. Er nutzt eine Miniatur-Vakuumpumpe, um tief sitzenden Schmutz aus den Mikrofonen und Hörern abzusaugen. Er misst die elektroakustischen Daten des Geräts in einer Messbox, um sicherzustellen, dass die Verstärkung noch exakt Ihren Bedürfnissen entspricht. Zudem werden bei diesen Terminen Verschleißteile wie harte Schallschläuche, Filter und Domes routinemäßig ausgetauscht. Ein weiterer wichtiger Aspekt der professionellen Wartung sind Software-Updates. Moderne Hörgeräte sind kleine Computer. Die Hersteller veröffentlichen regelmäßig Updates, die die Signalverarbeitung verbessern, Bluetooth-Verbindungen stabilisieren oder die Akkulaufzeit optimieren. Der Akustiker spielt diese Updates während der Wartung auf Ihre Geräte.

Kosten und Kostenübernahme durch die Krankenkassen in Deutschland

Ein Thema, das besonders für Senioren und deren Angehörige von großer Bedeutung ist, sind die laufenden Kosten für Pflege und Reparatur von Hörgeräten. In Deutschland ist die Versorgung mit Hörgeräten durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) klar geregelt. Gemäß den Vorgaben des

und des

haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung mit Hörhilfen.

Wenn Sie sich für ein Hörgerät entscheiden, zahlt Ihre Krankenkasse nicht nur einen

für das Gerät selbst, sondern überweist dem Hörakustiker auch eine sogenannte

. Diese Pauschale deckt die Kosten für Standardreparaturen, Wartungsarbeiten, Arbeitszeit und Ersatzteile für einen Zeitraum von

ab. Das bedeutet für Sie: Wenn das Gerät aufgrund eines technischen Defekts oder normalen Verschleißes kaputtgeht, repariert der Akustiker dies in der Regel kostenfrei. Auch das Erneuern von normalen Schallschläuchen ist hierüber abgedeckt. Die Pauschale beläuft sich meist auf etwa

pro Ohr für den gesamten sechsjährigen Zeitraum und wird direkt zwischen Akustiker und Kasse abgerechnet.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass alltägliche Pflege- und Reinigungsmittel

von der Krankenkasse bezahlt werden. Dies sind sogenannte

. Dazu gehören:

  • Reinigungs- und Trockentabletten

  • Elektrische Trockenboxen

  • Ersatz-Cerumenfilter

  • Batterien (Ausnahme: Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren werden Batterien oft erstattet)

  • Pflegesprays und Reinigungstücher

Rechnen Sie für diese laufenden Pflegeprodukte mit Kosten von etwa

pro Jahr.

Wenn Sie sich für ein Premium-Hörgerät entschieden haben, das über den Festbetrag der Krankenkasse hinausgeht (also mit privater Zuzahlung), greift die Reparaturpauschale der Kasse ebenfalls. Allerdings deckt die Kasse nur die Reparaturkosten ab, die bei einem Basisgerät (Kassengerät) angefallen wären. Geht ein teures, zuzahlungspflichtiges Bauteil kaputt, kann der Akustiker Ihnen die Differenzkosten für die Reparatur in Rechnung stellen. Klären Sie dies immer vorab und fragen Sie nach speziellen Schutzbriefen oder Versicherungen für Premium-Hörgeräte.

Ohrenhygiene: Das Zusammenspiel von Ohr und Hörgerät

Die beste Hörgerätepflege nützt wenig, wenn die Ohrenhygiene vernachlässigt wird. Das Tragen eines Hörgeräts verändert das Mikroklima im Gehörgang. Da das Ohr durch das Passstück oder den Dome verschlossen wird, kann Feuchtigkeit schlechter verdunsten. Zudem regt der Fremdkörperreiz bei vielen Menschen die Produktion von Ohrenschmalz (

) an. Cerumen ist an sich nichts Schlechtes. Es ist ein natürliches Sekret, das den Gehörgang fettet, ihn vor dem Austrocknen schützt und Schmutz sowie Bakterien nach außen transportiert. Wenn dieser natürliche Abtransport durch das Hörgerät blockiert wird, kann sich das Schmalz stauen und einen Pfropf bilden.

  • Keine Wattestäbchen: Benutzen Sie niemals Wattestäbchen (Q-Tips), um Ihre Ohren zu reinigen. Sie schieben das Ohrenschmalz damit nur tiefer in den Gehörgang, pressen es vor das Trommelfell und riskieren zudem gefährliche Verletzungen.

  • Äußere Reinigung: Reinigen Sie Ihre Ohren nur so weit, wie Sie mit dem kleinen Finger oder einem feuchten Waschlappen kommen. Alles, was tiefer liegt, reinigt sich im Normalfall von selbst.

  • Regelmäßiger Arztbesuch: Gehen Sie als Hörgeräteträger alle 6 Monate zu einem HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt). Dieser kann den Gehörgang professionell inspizieren und eventuelle Cerumen-Pfropfen sanft absaugen oder ausspülen. Ein freier Gehörgang ist essenziell für den guten Klang Ihres Hörgeräts.

Pflegegrad berechnen
Wichtig

Ihren Anspruch auf Pflegeleistungen prüfen

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Eine fürsorgliche jüngere Frau hilft ihrem lächelnden Vater am Esstisch dabei, sein Hörgerät vorsichtig einzusetzen. Liebevolle und unterstützende Stimmung in einem gemütlichen Zuhause.

Angehörige können bei der täglichen Hörgerätepflege eine wertvolle Stütze sein.

Spezielle Tipps für pflegende Angehörige und Pflegekräfte

Für Senioren mit motorischen Einschränkungen (z.B. Arthrose in den Fingern), nachlassender Sehkraft oder kognitiven Einschränkungen wie Demenz, wird die filigrane Hörgerätepflege oft zu einer unüberwindbaren Hürde. Hier sind pflegende Angehörige oder ambulante Pflegedienste gefragt. Bei PflegeHelfer24 wissen wir: Gutes Hören ist für Senioren extrem wichtig, um nicht in die soziale Isolation zu rutschen und geistig fit zu bleiben. Studien zeigen, dass unbehandelter Hörverlust das Demenzrisiko signifikant erhöht. Wenn Sie einen Angehörigen mit beispielsweise

oder höher betreuen, integrieren Sie die Hörgerätepflege fest in die morgendliche und abendliche Pflegeroutine.

  • Der Stethoclip: Kaufen Sie sich einen sogenannten Stethoclip (ein einfaches Abhör-Stethoskop für Hörgeräte, ca. 10 bis 15 Euro). Damit können Sie als guthörender Angehöriger das Hörgerät des Seniors selbst abhören. Sie merken sofort, ob das Gerät rauscht, stumm ist oder die Batterie leer ist, ohne sich auf die oft ungenauen Aussagen von demenzkranken Senioren verlassen zu müssen.

  • Feste Plätze: Richten Sie einen festen, gut beleuchteten Platz für die Trockenbox ein, idealerweise nicht im feuchten Badezimmer, sondern auf dem Nachttisch im Schlafzimmer.

  • Unterstützung durch Alltagsbegleiter: Wussten Sie, dass Sie den monatlichen Entlastungsbetrag der Pflegekasse in Höhe von 125 Euro für anerkannte Alltagsbegleiter nutzen können? Diese Betreuungskräfte können Senioren hervorragend bei der täglichen Reinigung und Wartung der Hörgeräte unterstützen oder sie zum Hörakustiker begleiten.

  • Akkus statt Batterien: Wenn eine Neuversorgung ansteht, plädieren Sie bei motorisch eingeschränkten Senioren unbedingt für Akku-Hörgeräte. Das abendliche Einstecken in die Ladestation ist weitaus einfacher als der wöchentliche Wechsel winziger Batterien.

Hörgerätepflege unterwegs, auf Reisen und im Wechsel der Jahreszeiten

Hörgeräte begleiten Sie überall hin, doch verschiedene Umgebungen erfordern besondere Aufmerksamkeit.

Hohe Temperaturen lassen uns schwitzen. Schweiß ist aggressiv, da er Salze und Säuren enthält, die in das Hörgerät eindringen können. Wischen Sie an heißen Sommertagen Ihre Geräte auch zwischendurch einmal mit einem Taschentuch trocken. Wenn Sie in Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit reisen (Tropen, aber auch ans Meer), ist die Mitnahme der elektrischen Trockenbox unerlässlich. Denken Sie bei Auslandsreisen an einen passenden Steckdosen-Adapter für Ihre Trockenbox oder Ladestation. Vorsicht am Strand: Feiner Sand und salzige Meeresluft sind Gift für die Mikrofone. Nehmen Sie die Geräte am Strand besser heraus und bewahren Sie sie in einem stoßfesten, wasserdichten Etui auf.

In der kalten Jahreszeit entsteht ein physikalisches Problem: Kondenswasser. Wenn Sie bei Minusgraden spazieren gehen, kühlen die Geräte ab. Betreten Sie danach eine gut geheizte Wohnung, kondensiert die Luftfeuchtigkeit an und im Inneren des kalten Hörgeräts. Dies kann zu kurzzeitigen Ausfällen führen. Trocknen Sie die Geräte an kalten Wintertagen abends besonders gründlich. Tragen Sie draußen idealerweise eine Mütze oder ein Stirnband, um die Geräte vor extremer Kälte und Nässe durch Schnee zu schützen. Batterien entladen sich bei Kälte zudem schneller – haben Sie im Winter immer Ersatzbatterien in der warmen Innentasche Ihrer Jacke parat.

Ihre Checklisten für den Alltag

Um Ihnen die Übersicht zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Pflegeschritte in kompakten Checklisten für Sie zusammengefasst. Drucken Sie sich diese gerne aus oder legen Sie sie zu Ihren Pflegeutensilien.

  • Geräte aus dem Ohr nehmen und Hände waschen.

  • Gehäuse und Ohrpassstück mit einem trockenen Mikrofasertuch abwischen.

  • Batteriefach öffnen (bei Batterie-Geräten) oder Geräte ausschalten.

  • Geräte in die Trockenbox oder Trockendose legen.

  • Geräte aus der Trockenbox nehmen.

  • Mikrofoneingänge mit dem Bürstchen von oben nach unten abstreifen.

  • Sichtprüfung: Sind die Schallaustritte (Filter/Schlauch) frei von Ohrenschmalz?

  • Batteriefach schließen / Gerät einschalten und ins Ohr setzen.

  • Nur bei klassischen HdO-Geräten: Otoplastik vom Gerät trennen und im Wasserbad mit Reinigungstablette säubern, danach mit dem Puster komplett trocknen.

  • Bei RIC-Geräten: Domes reinigen, Cerumenfilter prüfen und bei Bedarf wechseln.

  • Bei Akku-Geräten: Ladekontakte am Gerät und in der Station mit einem trockenen Tuch abwischen.

  • Trockenkapseln prüfen (Sind sie bereits weiß/blass? Dann austauschen!).

  • Termin beim Hörakustiker zur professionellen Tiefenreinigung, Wartung und Software-Update vereinbaren.

  • Termin beim HNO-Arzt zur Kontrolle und Reinigung des Gehörgangs machen.

  • Schallschläuche beim Akustiker wechseln lassen (falls sie hart geworden sind).

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Die Hörgerätepflege ist keine lästige Pflicht, sondern der Schlüssel zu dauerhaft gutem Hören und zum Schutz Ihrer Investition. Denken Sie immer daran:

sind die größten Feinde der sensiblen Elektronik. Eine konsequente, tägliche Routine, die aus dem Abwischen der Geräte und der Trocknung über Nacht in einer speziellen Box besteht, verhindert die meisten Ausfälle und teuren Reparaturen. Achten Sie genau auf Ihren Hörgerätetyp: Während klassische Ohrpassstücke (Otoplastiken) in einem Wasserbad gereinigt werden dürfen, darf an externe Hörer (RIC) oder In-dem-Ohr-Geräte (IdO) niemals Wasser gelangen. Nutzen Sie ausschließlich spezielle Pflegeprodukte vom Fachhändler und vermeiden Sie Hausmittel, Alkohol oder extreme Hitze. Für pflegende Angehörige ist es essenziell, die Hörgerätepflege in den Alltag der Senioren zu integrieren, da ein funktionierendes Hörgerät maßgeblich zur Lebensqualität und geistigen Frische im Alter beiträgt. Nutzen Sie die gesetzlich verankerte Reparaturpauschale der Krankenkassen und besuchen Sie alle paar Monate Ihren Hörakustiker für eine professionelle Wartung. Mit diesen Maßnahmen stellen Sie sicher, dass Ihr Hörgerät Sie viele Jahre lang zuverlässig durch den Alltag begleitet.

Häufige Fragen zur Hörgerätepflege

Die wichtigsten Antworten auf einen Blick

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