Valproat bei Männern: EMA gibt keine Entwarnung für künftige Väter

Djamal Sadaghiani
Valproat bei Männern: Risiko bei Kinderwunsch bleibt unklar | PflegeHelfer24

Es ist ein Thema, das viele männliche Patienten verunsichert: Dürfen Männer, die das Medikament Valproat einnehmen, unbesorgt eine Familie gründen? Der Sicherheitsausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat sich nun erneut mit dieser brisanten Frage befasst. Das Ergebnis der neuesten Untersuchungen bringt jedoch nicht die erhoffte Klarheit – und vor allem keine Entwarnung.

Uneinheitliche Datenlage lässt Fragen offen

Im Zentrum der medizinischen Debatte steht die Frage, ob die Einnahme von Valproat durch den Vater das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen beim ungeborenen Kind erhöht. Zu diesen Störungen zählen unter anderem Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) sowie geistige Einschränkungen.

Laut dem aktuellen Bericht der EMA ist die Beweislage nach Auswertung neuer Daten jedoch stark uneinheitlich. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass eine ursächliche Rolle von Valproat für Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter das Medikament einnahmen, derzeit weder eindeutig belegt noch sicher ausgeschlossen werden kann. Die Unsicherheit in der Wissenschaft bleibt somit bestehen.

Strenge Vorsichtsmaßnahmen für Männer gelten weiterhin

Aufgrund dieser unsicheren Faktenlage rät die europäische Behörde dringend dazu, die bereits bestehenden Sicherheitsmaßnahmen aufrechtzuerhalten. Diese wurden Anfang 2024 eingeführt, nachdem eine skandinavische Studie erste Hinweise auf ein potenziell erhöhtes Risiko geliefert hatte, wenn Väter in den drei Monaten vor der Zeugung Valproat eingenommen hatten.

Für männliche Patienten bedeutet dies konkret:

  • Behandlung nur durch Spezialisten: Die Therapie mit Valproat sollte ausschließlich von Fachärzten für Neurologie oder Psychiatrie eingeleitet und überwacht werden.
  • Regelmäßige Überprüfung: Vor allem bei Männern mit Kinderwunsch muss ärztlich streng abgewogen werden, ob Valproat weiterhin die beste Therapieoption ist.
  • Aufklärung und Verhütung: Betroffene müssen umfassend über die potenziellen Risiken aufgeklärt werden und sollten während der Einnahme sowie drei Monate danach eine zuverlässige Empfängnisverhütung in Betracht ziehen.

Ein unverzichtbares, aber sensibles Medikament

Valproat ist ein hochwirksamer Arzneistoff, der vorrangig zur Behandlung von Epilepsie und bipolaren Störungen eingesetzt wird. In einigen europäischen Ländern wird er zudem zur Vorbeugung von schweren Migräneattacken verschrieben. Während die verheerenden Auswirkungen von Valproat bei einer Einnahme durch schwangere Frauen – darunter ein hohes Risiko für angeborene Fehlbildungen – seit Langem unumstritten sind, rückt die männliche Perspektive erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Forschung.

Wichtiger Rat für betroffene Patienten

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie führende medizinische Fachgesellschaften warnen eindringlich davor, die Medikation aus Sorge eigenmächtig abzusetzen. Ein plötzlicher Stopp der Valproat-Einnahme kann lebensgefährliche epileptische Anfälle oder schwere Rückfälle bei bipolaren Störungen auslösen. Patienten, die eine Familie planen, sollten stattdessen frühzeitig das offene Gespräch mit ihrem behandelnden Facharzt suchen, um gemeinsam sichere Alternativen oder Anpassungen der Therapie zu besprechen.

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