Warnung der Fachgesellschaften: Cannabis-Teillegalisierung birgt unterschätzte Risiken für Jugendliche

Djamal Sadaghiani
Cannabis-Teillegalisierung 2026: Fachgesellschaften warnen vor Risiken

Zwei Jahre nach der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland schlagen führende Mediziner und Suchtexperten Alarm. Der kürzlich veröffentlichte zweite Zwischenbericht zum Konsumcannabisgesetz (EKOCAN) vermittelt nach Ansicht zentraler medizinischer Fachgesellschaften ein gefährlich verzerrtes Bild der aktuellen Lage.

Ein trügerisches Fazit der Bundesregierung

Das vom Bundesministerium für Gesundheit beauftragte Forschungsprojekt EKOCAN kam in seinem aktuellen Zwischenbericht zu dem Schluss, dass die Freigabe von Cannabis im April 2024 bisher kaum messbare Auswirkungen auf das allgemeine Konsumverhalten gehabt habe. Doch dieser Einschätzung widersprechen die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) sowie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) nun vehement.

In einer gemeinsamen Stellungnahme warnen die Experten davor, die vorläufigen Daten als Entwarnung zu missverstehen. Die offizielle Schlussfolgerung sei der tatsächlichen Datenlage nicht angemessen und blende gefährliche Entwicklungen aus.

Jugendliche besonders gefährdet: Problematischer Konsum steigt

Besonders besorgniserregend ist die Situation bei jungen Menschen. Laut Vertretern der Fachgesellschaften bleibt die Gesamtzahl der Konsumenten zwar weitgehend stabil, doch die Art des Konsums hat sich verschärft. Der Anteil derjenigen, die ein schädliches oder gar abhängiges Konsummuster aufweisen, sei spürbar gestiegen. Dies betreffe vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.

Zusätzlich beobachten die Experten eine alarmierende Begleiterscheinung:

  • Immer weniger betroffene Jugendliche nehmen Suchtberatungsangebote in Anspruch.
  • Maßnahmen zur Frühintervention greifen seltener ins Leere.
  • Die öffentliche Verharmlosung der Droge durch die Teillegalisierung senkt die Hemmschwelle für einen riskanten Konsum.

Grauzone Medizinalcannabis

Ein weiterer Kritikpunkt der Mediziner richtet sich auf den Umgang mit medizinischem Cannabis. Seit den regulatorischen Änderungen hat sich ein rasant wachsender Markt etabliert, der extrem niedrigschwellige Zugänge bietet. Oftmals fehlt ein verpflichtender persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient. Die Fachgesellschaften warnen, dass diese Entwicklung Fehlanwendungen massiv begünstige und die dringend notwendige Grenze zwischen medizinischer Indikation und reinem Freizeitkonsum zunehmend verschwimme. Ein konsequenter Gesundheits- und Jugendschutz sei auf diese Weise nicht mehr gewährleistet.

Echte Folgen erst in Jahren sichtbar

Führende Psychiater betonen zudem, dass es für eine abschließende Bewertung der Cannabis-Politik schlichtweg zu früh sei. Die Befragungen für den aktuellen Zwischenbericht fanden zu nah am Inkrafttreten des Gesetzes statt. Die wahren gesundheitlichen und gesellschaftlichen Effekte einer solchen Legalisierung ließen sich laut der Experten frühestens nach fünf, realistischerweise jedoch erst nach zehn Jahren fundiert beurteilen.

Die Fachgesellschaften fordern daher eine transparente Kommunikation der wissenschaftlichen Daten, ein klares Benennen der Unsicherheiten und eine strikte Trennung von empirischen Befunden und politischer Beratung. Für eine wirksame Prävention und den Schutz der mentalen Gesundheit müsse die Politik kritische Befunde ernst nehmen und entsprechende Regulierungen rasch nachbessern.

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