Warnung vor GKV-Kollaps: Ärztepräsident fordert Milliarden vom Bund

Djamal Sadaghiani
GKV-Finanzierung: Ärztepräsident Reinhardt fordert 3 Milliarden Euro

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) spitzt sich weiter zu. Angesichts drohender Beitragssteigerungen und wachsender Finanzierungslücken im Gesundheitssystem wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung lauter. Nun schlägt der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, Alarm und nimmt dabei direkt die Bundesregierung in die Pflicht.

Drei Milliarden Euro als dringend benötigtes Startsignal

In einer deutlichen Stellungnahme fordert Reinhardt den Bundesfinanzminister auf, umgehend finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Konkret geht es um einen Betrag von mindestens drei Milliarden Euro aus Bundesmitteln. Diese Summe soll laut der Bundesärztekammer jedoch nur der Einstieg in eine weitaus größere Maßnahme sein: die vollständige Refinanzierung sogenannter versicherungsfremder Leistungen.

Versicherungsfremde Leistungen sind Ausgaben, die von den Krankenkassen getragen werden, eigentlich aber gesamtgesellschaftliche Aufgaben des Staates darstellen. Da der Staat diese Kosten bislang nicht aus Steuermitteln deckt, müssen die Beitragszahler der GKV diese erhebliche finanzielle Last schultern.

Typische versicherungsfremde Leistungen umfassen:

  • Die Übernahme der Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger
  • Zahlungen von Mutterschaftsgeld
  • Krankengeld bei der Betreuung erkrankter Kinder

"Der Finanzminister darf sich nicht wegducken"

Reinhardt wählt klare Worte in Richtung des Finanzministeriums. Die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung dürfe nicht länger auf die lange Bank geschoben werden. Wenn der Staat soziale Aufgaben an die Kassen delegiert, müsse er auch für deren vollständige Finanzierung durch den Bundeshaushalt aufkommen. Ein "Wegducken" des Finanzministers sei angesichts der angespannten Lage des Gesundheitssystems inakzeptabel.

Was bedeutet das für Pflege und medizinische Versorgung?

Für Patienten, Pflegebedürftige und das medizinische Personal steht viel auf dem Spiel. Werden die Kassen nicht durch Steuermittel entlastet, drohen unweigerlich weitere Beitragserhöhungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Gleichzeitig fehlt das Geld an allen Ecken und Enden – sei es für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften, den Ausbau der Infrastruktur oder die dringend notwendige Digitalisierung von Kliniken und Praxen.

Gesundheitsexperten warnen schon lange, dass die Quersubventionierung staatlicher Aufgaben durch Beitragsgelder das Solidarsystem auf Dauer überlastet. Ein finanzielles Einlenken des Bundes könnte dringend benötigte Spielräume schaffen, um die Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Deutschland auch in Zukunft auf hohem Niveau sicherzustellen.

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