Warum der Verzicht auf das Wort 'Krebs' beim Prostatakarzinom Leben retten könnte

Dominik Hübenthal
Prostatakarzinom: Senkt eine neue Bezeichnung die Mortalität?

Die Diagnose „Krebs“ löst bei Betroffenen und ihren Angehörigen oft einen tiefen Schock aus. Doch was wäre, wenn bestimmte, sehr langsam wachsende Tumore gar nicht mehr als Krebs bezeichnet würden? Genau diesen Ansatz verfolgen Forscher aus New York bei niedriggradigen Prostatakarzinomen. Ein aktuelles wissenschaftliches Modell zeigt nun, dass eine solche Namensänderung weitreichende positive Folgen haben könnte – bis hin zu einer gesenkten Sterblichkeitsrate.

Was ist ein niedriggradiges Prostatakarzinom?

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Mediziner unterteilen die Tumore in verschiedene Risikogruppen. Das sogenannte Prostatakarzinom der Graduierungsgruppe 1 (GG1) gilt als besonders risikoarm. Diese Tumorzellen wachsen extrem langsam und streuen in der Regel nicht. Für viele Patienten stellt diese Form des Tumors zu Lebzeiten keine echte gesundheitliche Bedrohung dar.

Trotzdem wird den Betroffenen offiziell mitgeteilt, dass sie an „Krebs“ leiden. Diese Diagnose führt häufig zu enormem psychischem Stress und der sofortigen Forderung nach einer Behandlung, obwohl eine sogenannte „aktive Überwachung“ (Active Surveillance) medizinisch oft der bessere Weg wäre.

Die Gefahr der Überbehandlung

Sobald das Wort Krebs im Raum steht, entscheiden sich viele Männer für aggressive Therapiemethoden wie eine operative Entfernung der Prostata oder eine Bestrahlung. Diese Eingriffe sind jedoch mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Zu den häufigsten Langzeitfolgen gehören:

  • Inkontinenz (ungewollter Urinverlust)
  • Erektile Dysfunktion (Impotenz)
  • Darmschädigungen bei Bestrahlungen

Eine Umbenennung in eine „präkanzeröse Erkrankung“ – also eine Krebsvorstufe – könnte diesen Automatismus durchbrechen. Patienten würden weniger Panik verspüren und eher bereit sein, den Tumor lediglich regelmäßig kontrollieren zu lassen, anstatt sich unnötigen und belastenden Operationen zu unterziehen.

Wie eine neue Bezeichnung Leben retten kann

Eine kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Oncology veröffentlichte Modellierungsstudie liefert den Befürwortern der Namensänderung nun starken Rückenwind. Die Forscher simulierten, wie sich der Verzicht auf das Wort „Krebs“ bei GG1-Tumoren auf die Sterblichkeit auswirken würde. Das überraschende Ergebnis: Sämtliche Szenarien fielen zugunsten der Namensänderung aus.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen sinkt das Risiko für lebensgefährliche Komplikationen, die durch unnötige Operationen entstehen können. Zum anderen meiden derzeit viele Männer die wichtige Prostatakrebs-Früherkennung (PSA-Test) aus reiner Angst vor einer Überdiagnose und den anschließenden radikalen Behandlungen. Wenn ein harmloser Befund jedoch „nur“ als Krebsvorstufe deklariert wird, verliert die Früherkennung ihren Schrecken. Mehr Männer würden an Screenings teilnehmen, wodurch die gefährlichen, aggressiven Tumorarten rechtzeitig entdeckt und behandelt werden könnten.

Ein Paradigmenwechsel in der Urologie?

Die Debatte um die Umbenennung des niedriggradigen Prostatakarzinoms wird in medizinischen Fachkreisen schon seit einigen Jahren geführt. Die neuen Daten könnten nun den Anstoß für ein echtes Umdenken geben. Für Pflegekräfte, Ärzte und beratende Stellen im Gesundheitswesen bedeutet dies künftig eine noch wichtigere Rolle in der Patientenaufklärung. Es gilt, Ängste zu nehmen und die Lebensqualität der betroffenen Männer in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen.

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