Alarm um Pflegereform: Ist die Hygiene zu Hause in Gefahr?

Dominik Hübenthal
Pflegereform (PNOG): BVMed warnt vor Infektionsrisiko bei häuslicher Pflege

Millionen Menschen in Deutschland werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Eine geplante Gesetzesänderung sorgt in diesem Bereich nun für scharfe Kritik. Das sogenannte Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sieht vor, die Finanzierung von wichtigen Hygieneartikeln grundlegend umzustrukturieren. Gesundheitsexperten befürchten, dass dieser Schritt den Infektionsschutz in der häuslichen Pflege massiv schwächen könnte.

Das Entlastungsbudget und die Pflegehilfsmittel

Bislang haben Pflegebedürftige einen festen, monatlichen Anspruch auf zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel. Der aktuelle Referentenentwurf der Bundesregierung plant jedoch, diesen eigenständigen Sachleistungsanspruch in ein neues, übergreifendes Entlastungsbudget zu überführen. Das bedeutet in der Praxis: Das Geld, das bisher fest für Hygieneartikel reserviert war, wandert in einen gemeinsamen Topf, aus dem auch andere Entlastungsleistungen wie etwa die Verhinderungspflege bezahlt werden sollen.

Industrieverband warnt vor dramatischen Folgen

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) schlägt angesichts dieser Pläne Alarm. In einer aktuellen Stellungnahme macht der Verband deutlich, dass die Streichung des separaten Budgets die Basishygiene in der häuslichen Pflege akut gefährdet. Wenn Familien künftig entscheiden müssen, ob sie das begrenzte Entlastungsbudget für dringend benötigte Betreuungsleistungen oder für den Kauf von Desinfektionsmitteln ausgeben, droht die Hygiene aus finanziellen Gründen auf der Strecke zu bleiben.

Laut Dr. Marc-Pierre Möll, dem Geschäftsführer des BVMed, darf der Infektionsschutz nicht zu einer optionalen Zusatzleistung degradiert werden. Er betont, dass eine lückenlose Hygiene die absolute Grundvoraussetzung sei, um eine sichere Versorgung in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten.

Welche essenziellen Hilfsmittel sind betroffen?

Der Wegfall eines zweckgebundenen Budgets betrifft Produkte, die im Pflegealltag unverzichtbar sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Einmalhandschuhe für die Körperpflege und Wundversorgung
  • Hände- und Flächendesinfektionsmittel
  • Mundschutzmasken zum Schutz vor Atemwegsinfektionen
  • Saugende Bettschutzeinlagen für bettlägerige Patienten
  • Schutzschürzen für pflegende Angehörige

Ein verlässlicher Anspruch wird gefordert

Die Forderung der Experten an die Politik ist eindeutig: Die Absicherung von Pflegehilfsmitteln muss als eigenständiger Posten in der Pflegeversicherung erhalten bleiben. Ein verlässlicher und vor allem qualitätsgesicherter Anspruch auf diese Verbrauchsmaterialien sei zwingend notwendig. Nur so kann sichergestellt werden, dass pflegende Angehörige nicht aus der Not heraus an der falschen Stelle sparen – nämlich beim elementaren Schutz vor gefährlichen Infektionen, die für geschwächte Pflegebedürftige lebensbedrohlich sein können.

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