Psychotherapie in Gefahr? Berufsverband fordert sofortige Gesetze nach der Sommerpause
Die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Nach der Verabschiedung des umstrittenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes im Juli 2026 warnt der Berufsverband Psychosoziale Berufe (DGVT-BV) vor massiven Einschnitten für Patienten und Praxen. Nun erhöht der Verband den Druck auf die Politik: Nach der parlamentarischen Sommerpause müssen dringend verbindliche Gesetze her, um die Versorgung psychisch erkrankter Menschen abzusichern.
Ein rechtlich unverbindliches Versprechen?
Im Kern des Konflikts steht ein sogenannter Entschließungsantrag der Regierungskoalition. Dieser wurde kurz vor der Sommerpause begleitend zum neuen Spargesetz im Gesundheitswesen verabschiedet. Darin erkennen die Fraktionen von CDU/CSU und SPD zwar an, dass psychisch erkrankte Menschen eine besonders vulnerable Gruppe darstellen, und versprechen Ausnahmen von der strikten Budgetierung der Behandlungsgelder. Das große Problem dabei: Ein solcher Antrag ist eine reine Absichtserklärung und rechtlich nicht bindend.
Laut dem Berufsverband Psychosoziale Berufe beschreibt dieser Vorstoß die durch das Sparpaket entstandenen Probleme zwar zutreffend, löst sie aber nicht. Der Verband hat sich deshalb in einem eindringlichen Schreiben direkt an die Mitglieder der Bundesregierung sowie an den Gesundheitsausschuss des Bundestags gewandt. Die klare Forderung: Die zugesagten Ausnahmeregelungen dürfen kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern müssen unmittelbar nach der Sommerpause in verbindliches Recht gegossen werden.
Forderung nach vollständiger Entbudgetierung
Für den DGVT-BV greifen die bisherigen Zugeständnisse der Politik schlichtweg zu kurz. Anstatt das Problem an der Wurzel zu packen, würden lediglich Ausnahmen definiert, anstatt die Budgetierung der psychotherapeutischen Leistungen selbst zu korrigieren. Um das selbstgesteckte Ziel einer kontinuierlichen und verlässlichen Versorgung psychisch kranker Menschen in der Praxis wirklich zu erreichen, brauche es weitreichendere Maßnahmen.
Der Appell an die Bundestagsabgeordneten umfasst konkrete Kernpunkte:
- Rechtssicherheit schaffen: Die im Juli gemachten politischen Zusagen müssen im September zwingend gesetzlich verankert werden.
- Freier Zugang zur Behandlung: Der Zugang zu psychotherapeutischen Angeboten muss dauerhaft entbudgetiert bleiben, um lange Wartezeiten zu verhindern.
- Vollständige Vergütung: Psychotherapeutische Leistungen sollten komplett in den Katalog der vollständig zu vergütenden Leistungen aufgenommen werden.
Sollte eine komplette Entbudgetierung politisch nicht durchsetzbar sein, pocht der Verband zumindest auf einen unumstößlichen Minimalkonsens. Demnach müssten zwingend psychotherapeutische Sprechstunden, Probatorik, Akutbehandlungen sowie Gruppenpsychotherapien als Kurz- und Langzeittherapie von jeglichen Budgetkürzungen ausgenommen werden.
Die Zeit drängt für Patienten und Praxen
Die Unsicherheit in den Praxen ist groß, und die Sorge wächst, dass Patienten künftig noch länger auf dringend benötigte Therapieplätze warten müssen. Wenn der Bundestag im September aus der Sommerpause zurückkehrt, wird sich zeigen, ob die Politik den Worten des Entschließungsantrags auch Taten folgen lässt. Für den Berufsverband steht fest: Ohne rasche gesetzliche Nachbesserungen steht die Qualität und Erreichbarkeit der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland massiv auf dem Spiel.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

