Alzheimer-Screening für Zuhause: Kombination aus Trockenblut- und Onlinetest zeigt enormes Potenzial

Dominik Hübenthal
Alzheimer-Früherkennung: Home-Screening durch Trockenbluttest

Ein einfacher Piks in den Finger und ein kurzer Test am Computer – was wie Zukunftsmusik klingt, könnte bald die Diagnose von Demenzerkrankungen grundlegend verändern. Eine aktuelle Studie, die im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt vielversprechende Ergebnisse für ein kombiniertes Alzheimer-Screening, das bequem von Zuhause aus durchgeführt werden kann.

Der Weg zur minimalinvasiven Diagnose

Bislang ist die verlässliche Diagnose von Morbus Alzheimer ein aufwendiger Prozess. Sie erfordert oft teure Gehirnscans oder die Entnahme von Nervenwasser durch eine Lumbalpunktion – beides belastende und ressourcenintensive Verfahren für die Patienten. Der neuartige Ansatz kombiniert hingegen zwei leicht zugängliche Methoden für ein sogenanntes Home-Screening:

  • Der Trockenbluttest: Patienten entnehmen sich selbst einen Tropfen Blut aus der Fingerbeere, der auf eine spezielle Testkarte getropft wird. Nach dem Trocknen kann diese Karte unkompliziert per Post an ein Speziallabor geschickt werden.
  • Der Onlinetest: Parallel zur Blutprobe absolvieren die Betroffenen am Computer oder Tablet standardisierte Tests zur Überprüfung ihrer kognitiven Fähigkeiten und ihres Gedächtnisses.

Was genau wird im Blut gesucht?

Das Geheimnis des neuen Tests liegt in der Erkennung spezifischer Biomarker. Laut den Forschern gelangen Fragmente sogenannter Tau-Fibrillen – insbesondere das Protein p-tau217 – bereits in einer sehr frühen Phase der Alzheimer-Erkrankung in die Blutbahn. Diese Proteine gelten neben Beta-Amyloid-Ablagerungen als die wichtigsten histologischen Hauptmerkmale für Morbus Alzheimer im Gehirn. Ein spezialisiertes Labor kann diese winzigen Spuren aus dem getrockneten Blutstropfen extrahieren und hochpräzise analysieren.

Entlastung für das Gesundheitssystem

Experten der Universität Exeter, die maßgeblich an der Erprobung dieses Verfahrens beteiligt waren, betonen das enorme Potenzial für die flächendeckende medizinische Versorgung. Da die Kapazitäten für spezialisierte neurologische Untersuchungen stark begrenzt sind, könnte das Home-Screening künftig als eine Art intelligenter Vorfilter dienen.

Personen mit auffälligen Blutwerten und gleichzeitigen kognitiven Einschränkungen könnten so priorisiert an Fachärzte überwiesen werden. Bei völlig unauffälligen Ergebnissen ließen sich hingegen unnötige und teure Überweisungen vermeiden. Gerade in ländlichen Regionen oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität bietet das postalische Verfahren einen barrierefreien Zugang zur Früherkennung.

Noch nicht perfekt, aber ein Meilenstein

Obwohl die bisherigen Ergebnisse bahnbrechend sind, weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass der Trockenbluttest aus der Fingerbeere derzeit noch nicht ganz die Präzision einer klassischen venösen Blutentnahme beim Arzt erreicht. Dennoch ist die Übereinstimmung der Messwerte bereits jetzt sehr hoch.

Dass der Weg vielversprechend ist, zeigt auch ein Blick in die USA: Die dortige Arzneimittelbehörde FDA hat den Nachweis des p-tau217-Proteins im Blut bereits zur Bestätigung der Diagnose bei Patienten mit Symptomen zugelassen. Dies unterstreicht die hohe klinische Relevanz dieses Biomarkers.

Fazit und Ausblick

Bis das Verfahren standardmäßig in der Hausarztpraxis oder als reguläre Kassenleistung angeboten wird, sind noch weitere Optimierungen und großflächige Studien nötig. Für die Alzheimer-Forschung und die zukünftige Patientenversorgung markiert die Kombination aus Trockenblut- und Onlinetest jedoch einen entscheidenden Schritt in Richtung einer massentauglichen, patientenfreundlichen und vor allem frühzeitigen Demenz-Diagnostik.

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