Apothekensterben: Fachärzte fordern Medikamenten-Ausgabe direkt in der Praxis
Wer nach einer ärztlichen Untersuchung dringend ein Medikament benötigt, steht besonders in ländlichen Regionen immer häufiger vor einem gravierenden Problem: Die nächste Apotheke ist meilenweit entfernt. Um diese wachsende Versorgungslücke zu schließen, fordert der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) nun eine weitreichende Gesetzesänderung. In medizinisch begründeten Akutfällen sollen Ärztinnen und Ärzte verschreibungspflichtige Arzneimittel künftig direkt in der Praxis an ihre Patientinnen und Patienten abgeben dürfen.
Wenn der Weg zur rettenden Arznei zu weit wird
Das fortschreitende Apothekensterben hinterlässt in ganz Deutschland spürbare Spuren. In einigen Regionen gibt es bereits heute keine Apotheke mehr vor Ort – wohl aber noch haus- und fachärztliche Praxen. Für kranke Menschen bedeutet dies oft eine immense körperliche und psychische Belastung, wenn sie mit akuten Schmerzen oder schweren Infekten noch weite Wege auf sich nehmen müssen, um an ihre rettenden Medikamente zu gelangen.
Laut Dr. Dirk Heinrich, dem Vorstandsvorsitzenden des SpiFa, darf die Versorgung mit dringend benötigten Medikamenten wie Antibiotika, starken Schmerzmitteln oder Asthmasprays nicht an der Entfernung scheitern. Wer eine medizinische Diagnose stelle und eine akute Behandlung für zwingend erforderlich halte, müsse den Betroffenen in klar definierten Ausnahmefällen auch unmittelbar helfen können. Die Gesundheitspolitik müsse sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren und dürfe nicht an überholten Sektorengrenzen festhalten, so der Verband.
Keine Konkurrenz, sondern eine pragmatische Notlösung
Der Vorstoß der Fachärzteschaft zielt ausdrücklich nicht darauf ab, die reguläre Arzneimittelversorgung aus den Apotheken in die Arztpraxen zu verlagern. Die flächendeckende Versorgung durch öffentliche Apotheken wird vom Verband weiterhin als unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens angesehen.
Vielmehr geht es um ein sogenanntes Dispensierrecht für absolute Ausnahmefälle. Wo eine zeitnahe Versorgung über eine Apotheke schlichtweg nicht mehr gewährleistet werden kann, fordert der SpiFa pragmatische Lösungen vom Gesetzgeber.
Die Kernforderungen des SpiFa im Überblick:
- Direkte Medikamentenabgabe: Erlaubnis für Ärzte, in Akutfällen verschreibungspflichtige Medikamente direkt auszuhändigen.
- Fokus auf Notfälle: Die Regelung soll ausschließlich für klar definierte Ausnahmefälle gelten.
- Schutz der Apotheken: Keine generelle Verlagerung der Arzneimittelversorgung; Apotheken bleiben unverzichtbar.
- Orientierung am Ausland: Übernahme bewährter Konzepte aus anderen europäischen Ländern.
Blick ins europäische Ausland
Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus zeigt, dass eine direkte Medikamentenabgabe durch Ärzte in Akutfällen kein Novum ist. Zahlreiche europäische Staaten haben bereits ähnliche Regelungen erfolgreich etabliert. Aus diesen Erfahrungen, so die Argumentation der Fachärzte, könne und müsse die Bundesregierung nun lernen, um die Patientensicherheit auch in strukturschwachen Regionen aufrechtzuerhalten.
Ob die Bundesregierung den Forderungen des SpiFa nachkommen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Diskussion um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf dem Land gewinnt durch diesen Vorstoß weiter an Fahrt. Für viele Patientinnen und Patienten wäre die direkte Medikamentenabgabe in der Praxis zweifellos eine enorme Erleichterung im Krankheitsfall.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

