Ärztemangel in Sachsen: Über 300 Hausärzte fehlen – Ländliche Regionen massiv betroffen
Alarmierende Zahlen aus dem Gesundheitsministerium
Die medizinische Versorgung im Freistaat Sachsen steht vor massiven Herausforderungen. Aktuelle Zahlen des sächsischen Gesundheitsministeriums, die auf eine Anfrage der Linke-Fraktionschefin Susanne Schaper zurückgehen, zeichnen ein deutliches Bild: Vielerorts klaffen enorme Lücken in der ambulanten Betreuung. Besonders kritisch ist die Lage in Ost- und Südwestsachsen, wo Patienten immer häufiger vor verschlossenen Praxistüren stehen oder monatelang auf Termine warten müssen.
Hausärzte fehlen an allen Ecken und Enden
Der Mangel an Allgemeinmedizinern ist gravierend. Die Daten mit Stand vom 1. Januar dieses Jahres zeigen, dass in zehn der 48 sächsischen Planungsgebiete bereits eine Unterversorgung herrscht oder unmittelbar droht. Von einer Unterversorgung sprechen Experten, wenn der sogenannte Versorgungsgrad unter die kritische Marke von 75 Prozent fällt.
Besonders angespannt ist die Situation in Regionen wie Werdau, wo der Versorgungsgrad bei den Hausärzten auf alarmierende 69,1 Prozent gesunken ist. Auch in Städten und Gemeinden wie Annaberg-Buchholz, Aue, Döbeln, Görlitz, Hoyerswerda und Torgau fehlt es an grundlegender medizinischer Betreuung. Rein rechnerisch werden im Freistaat aktuell 308 zusätzliche Hausärzte benötigt, um die vorhandenen rund 2.600 Mediziner zu entlasten und den Bedarf zu decken.
Auch Fachärzte sind Mangelware
Doch nicht nur bei den Allgemeinmedizinern brennt es. Wer einen Facharzt sucht, braucht in vielen sächsischen Regionen viel Geduld. So liegt der Versorgungsgrad bei Augenärzten im Raum Stollberg bei lediglich rund 67 Prozent. Noch dramatischer ist die Lage in der Dermatologie: In der Region Löbau-Zittau liegt die Versorgung durch Hautärzte bei erschreckenden 15 Prozent. Auch bei Kinderärzten, Urologen sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigen sich bedenkliche Engpässe.
Warum fehlen trotz steigender Arztzahlen Mediziner?
Paradoxerweise ist die absolute Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Sachsen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen – von rund 13.000 im Jahr 1995 auf über 20.000 in der jüngeren Vergangenheit. Das Gesundheitsministerium verweist hierbei auf einen grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt. Viele Medizinerinnen und Mediziner legen heute größeren Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit oder in Angestelltenverhältnissen. Das führt dazu, dass trotz einer höheren Kopfzahl unbesetzte Arztsitze bleiben und die zur Verfügung stehende Behandlungszeit für die Patienten sinkt.
Maßnahmen gegen den Ärztemangel
Um dem drohenden Kollaps der ländlichen Versorgung entgegenzuwirken, hat die Landesregierung in den vergangenen Jahren verschiedene Initiativen gestartet. Ein zentraler Baustein ist die Erhöhung der Medizinstudienplätze sowie die Einführung der sogenannten Landarztquote. Damit sollen gezielt junge Menschen für den Arztberuf in strukturschwachen Regionen gewonnen werden. Aktuell befinden sich laut Ministeriumsangaben über 400 Studierende in entsprechenden Programmen, die in den kommenden Jahren schrittweise die ländliche Versorgung verstärken sollen.
Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um den demografischen Wandel und das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben zu kompensieren, bleibt abzuwarten. Für viele Patienten in Sachsen bleibt die Suche nach ärztlicher Hilfe vorerst eine Geduldsprobe.
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