Ärzteverband fordert: Harter Alkohol soll aus Supermärkten und von Tankstellen verschwinden

Djamal Sadaghiani
Marburger Bund fordert Alkohol-Verkaufsverbot in Supermärkten

Der Zugang zu hochprozentigem Alkohol ist in Deutschland so leicht wie in kaum einem anderen europäischen Land. Geht es nach dem Marburger Bund, soll sich das nun drastisch ändern. Der Ärzteverband fordert ein hartes Durchgreifen und will den Verkauf von harten Spirituosen aus dem alltäglichen Einzelhandel verbannen.

Schluss mit Schnaps an der Kasse

Ein kurzer Stopp an der Tankstelle oder der reguläre Wocheneinkauf im Supermarkt – hochprozentige alkoholische Getränke sind derzeit überall und fast rund um die Uhr verfügbar. Laut dem Marburger Bund ist diese ständige Verfügbarkeit ein massives gesundheitspolitisches Problem. Der Verband fordert deshalb, den Verkauf von Spirituosen strenger zu regulieren und aus dem normalen Einzelhandel abzuziehen.

Die konkrete Forderung der Ärztevertreter lautet:

  • Verkaufsverbot im Alltagshandel: Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollen künftig keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten dürfen.
  • Einführung von Spezialgeschäften: Der Verkauf soll stattdessen ausschließlich in lizenzierten, spezialisierten Verkaufsstellen – sogenannten „Alkoholshops“ – stattfinden.

Gesundheitsschutz vor Profit

Hintergrund des Vorstoßes sind die verheerenden gesundheitlichen Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums. Ärzte und Pflegekräfte in deutschen Kliniken werden täglich mit den Auswirkungen konfrontiert. Von schweren Leberschäden über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu neurologischen Ausfällen – Alkohol ist ein Zellgift, das den Körper nachhaltig schädigt.

Die Mediziner warnen davor, dass die leichte Zugänglichkeit die Hemmschwelle zum Kauf senkt und insbesondere Suchtkranken den Entzug extrem erschwert. Durch die Auslagerung in spezielle Geschäfte erhofft sich der Marburger Bund eine bewusstere Kaufentscheidung und einen besseren Jugendschutz, da in lizenzierten Shops Alterskontrollen deutlich strenger und konsequenter durchgeführt werden könnten.

Auswirkungen auf das Pflegesystem

Auch für die Pflegebranche hätte eine Reduzierung von alkoholbedingten Erkrankungen spürbare Folgen. Alkoholmissbrauch ist eine häufige Ursache für vorzeitige Pflegebedürftigkeit. Krankheitsbilder wie das Korsakow-Syndrom, schwere Demenzformen oder die gravierenden Folgen von alkoholbedingten Schlaganfällen binden enorme personelle und finanzielle Ressourcen in der Pflege.

Ein strikterer Zugang zu hochprozentigen Getränken könnte langfristig nicht nur das Gesundheitssystem entlasten, sondern auch den Pflegekräften, die ohnehin unter massiver Arbeitsbelastung leiden, spürbar zugutekommen.

Ein Blick ins Ausland

Was in Deutschland wie eine radikale Forderung klingt, ist in anderen Ländern längst bewährte Praxis. In skandinavischen Ländern wie Schweden oder Norwegen wird Alkohol ab einem bestimmten Volumenprozent ausschließlich in staatlich kontrollierten Geschäften verkauft. Diese Maßnahme hat dort nachweislich zu einem Rückgang des Pro-Kopf-Konsums und der alkoholbedingten Todesfälle geführt.

Ob die Politik den Forderungen des Marburger Bundes nachkommen wird, bleibt abzuwarten. Es ist jedoch ein deutliches Signal der Ärzteschaft, dass im Kampf gegen die Volksdroge Alkohol dringend neue und konsequente Wege gegangen werden müssen.

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