Arztmangel im Rheinland: Sind "Physician Assistants" die Rettung für volle Wartezimmer?
Die Wartezimmer sind voll, die Behandlungen werden durch eine alternde Gesellschaft immer komplexer und die Zeit der Mediziner ist knapp bemessen. Um dem wachsenden Druck in der ambulanten Versorgung entgegenzuwirken, geht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein nun innovative Wege. Im Fokus steht dabei ein Berufsbild, das in Deutschland bislang vor allem in Krankenhäusern anzutreffen war: der Physician Assistant (PA).
Das Modellprojekt: 16 Praxen machen den Anfang
Nachdem im Herbst des vergangenen Jahres die ersten Haus- und Facharztpraxen im Rheinland Physician Assistants in ihren Alltag integriert haben, startete nun im Mai die erste große Evaluationsphase. Insgesamt 16 Praxen nehmen an dem zweijährigen Modellprojekt teil. Ziel ist es, die Rolle dieser hochqualifizierten Fachkräfte im Praxisalltag genau zu durchleuchten. Gemeinsam mit den teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten werden dabei die Chancen, aber auch die Hürden der Integration in der ambulanten Pflege bewertet.
Was ist eigentlich ein Physician Assistant?
Physician Assistants sind akademisch ausgebildete Gesundheitsfachkräfte. Ihr Studium umfasst medizinische Grundlagen, klinische Fertigkeiten und praxisorientierte Kompetenzen. In der Praxis unterstützen sie das ärztliche Personal bei diagnostischen und therapeutischen Tätigkeiten und übernehmen delegierbare Aufgaben in der direkten Patientenversorgung.
- Spürbare Entlastung: PAs übernehmen Routineaufgaben und Voruntersuchungen eigenständig.
- Mehr Fokus: Ärztinnen und Ärzte gewinnen wertvolle Zeit für anspruchsvolle und komplexe medizinische Fälle zurück.
- Modernes Teamwork: Die klassische Einzelpraxis entwickelt sich zunehmend zu einer multiprofessionellen Teampraxis.
Forderung nach rechtlicher und finanzieller Sicherheit
Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein brauche eine bedarfsgerechte ambulante Versorgung auf Dauer verlässliche Rahmenbedingungen, damit das Konzept im Alltag funktioniert. Der Einsatz der akademischen Fachkräfte müsse sich für die Praxen auch wirtschaftlich tragen. Bislang fehlt es im Kollektivvertrag an einer standardisierten Refinanzierung für das im Vergleich zu Medizinischen Fachangestellten höhere Gehalt der PAs. Die KV Nordrhein fordert daher ein klares Konzept, beispielsweise in Form eines speziellen Teampraxiszuschlags. Zudem müsse absolute Rechtssicherheit bei der Delegation von Aufgaben und bei Haftungsfragen herrschen.
Ein vielversprechender Weg aus der Krise?
Die aktuelle Evaluationsphase soll nun handfeste Daten liefern. Durch regelmäßige Befragungen und Workshops erhofft sich das Projektteam tiefe Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Physician Assistants. Sollte das bis Ende 2027 angelegte Projekt die erhofften Erfolge zeigen, könnten PAs bald flächendeckend zum gewohnten Bild in deutschen Haus- und Facharztpraxen gehören – und so einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der wohnortnahen Patientenversorgung leisten.
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