Deutscher Ärztetag schlägt Alarm: Notfallreform muss dringend an die Realität angepasst werden

Dominik Hübenthal
130. Deutscher Ärztetag: Kritik an der geplanten Notfallreform

Ärzteschaft fordert Kurskorrektur bei der Notfallreform

Die geplante Reform der Akut- und Notfallversorgung sorgt weiterhin für hitzige Debatten. Auf dem 130. Deutschen Ärztetag haben die Delegierten nun eine deutliche Forderung an die Politik gerichtet: Der vorliegende Gesetzentwurf müsse dringend an die harten Realitäten des Versorgungsalltags angepasst werden. Die Mediziner warnen davor, dass die aktuellen Pläne an der Praxis vorbeigehen und fordern weitreichende Nachbesserungen, um das System zukunftsfest zu machen.

Fokus auf echte Notfälle: Entlastung ist das Gebot der Stunde

Ein zentraler Kritikpunkt der Ärzteschaft ist die anhaltende Überlastung von Notaufnahmen und Rettungsdiensten durch Bagatellfälle. Der Ärztetag betont, dass die Reform konsequent darauf ausgerichtet sein müsse, diese Strukturen von Patienten zu entlasten, die keine akute Notfallmedizin benötigen. Um dies zu erreichen, fordern die Delegierten eine deutlich strengere Verbindlichkeit der vorgegebenen Versorgungspfade für Hilfesuchende.

Das übergeordnete Ziel müsse ein sogenannter „Single Point of Entry“ sein – eine zentrale, vernetzte Leitstelle, die Patienten zielsicher in die richtige Versorgungsebene steuert. Begleitend dazu wird eine breit angelegte Informationskampagne gefordert, die die Bevölkerung sensibilisiert, vor der Fahrt in die Klinik zunächst diese Leitstellen zu kontaktieren.

Einheitliches System statt Flickenteppich

Auch bei der Ersteinschätzung von Patienten sehen die Mediziner dringenden Handlungsbedarf. Statt eines unübersichtlichen Nebeneinanders verschiedener regionaler Systeme mit unterschiedlichen Folgen für die Patientensteuerung, plädiert der Deutsche Ärztetag für ein bundesweit einheitliches und validiertes Ersteinschätzungssystem. Die fachliche Verantwortung für dieses System müsse zwingend in den Händen der ärztlichen Selbstverwaltung liegen.

Kritik an neuen Vorhaltepflichten für Praxen

Besonders scharf kritisieren die Delegierten die geplante Verpflichtung, während der regulären Praxisöffnungszeiten zusätzliche aufsuchende Angebote der notdienstlichen Akutversorgung vorzuhalten. Angesichts der ohnehin stark angespannten Personalsituation in den Arztpraxen sei dies schlichtweg nicht umsetzbar. Der Ärztetag fordert daher die ersatzlose Streichung dieser Passage aus dem Gesetzentwurf, um eine weitere, künstliche Ausweitung von Notfallversorgungsangeboten zu verhindern.

Forderung nach struktureller Einbindung und solider Finanzierung

Damit die weitreichende Notfallreform in der Praxis gelingen kann, pocht die Ärzteschaft auf Mitbestimmung. Die Bundesärztekammer sowie die Landesärztekammern müssten strukturell in die geplanten Gremien zur Umsetzung der Reform eingebunden werden. Vor der Festlegung neuer Standorte für gemeinsame Anlaufstellen von vertragsärztlichem Notdienst und Krankenhäusern müsse zudem eine genaue Analyse der regionalen Auswirkungen erfolgen.

Abschließend mahnen die Ärzte an, dass eine Strukturreform nur mit der entsprechenden Rückendeckung funktionieren kann. Die Akut- und Notfallversorgung müsse finanziell, strukturell und personell so ausgestattet werden, dass sie am Ende einen echten Mehrwert bietet – sowohl für die Notfallpatienten als auch für das medizinische Personal, das diese lebenswichtige Versorgung Tag für Tag gewährleistet.

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